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Mangelnde Fairness, volkswirtschaftliche Dummheit

200 zusätzliche Bundesmilliarden für die Rente, aber nur eine Milliarde pro Jahr extra für die Bildung und keine mehr für den Kita-Ausbau? Es sieht so aus, als hätte Alt im Verteilungskampf gegen Jung den nächsten Punktsieg errungen. Ein Kommentar.

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Artikelbild: Mangelnde Fairness, volkswirtschaftliche Dummheit

Bild: Charlotte Govaert / Pixabay.

NEULICH KRITISIERTE Nikolaus Blome in seiner SPIEGEL -Kolumne, die Jungen ließen sich "ausnehmen wie Weihnachtsgänse" und bezog sich auf das von ihm als "Rentenskandal" bezeichnete Rentenpaket II der Ampel-Koalition. Ich empfand das in Vorwurf und Formulierung übertrieben. Obgleich es in der Tat sehr einseitig anmutete, den schon bis zu 112 Milliarden Euro hohen jährlichen Steuerzuschuss zur Rente (den vor allem die Jungen tragen müssen) weiter massiv zu erhöhen, um den Anstieg der Rentenbeiträge zu drücken. Doch genau deshalb gefiel mir der ebenfalls im Paket enthaltene Plan, bis 2035 kreditfinanziert einen Kapitalstock von 200 Milliarden Euro aufzubauen und in Aktien und Anlagen zu investieren. Jedenfalls kam er deutlich schlauer daher als das schlichte Beharren auf einem Umlagesystem, das in seiner reinen Form längst von der Demografie überholt wurde.

Jetzt muss ich mein Urteil revidieren. Denn die teuren Renten-Pläne, auch die vergleichsweise sinnvollen, muss man im Kontext sehen zu der jetzt ebenfalls bekannt ...

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Kommentare

#1 -

Leif Johannsen | Mi., 20.03.2024 - 10:40
Volle Zustimmung. Es ist schon erstaunlich, wie man in Zeiten, zu denen sich immer deutlicher herauskristalisiert, dass ein bedeutsamer Anteil der Bevoelkerung ("fake news"; Jung und Alt) Schwierigkeiten hat, zwischen Information und Desinformation zu unterscheiden, nicht eine massive Bildungszeitenwende (von den Krippen zu den Hochschulen) ausruft. Bildung hilft die groesseren Zusammenhaenge zu sehen bzw. zu verstehen, Bildung verhindert die Anfaelligkeit fuer Demagogen und verhindert Kriege, Bildung eroeffnet die Zukunft und ermoeglicht Innovationen und gesellschaftlichen Fortschritt, Bildung gewinnt Kriege. Das scheint bei vielen Entscheidungstraegern, die jetzt die Weichen stellen koennten, nicht beherzigt zu werden. Stattdessen "Spaltpilze", die mit breiter Brust vor ...

#2 -

M. Hoelscher | Mi., 20.03.2024 - 11:29
Absolute Zustimmung. Altersarmut muss bekämpft werden, aber eben nicht mit der Gießkanne. Mit einer gezielteren Verteilung könnte das Geld gespart werden, dass für die Jüngeren so nötig gebraucht würde (wer kommt z.B. auf die Idee, ein Sprachprogramm für KiTas zu kürzen, wo doch die Sprache eine der wichtigsten Voraussetzungen für die gesellschaftliche Teilhabe für alle ist?!).

#3 -

Josef König | Do., 21.03.2024 - 19:37
Moin,



glaubst wirklich, dass es richtig ist, Rente gegen Kitas auszuspielen?

Ich bin für den Ausbau der Kindererziehung gerade im jüngsten Alter (Kitas und Grundschulen), denn da werden Grundlagen gelegt, die viele Eltern nicht mehr schaffen, weil beide arbeiten müssen.

Dennoch: Das Rentenniveau liegt bei 48 %. Das weiter zu senken, träfe viele, die sich schon jetzt und erst recht später den Lebensunterhalt nicht leisten können.

Deutschland steht schlicht vor der Herausforderung, dass der demographische Wandel gerade eine Boomergeneration in die Rente entlässt, aber zu wenig Beitragszahler vorhanden sind, um die Renten zu finanzieren.

Du schreibst: „ Man könnte auch ...

#4 -

G. Büsing | Di., 26.03.2024 - 22:41
Ich halte es aus subjekiver Erfahrung heraus ebenfalls für sehr kurz gegriffen, wenn aktuelle Bildungsausgaben und Rentenausgaben gegeneinander ausgespielt werden. Da kämpfen eben nicht Alt gegen Jung einen Verteilungskampf. Beide Gruppen sind passive Zuschauer bzw. Leidtragende eines Spiels, das Personen und Gruppen spielen, die das Bildungssystem nicht mehr nutzen müssen und auch das Rentensystem nicht benötigen, da sie für sich auf ein anderes Alterssicherungssystem zurückgreifen können. Die große Ungerechtigkeit ist innerhalb der Gruppen "Jung" und "Alt" festgeschrieben. Innerhalb jeder Gruppe gibt es die Systemverlierer. Eine gerechte Bildungspolitik würde mehr in die Systemverlierer investieren und weniger in die "sowieso Gewinner". Und ...

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