Europäische Universitäten: Eine große Idee – klein gemacht?
Wer hinter Emmanuel Macrons großer Idee stecken könnte, wie die Europäische Kommission sie sich zu eigen macht und was die französische und die deutsche Wissenschaftsministerin daraus machen wollen: Eine Bestandsaufnahme nach einem Jahr, und ein Besuch in Paris.

DER JUNGE PRÄSIDENT hatte schon über eine Stunde geredet, als sich seine Tonlage plötzlich änderte. "Ich schlage die Gründung europäischer Universitäten vor", rief er in Richtung seiner zumeist jungen Zuhörerinnen und Zuhörer – und betonte dabei jedes einzelne Wort, "die ein Netzwerk von Universitäten aus mehreren europäischen Ländern bilden." Dabei ruderte er mit der linken Hand, und innerhalb weniger Sätze wurde aus dem Vorschlag eine Selbstverpflichtung: "Wir müssen uns dazu verpflichten, bis 2024 mindestens 20 solcher Universitäten einzurichten", sagte er immer noch mit lauter Stimme und begann zum Nachdruck aufs Rednerpult zu klopfen. Schon im nächsten akademischen Jahr müsse es losgehen.
Es war, als habe Emmanuel Macron auf diese Stelle in seiner Rede gewartet. In einer Rede, auf die ganz Europa gewartet hatte. Am 26. September 2017 stand der damals 39-Jährige in der Pariser Universität Sorbonne und beschrieb eine neue Vision für den Kontinent. Eigentlich war es keine Vision. Es war ein Plan: Macron sprach über Sicherheit und Innovation, über den Umgang mit Migration, über Europa als Wirtschaftsmacht und als Garant einer nachhaltigen Entwicklung. Und mittendrin die Idee Europäischer Universitäten. Als sei sie für Macron selbst der Kern seines Plans.
GESTERN HAT DIE EU-KOMMISSION DIE AUSSCHREIBUNG ZU DEN EUROPÄISCHEN UNIVERSITÄTEN OFFIZIELL VERÖFFENTLICHT. SIE FINDEN SIE HIER .
Nein, die Rede des Präsidenten, der Europa verändern wollte, hat nicht gereicht für den großen Neuanfang. Genau ein Jahr später steckt die Europäische Union immer noch in der Krise. Aber Macrons Idee der Europäischen Universitäten steht kurz vor ihrer Realisierung. Bis ins Frühjahr 2019 läuft die Pilotausschreibung, danach werden die ersten Gewinner gekürt, im Herbst 2019 soll das Geld fließen. Ist der Wettbewerb um ein paar Fördermillionen das, was vom europäischen Traum übrig ist? Oder sind die Europäischen Universitäten doch die hochfliegenden Hoffnungen wert, die viele in sie setzen? Als der Kern von etwas Neuem, das ...
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