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"Ich kann auch ganz schlecht Witze erzählen"

Helmut Jungwirth ist Molekularbiologe, Professor für Wissenschaftskommunikation und Mitglied des Erfolgskabaretts "Science Busters". Im "Gipfel der Bildung" spricht er über Humor als trojanisches Pferd, die Tyrannei der Seriosität und seinen Hund Woody.
Collage aus Cover des Podcasts

Foto Jungwirth: ernstpreininger.com.

EIGENTLICH, SAGT Helmut Jungwirth, ist er gar nicht für den Humor zuständig. Er sei schließlich Wissenschaftler. "Ich kann auch ganz schlecht Witze erzählen. Also unterlasse ich das." Vielleicht ist ja genau das das Erfolgsgeheimnis von "Science Busters", dem Wissenschaftskabarett aus Österreich, das als "Kelly Family der Naturwissenschaften" seit vielen Jahren die Theater füllt, inklusive TV-Show, Radioeinlagen und Podcast. Jungwirth und seine Wissenschaftlerkollegen lassen sich vom Kabarettisten Martin Puntigam befragen, es gibt Experimente, Musik und Effekte. Immer mit dabei: Jungwirths Hund Woody.

Jungwirth ist Molekularbiologe und wurde 2016 Österreichs erster Professor für Wissenschaftskommunikation an der Universität Graz. In einem neuen "Gipfel der Bildung" reden Patrick Honecker und Jan-Martin Wiarda mit ihm über Humor als trojanisches Pferd, den Kampf gegen Verschwörungstheoretiker und die "Tyrannei der Seriosität", unter der, so Jungwirth, die Wissenschaft leide: der Glaube, Forschungsergebnisse würden nur ernst genommen, wenn sie auch ernst kommuniziert würden, "aber das ist de facto nicht so". Die Wissenschaftskommunikation sei "sehr lang zu ruhig gewesen".

Es gehe ihm nicht darum, das Publikum schlauer zu machen, sagt er, sondern darum, dass die Leute rausgingen und sagten: "Ich hab mich amüsiert, ich habe mich unterhalten und ich habe was dazugelernt, was ich vielleicht vorher nicht gewusst habe."

Wie weit darf man dabei gehen? Jungwirth erzählt von einer Science-Busters-Nummer über Glutenunverträglichkeit und die Frage: "Ist der Leib Christi glutenfrei?" Grenzwertig, räumt er ein, aber genau deshalb habe er das Thema aus Sicht von Liturgie, Recht, Medizin und Mikrobiologie betrachtet. Es brauche Fingerspitzengefühl, sagt Jungwirth, aber eben auch Mut zur Zuspitzung.

Er sei eigentlich nur durch Zufall zum Kabarett gekommen, sagt Jungwirth. Aber seitdem kann er nicht mehr aufhören. Und mischt auch auf seinem Instagram-Account "@letsdogabout.science" fleißig Posts über neueste wissenschaftliche Studien mit Clips aus Fernsehshows und den "Science Facts des Tages". Zum Beispiel: "Warum denken Menschen, sie hätten Recht, auch wenn sie sich irren?"

Und manchmal hilft die Bühne auch gegen die eigene Eitelkeit. Als er einmal mit Hund Woody über den Grazer Campus ging, erzählt Jungwirth im Gespräch mit Honecker und Wiarda, hätten Studierende ihm von einem Balkon etwas zugerufen. Jungwirth dachte, sie hätten ihn aus dem Fernsehen erkannt, und war ein bisschen stolz auf sich. Bis klar wurde: Gemeint war nicht er, sondern Woody.

Ein Podcast über Bühnenmut, Bauchgefühl und die Frage, wie viel Leichtigkeit Wissenschaft verträgt. JMW.



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