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Wir dürfen die Studierenden nicht wieder so allein lassen

Was macht die Pandemie mit Hochschulen und Studierenden? Die Düsseldorfer Unirektorin und HRK-Vizepräsidentin Anja Steinbeck über einen größer werdenden Generationenkonflikt, die Idee der Universität, die Lobbyarbeit der Hochschulen und die "#IchbinHanna"-Initiative.

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Artikelbild: Wir dürfen die Studierenden nicht wieder so allein lassen

Fotos: Kay Herschelmann .

Frau Steinbeck, die Hochschulen haben drei Corona-Semester hinter sich. Vorüber ist die Pandemie auch diesen Herbst noch nicht. Können die Studierenden sich trotzdem auf die dauerhafte Rückkehr der Präsenzlehre einrichten?

Die letzten drei Semester haben gezeigt, dass das direkte Miteinander im Studium nicht zu ersetzen ist durch digitale Formate. Es gibt den ganz großen Wunsch nach Präsenz, und den werden wir so weit, wie es nur irgend möglich ist, erfüllen.

Was macht für Sie den Kern der Universität aus?

Das Studium ist nicht die Fortsetzung der schulischen Oberstufe. Die Universität steht für den wissenschaftlichen Austausch, die Begegnung anstelle der reinen Wissenschaftsvermittlung. Dieser Austausch lebt von der Sprache, von der Mimik, von der Gestik. Das kann man nicht digital abfangen. Auf Zoom müssen die Leute ihre digitale Hand heben, wenn sie etwas sagen wollen, dann ergibt sich eine schöne Rednerliste, aber sie haben kein Gefühl für das Gegenüber. Wenn das Seminar vorbei ist, gehen sie normalerweise noch zusammen in die Cafeteria und diskutieren weiter. Online sagen alle Tschüss, und das war’s.

Wenn der akademische Diskurs der Kern ist, kann man sich ja die Massenvorlesungen auch nach Corona sparen. Die empfinden viele Studierende als unproduktiv-passives Herumhocken, das sie in der Corona-Zeit nicht vermisst haben.

Also, ich habe das anders erlebt! 400 Erstsemester, ein grandioser Professor oder eine grandiose Professorin, das bleibt einem doch fürs Leben in Erinnerung. Dieses Erlebnis, da mit hunderten Leuten zusammenzusitzen, und alles um einen herum ist neu, dieser Riesensaal, die Zwischenrufe, manche Leute kommen später, gehen früher. All das, was in der Schule nicht denkbar war. Das können Sie nicht ins Digitale übertragen! Nein, selbst bei der reinen Wissensvermittlung hat die große Vorlesung nicht ausgedient.

Ich habe auch Professoren erlebt, die ihre eigenen Vorlesungen total spannend fanden, obwohl sie nur ihr eigenes Skript vorgelesen haben und die meisten Studierenden wegdämmerten.

Sie glauben doch ...

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Kommentare

#1 -

Peter | Do., 28.10.2021 - 01:19
Professoren sind Unternehmer in eigener Sache: Wissenschaftsunternehmer. Ein Grund für die geringe Anzahl an Präsenzveranstaltungen im WiSe 21/22 ist der, dass die Politik und die Hochschulleitungen zu lange mit der 3G-Ansage und Hochschulöffnungen gewartet haben. Offizielles kam erst im September 2021. Viele Uni-Profs hatten zu dem Zeitpunkt schon die Vorbereitungen für das WiSe abgeschlossen. (Didaktische) Investitionen in die Lehre sind durchaus „kostenintensiv“ im Sinne der eigenen Unternehmung. Denn niemand bereitet gerne Präsenz vor und muss dann wieder zu Zoom wechseln. Auch Raum- und Vorlesungsplanungen für das WiSe laufen bereits im August an und hier war sehr viele zu lange unklar. ...

#2 -

Mathematiker | Do., 28.10.2021 - 11:08
@Peter: Die Aussagen zur Lehre sind vollkommen korrekt.
Es ist einfach illusionär, daß man als Lehrender beliebig
hybrid arbeiten kann. Eine ordentliche Präsenzlehre ist
einfach unersetzbar. Daher ist schade, daß sich Etliche auf
Online-Formate einrichten und vor den Studenten "flüchten". Frau Steinbeck hat da die richtige Ansage. Auch
an der Uni Göttingen hat sich der gestern frisch gewählte Vizepräsident für Lehre und Studium da klar positioniert.

#3 -

Noch 'ne Hanna | So., 31.10.2021 - 12:31
"Der DHV spricht nicht für die Hochschulen, sondern für die Hochschullehrer. Das ist ein großer Unterschied."



Und die HRK spricht nicht für die Hochschulen insgesamt, sondern nur für die Hochschulleitungen - andernfalls hätten sich die Mitgliedshochschulen schon längst Selbstverpflichtungen auferlegt, um das #IchBinHanna-Problem anzugehen und um politischen und ggf. überschießenden Eingriffe in die Hochschulautonomie vorzubeugen. Es ist ähnlich wie bei der Problematik "Machtmissbrauch in der Wissenschaft": Schon vor Jahren hat die HRK angekündigt, dass sie Empfehlungen formulieren möchte, um Machtmissbrauch vorzubeugen und ggf. zu ahnden, aber da es sich um ein Problem handelt, welches die Hochschulleitungen und die Professor:innen, die ...

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