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Ja, es geht auch um Aufrichtigkeit

Wieso braucht der Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft eigene Verhaltensregeln? Anna-Zoe Herr über alternativlose Transparenz in der Wissenschaftskommunikation und den neuen "Public Engagement Kodex".

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Artikelbild: Ja, es geht auch um Aufrichtigkeit

Anna-Zoe Herr i st Public Engagement Coordinator an der Berlin School of Public Engagement and Open Science. Der "Public Engagement Codex" wurde im Rahmen der Berlin Science Week vorgestellt. Foto: privat.

Frau Herr, was ist eigentlich "Public Engagement"?

Zunächst einmal ist es eine Haltung. Eine Haltung, dass und wie sich Forschende mit der Gesellschaft in einen Austausch begeben wollen.

Ich dachte, das nennt man Wissenschaftskommunikation.

Tatsächlich ist Wissenschaftskommunikation in Deutschland noch der Standard, wenn die Forschung die Menschen da draußen über ihre Arbeit informieren wollen. Das kann auf unheimlich tolle und engagierte Weise passieren. Aber es bleibt meistens eine Einbahnstraße. Public Engagement, so wie es sich in anderen Ländern bereits etabliert hat, ist mehr. Es zielt auf Dialog ab und beruht auf Gegenseitigkeit Auf der Annahme, dass nicht nur die Forschung die Gesellschaft mit ihren Erkenntnissen bereichert. Sondern dass umgekehrt das Wissen, das in der Gesellschaft existiert, hilfreich und von gleichem Nutzen für die Forschenden sein kann. Von dem Austausch, von der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Öffentlichkeit, profitieren also beide Seiten.

Bitte geben Sie ein konkretes Beispiel.

Public Engagement-Formate können groß und klein sein. Ein Beispiel, dass mich letztens begeistert hat, kommt aus von Kathryn Hayhoe, einer Klimawissenschaftlerin aus den USA. Ihre Karriere transformierte sich, als sie entschied, vom Labor eine Pause zu nehmen, eine Reise durch die ...

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Kommentare

#1 -

Michael Liebendörfer | Di., 08.11.2022 - 11:19
Das klingt für manche Belange durchaus sinnvoll, aber nicht für alle Fächer machbar. Ich denke etwa an Grundlagenforschung in der Mathematik.

Und es ist schade, wenn so selbstverständlich und normativ über "die" Wissenschaft gesprochen wird.

#3 -

Dr. Thomas Schimmel | Do., 10.11.2022 - 01:05
Sehr gute Idee mit wirklich gutem Ansatz: Wissenschaftskommunikation scheint mir zu oft eine Einbahnstraße. Der Austausch mit der Gesellschaft wäre hilfreich, auch um Skepsis zu überwinden. Wie kann der Ansatz von Public Engagement in die Breite getragen werden?

#4 -

naja | Do., 10.11.2022 - 20:55
Der nächste Kodex, die nächste 'Sau' (Verzeihung), die durch's akademische Dorf gejagt werden soll. Und wie immer bei Varianten der Wissenschaftskommunikation basiert auch diese auf der irrigen Annahme, ernsthafte Wissenschaft und 'der Normalbürger' könnten sich auf Augenhöhe begegnen, zum gegenseitigen Nutzen. Das mag in ganz seltenen Einzelfällen einmal vorkommen, die Regel ist das aber nicht, und sollte es natürlich auch nicht werden, sonst wird Wissenschaft infantilisiert oder verkommt zum politischen Aktivismus. Geldverschwendung also, solche Stellen einzurichten.

#5 -

Adelheid Herrm… | Fr., 11.11.2022 - 17:29
Ich werde nie verstehen, warum immer alles Neue mit englischen Namen benannt werden muß! Werden wir so die wissenschaftsfernen Kreise erreichen? Wir leben doch in Deutschland, warum können wir unsere Angelegenheiten nicht deutsch ausdrücken?
Wenn wir so weitermachen, ist die Sprache Goethes, Thomas Manns und Ingeborg Bachmanns bald ein unschönes Konglomerat aus allem Möglichen, nur die Schönheit der Sprache wird nicht mehr dabei sein.

#6 -

Roy Schwichtenberg | Do., 17.11.2022 - 14:15
"[...] Annahme, dass nicht nur die Forschung die Gesellschaft mit ihren Erkenntnissen bereichert. Sondern dass umgekehrt das Wissen, das in der Gesellschaft existiert, hilfreich und von gleichem Nutzen für die Forschenden sein kann."



Das und weitere Beschreibungen, was Public Engagement ausmacht, klingen für mich stark nach dem, was seit zwei Jahrzehnten in der Nachhaltigkeits- und seit einigen Jahren auch in der Gesundheitsforschung bereits als Transdisziplinarität bezeichnet wird. Was also ist das Neue an Public Engagement?

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