Der Exzellenzbegriff wird falsch verstanden
Berlins Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra über die neuen Berliner Hochschulverträge und den altbekannten Sanierungsstau, die Chancen des Exzellenzverbundes BUA – und wie es mit der Postdoc-Entfristung weitergeht.

Berlins Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra . Fotos: Nils Bornemann.
Frau Czyborra, am Dienstag hat der Berliner Senat die neuen Hochschulverträge beschlossen. Was drinsteht, war seit der Ihrer Einigung mit den Hochschulen im August im Wesentlichen bekannt. Vor allem, dass es bis 2028 jedes Jahr fünf Prozent mehr Landesgeld gibt und dass die Zahl der Lehramts-Studienplätze aufgestockt wird. Was ist aus Ihrer Sicht sonst noch bemerkenswert?
Ich bin sehr zufrieden mit dem Erreichten. Wir geben nicht einfach mehr Geld, wir haben auch die überkomplexe Systematik reformiert, nach der das Geldbislang verteilt wurde. Konkret: Wir haben die Zahl der Leistungsindikatoren für die Hochschulen verringert und dafür gesorgt, dass sich die gesetzten Anreize nicht mehr gegenseitig aufheben. Wichtig ist auch, dass Minderleistungen in einem Bereich nicht mehr durch Mehrleistungen an anderer Stelle ausgeglichen werden können. Es kann also zu Abzügen kommen.
Wie stark können die werden?
Theoretisch bis zu 30 Prozent. Aber da muss eine Hochschule schon alles falsch machen. Realistisch gehe ich von maximal fünf Prozent aus. Aber die können schon richtig wehtun.
Weil das meiste Budget in Personalkosten gebunden ist und jedes Minus voll auf die wenigen beweglichen Gelder durchschlägt. Und das ist eine gute Nachricht für die Hochschulen?
Die gute Nachricht ist, dass wir Leistung tatsächlich belohnen. Die Abzüge gehen ja nicht zurück in den Landeshaushalt, sondern fließen in den Topf der Qualitätsoffensive für die Lehre – aus dem wir dann wieder gezielte Maßnahmen in den Hochschulen finanzieren können, und zwar genau dort, wo eine besondere Innovationsdynamik herrscht. Das hilft auch den Präsidien. Beispiel Gleichstellung: Wenn eine Fakultät da nicht mitzieht, können die Hochschulleitungen die resultierenden Mittelabzüge direkt dorthin durchreichen, wo die Verantwortlichen sitzen. Allerdings, das gebe ich zu, hat unsere Indikatorik noch Schwächen.

Ina Czyborra , 57, ist promovierte Archäologin und stellvertretende SPD-Landesvorsitzende in Berlin. Über viele Jahre war sie wissenschaftspolitische Sprecherin ihrer Fraktion im Abgeordnetenhaus. Im April 2023 übernahm sie das Amt der Berliner Senatorin für ...
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Kommentare
#1 - "Persönlich würde ich gern selbst mal eine der…
Es gibt da eine Lehrveranstaltung. Lese ich hier die Erwartung, dass man die Klausur ver- und bestehen muss, ohne die Veranstaltung absolviert zu haben?
#2 - Das ist ja erfrischend (not!), dass hier der…
#3 - Zum Lehramts-Thema und dem Zitat: "Natürlich stützen wir…
Einigen, die sich intensiv mit Hochschulen befassen, ist schon länger ...
#4 - "Hat die Exzellenzstrategie als Wettbewerb ihren Zenit…
Der überschrittene Zenit ist richtig gesehen. Aber die biographische Dimension ist nur ein Teil der Erklärung. Dazu kommt, daß die Exzellenzinitiative einfach nicht funktioniert hat: Die erste und auch die zweite Garnitur der Forschenden aus dem Ausland ist nicht gekommen. Höchstens besuchsweise oder im Nebenjob. Der beste deutsche Nachwuchs geht weiterhin spätestens zum Postdoc ins Ausland.
Oft erwiesen sich staatlich gelenkte ...
#5 - Ein NC ist keine vorgegebene Grenze, sondern die…
Die Wahl von Fächern im Grundschulstudium ist im Berliner Gesetz geregelt. Das können die Unis nicht entscheiden. Das hat Frau Czyborra direkt in der Hand.
Klausuren mitschreiben? Ich vermute, dass die Dozierenden Frau Czyborra gerne einladen würden. Zum Klausurschreiben oder zur informellen Austausch über Studium, Arbeitsbedingungen und Anforderungen bzw. Ziele der Studiums.
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