Club ohne Richtung
Eine Unternehmensberatung hält der Kultusministerkonferenz gnadenlos den Spiegel vor. Wer wissen will, warum der Bildungsföderalismus zu wenig auf die Kette bringt, findet in der internen Analyse mehr Antworten, als ihm lieb ist.

Foto: Pxhere , CCO.
ES WAR EINE ungeschminkte Analyse, die die Kultusminister während ihres Treffens vorvergangene Woche in Berlin präsentiert bekamen. Auf 19 Slides trugen Mitarbeiter des Beratungsunternehmens Prognos den Zustand der Kultusministerkonferenz (KMK) vor. Die Minister hatten sie selbst in Auftrag gegeben als Teil ihres Reform-Projekts "KMK 2025", wobei es außer der Einigkeit darüber, etwas verändern zu wollen, bislang wenig Einigkeit gab, was genau – und wie.
Das könnte sich nun bald ändern, denn der Handlungsdruck, der sich aus der internen Prognos-Evaluation ergibt, ist groß. Zu eindeutig sind Unzulänglichkeiten, Unstimmigkeiten und Ineffizienzen der KMK, ihrer Organisation und Entscheidungsabläufe, deren Auswirkungen den deutschen Bildungsföderalismus prägen, aber bislang nie in dieser Form auf den Punkt gebracht wurden.
177 Gremien, 600 Sitzungen pro Jahr
Wenig überraschend, dafür atemberaubend in seinen Dimensionen ist der Gremien-Wildwuchs, den die Unternehmensberater erstmals mit genauen Zahlen unterlegen: 177 Gremien, die insgesamt fast 600 Mal im Jahr konferieren unter Beteiligung von 1.300 Einzelpersonen zumeist aus den für Bildung, Hochschule, Wissenschaft und Kultur ...
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Kommentare
#1 - Eine spannende, und meinem Eindruck nach zutreffende,…
Zeigt auch, dass ein Blick von außen oft gut tut (wobei Prognos auch nicht McKinsey oder BCG ist).
#2 - "Sind einige womöglich ganz froh über die Ergebnisse,…
-> Das ist der Punkt. Letztlich entscheidet jedes Land für sich selbst ("Kulturhoheit"), und mehr als Formelkompromisse können kaum herauskommen, wenn sich die 16 Länder nicht sowieso einig sind. Das ist aber im Prinzip seit 1948 so.
Wäre mal interessant zu wissen, ob Begriffe wie "Kulturhoheit" in der Prognos-Analyse vorkommen, ob man also den Ursachen auf den Grund gegangen ist.
Ein anderer wichtiger Begriff wäre "Staatsvertrag", denn eine strategischere KMK mit stärkerer Bindungswirkung könnte man wohl nur erreichen, würden sich die 16 Länderparlamente darauf verbindlich ...
#3 - Ich habe mich beim Lesen gefragt, wie verbindlich denn…
#4 - Die KMK ist eigentlich ein Spiegelbild der…
#5 - Einfach mal die Mittel streichen!
#6 - Der Föderalismus in Deutschland ist insgesamt aus der Zeit…
#7 - KMK = kann man knicken:-)
#8 - "Die Arbeitsebene spült zur Entscheidung nach oben, was…
Das klingt sehr negativ, und rückt die Arbeitsebene allein schon durch die Wortwahl (spült nach oben...) in ein schlechtes Licht. Die Arbeitsebene ist die Ebene, die den Laden am Laufen hält! Die Chefs WOLLEN keine Themen zur Entscheidung benennen, da die Beschäftigung mit länderspezifischen Alleingängen für die einzelnen Chefs und Chefinnen in der Tat Priorität hat vor einer funktionierenden KMK.Verbindliche Entscheidungen zu aktuellen Themen würden da nur stören.
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