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Club ohne Richtung

Eine Unternehmensberatung hält der Kultusministerkonferenz gnadenlos den Spiegel vor. Wer wissen will, warum der Bildungsföderalismus zu wenig auf die Kette bringt, findet in der internen Analyse mehr Antworten, als ihm lieb ist.

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Artikelbild: Club ohne Richtung

Foto: Pxhere , CCO.

ES WAR EINE ungeschminkte Analyse, die die Kultusminister während ihres Treffens vorvergangene Woche in Berlin präsentiert bekamen. Auf 19 Slides trugen Mitarbeiter des Beratungsunternehmens Prognos den Zustand der Kultusministerkonferenz (KMK) vor. Die Minister hatten sie selbst in Auftrag gegeben als Teil ihres Reform-Projekts "KMK 2025", wobei es außer der Einigkeit darüber, etwas verändern zu wollen, bislang wenig Einigkeit gab, was genau – und wie.

Das könnte sich nun bald ändern, denn der Handlungsdruck, der sich aus der internen Prognos-Evaluation ergibt, ist groß. Zu eindeutig sind Unzulänglichkeiten, Unstimmigkeiten und Ineffizienzen der KMK, ihrer Organisation und Entscheidungsabläufe, deren Auswirkungen den deutschen Bildungsföderalismus prägen, aber bislang nie in dieser Form auf den Punkt gebracht wurden.

177 Gremien, 600 Sitzungen pro Jahr

Wenig überraschend, dafür atemberaubend in seinen Dimensionen ist der Gremien-Wildwuchs, den die Unternehmensberater erstmals mit genauen Zahlen unterlegen: 177 Gremien, die insgesamt fast 600 Mal im Jahr konferieren unter Beteiligung von 1.300 Einzelpersonen zumeist aus den für Bildung, Hochschule, Wissenschaft und Kultur ...

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Kommentare

#1 -

McFischer | Mo., 23.10.2023 - 11:51
Eine spannende, und meinem Eindruck nach zutreffende, Analyse der KMK. Die hohe Zahl der Gremien und AGs überrascht dann doch. Kenne aus meiner Zusammenarbeit konkret die ZAB - leider ein ENIC-NARIC, dass international so gut wie nie in Erscheinung tritt.
Zeigt auch, dass ein Blick von außen oft gut tut (wobei Prognos auch nicht McKinsey oder BCG ist).

#2 -

tutnichtszursache | Mo., 23.10.2023 - 16:55
"Sind einige womöglich ganz froh über die Ergebnisse, weil sie gar keine strategiefähige KMK wollen?"

-> Das ist der Punkt. Letztlich entscheidet jedes Land für sich selbst ("Kulturhoheit"), und mehr als Formelkompromisse können kaum herauskommen, wenn sich die 16 Länder nicht sowieso einig sind. Das ist aber im Prinzip seit 1948 so.

Wäre mal interessant zu wissen, ob Begriffe wie "Kulturhoheit" in der Prognos-Analyse vorkommen, ob man also den Ursachen auf den Grund gegangen ist.

Ein anderer wichtiger Begriff wäre "Staatsvertrag", denn eine strategischere KMK mit stärkerer Bindungswirkung könnte man wohl nur erreichen, würden sich die 16 Länderparlamente darauf verbindlich ...

#3 -

Maxi Mustermann | Mi., 25.10.2023 - 15:51
Ich habe mich beim Lesen gefragt, wie verbindlich denn eigentlich letztendlich die so schwer gefassten Beschlüssen dann tatsächlich sind, wenn es dann doch alles wieder Ländersache ist. Zudem: Wer kontrolliert denn eigentlich die Umsetzung in den Ländern? Hier vor allem auch die im Bildungsbereich geltende „Strategie Bildung in der digitalen Welt".

#4 -

Werner Schmid | Do., 26.10.2023 - 14:11
Die KMK ist eigentlich ein Spiegelbild der Länderministerien, in denen es genauso aussieht. Viel bottom-up, wenig Steuerung. Das liegt aber letztlich daran, dass der Wähler überhaupt kein Interesse an Bildungsthemen. Und so lange der Plebs das Thema nicht hochhält, sondern ausschließlich Sicherheitsthemen u. Flüchtlinge und Gender nach vorne trägt, wird sich nichts ändern.

#6 -

Sabine Bartels | Mo., 30.10.2023 - 18:51
Der Föderalismus in Deutschland ist insgesamt aus der Zeit gefallen und schadet Deutschland zunehmend. Er blockiert die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wissenschaft und Wirtschaft immer stärker. Bemerkenswerter und nachdenklich machender Beitrag dazu kürzlich von Christian Ehring auf Extra3. Deutschland muß sich endlich global anpassen und dringend modernisieren.

#8 -

Edith Riedel | Fr., 21.03.2025 - 12:27
"Die Arbeitsebene spült zur Entscheidung nach oben, was sie für relevant hält, und die die Chefs sollen sich dann damit beschäftigen."



Das klingt sehr negativ, und rückt die Arbeitsebene allein schon durch die Wortwahl (spült nach oben...) in ein schlechtes Licht. Die Arbeitsebene ist die Ebene, die den Laden am Laufen hält! Die Chefs WOLLEN keine Themen zur Entscheidung benennen, da die Beschäftigung mit länderspezifischen Alleingängen für die einzelnen Chefs und Chefinnen in der Tat Priorität hat vor einer funktionierenden KMK.Verbindliche Entscheidungen zu aktuellen Themen würden da nur stören.

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