Nicht allein die Politik verursacht Bürokratie
Wer wünscht sich nicht "weniger Bürokratie"? Doch muss auch die Wissenschaft bei solchen Forderungen ehrlich auf die Gründe schauen.

Foto: Ro Ma / Pixabay.
ES IST EINE KLAGE, die immer berechtigt ist. Sie geht so: Wissenschaft floriert am besten, wenn sie frei ist. Und zwar auch möglichst frei von unsinnigen bürokratischen Auflagen und kleinteiligen Berichtspflichten. Denn, wie etwa die bekannte Soziologin Jutta Allmendinger neulich im Tagesspiegel in Bezug auf Berlin schrieb: "Neue Prüfungsauflagen verschlingen immer mehr Zeit und Personal." Und: "Bewährte interne Prüfverfahren werden quasi entwertet durch externe Kontrolle und die Kontrolle dieser Kontrolle."
Entsprechend stark sind die Begehrlichkeiten, die das vor seiner Finalisierung stehende SPRIND-Freiheitsgesetz, speziell zugeschnitten auf eine neuartige Bundesagentur zur Förderung von Sprunginnovationen, jetzt auch anderswo weckt. In der Tat sollte die erhoffte SPRIND-Befreiung nicht verpasst werden als Gelegenheit, auch im traditionellen Forschungs(förder)betrieb die real existierende Antrags-, Verwendungsnachweis- und Compliance-Praxis kritisch zu hinterfragen – und zwar genau da, wo sie in die Erbsenzählerei abgleitet. Einerseits.
Andererseits sollten sich die Chefetagen deutscher Hochschulen und Forschungsinstitute fragen, welchen Beitrag die Wissenschaft selbst zum Auftrieb der Kontrollitis leistet. Welchen Eindruck einer wissenschaftsinternen Projektsteuerung wird es etwa bei Rechnungshöfen und Haushaltspolitikern hinterlassen haben, wenn ...
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