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Schluss mit dem Fakten-Potenzgehabe!

Auf die Angriffe von außen reagiert die Wissenschaft mit einem Rückfall in den Positivismus. Damit schadet sie sich selbst am meisten. Ein Gastbeitrag von Daniel Hornuff.

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Artikelbild: Schluss mit dem Fakten-Potenzgehabe!

MIT EIN WENIG zeitlicher Distanz zu den hitzig geführten Debatten um das sogenannte Postfaktische – und das angeblich aus ihm erwachsene Zeitalter – zeigt sich: Die Reaktionen der Wissenschaften sind auf manch fatale Weise mit den rechtspopulistisch motivierten Einlassungen verstrickt – keineswegs aus Gründen politischer Sympathie, sondern, im Gegenteil, aufgrund einer zwar progressiv gemeinten, letztlich aber kontraproduktiv vollzogenen Kommunikationspraxis.

So werden einerseits die gesellschaftspolitischen Auswirkungen von „alternative facts“-Einlassungen und „fake news“-Parolen mit großer wissenschaftlicher Sensibilität (etwa aus den Bereichen der Soziologie, Politik- und Medienwissenschaften) beobachtet. Andererseits bleibt weitgehend unreflektiert, wie die akademische Community ihrerseits identitätspolitische Angriffe kontert – wie sie also ihr Metier, das wissenschaftliche Denken, verteidigt und als gesellschaftlich unerlässlich charakterisiert.

Konkreter gefasst, liegen im Grunde zwei entscheidende Fragen vor: Wie reagieren wissenschaftliche Disziplinen analytisch – bezogen auf die Untersuchung aktueller politischer Vorgänge? Und wie reagieren sie strategisch – bezogen auf die gesellschaftliche Sicherung und Verteidigung der akademischen Freiheit?

Die Wissenschaften, so meine Überzeugung, müssen ihre eigene Sache so entschlossen wie lange nicht mehr verteidigen: Wer mit autokratischer ...

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Kommentare

#1 -

Josef König | Di., 25.07.2017 - 13:41
Vielen Dank Herr Hornuff, ein sehr guter Essay über die Notwendigkeit, die eigene Arroganz zurückzudrängen und sich wieder der eigenen Methoden in der Wissenschaft zu besinnen und sie zu verteidigen! Fakten stehen nicht für sich - sie bedürfen der Interpretation durch diese Methoden, und erst die Methodenkritik offenbart das cui bono des Sprechenden.

Meinen bescheidenen Beitrag zu "postfaktisch" habe ich anlässlich der Wahl dieses Wortes zum "Wort des Jahres 2016" verfasst - siehe - falls mir die Verlinkung erlaubt ist:

http://www.widderworte.de/2016/12/postfaktisch-ein-kampfbegriff-von-intellektuellen/



Mit freundlichem Gruß

Josef König

#2 -

Reinhold Leinfelder | Mi., 26.07.2017 - 14:47
Am Artikel ist so manches dran, vielen Dank.. Ich hab mich beim Science March zB auch über die überzogene Selbstherrlichkeit gegen Homöopathie und so manch anderes gewundert (man hätte da auch über die positive Bedeutung des Placebo-Effekts, über Unzulänglichkeiten bei der klassischen Arzt-Patient-Beziehung etc reden müssen). Sicher sollten die Wissenschaften auch stärker über ihre Methodik (früher nannte man das PUR) als nur über Ergebnisse reden (PUSH). Aber ich hab andererseits auch meine Erfahrungen mit Radikalkonstruktivisten (und mir ist zugegeben auch schon mal im emotionalen Eifer eines persönlichen Gesprächs rausgerutscht, jemanden aus dieser Gruppe als Faktenleugner auf eine Stufe mit Kreationisten ...

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