Schluss mit dem Fakten-Potenzgehabe!
Auf die Angriffe von außen reagiert die Wissenschaft mit einem Rückfall in den Positivismus. Damit schadet sie sich selbst am meisten. Ein Gastbeitrag von Daniel Hornuff.

MIT EIN WENIG zeitlicher Distanz zu den hitzig geführten Debatten um das sogenannte Postfaktische – und das angeblich aus ihm erwachsene Zeitalter – zeigt sich: Die Reaktionen der Wissenschaften sind auf manch fatale Weise mit den rechtspopulistisch motivierten Einlassungen verstrickt – keineswegs aus Gründen politischer Sympathie, sondern, im Gegenteil, aufgrund einer zwar progressiv gemeinten, letztlich aber kontraproduktiv vollzogenen Kommunikationspraxis.
So werden einerseits die gesellschaftspolitischen Auswirkungen von „alternative facts“-Einlassungen und „fake news“-Parolen mit großer wissenschaftlicher Sensibilität (etwa aus den Bereichen der Soziologie, Politik- und Medienwissenschaften) beobachtet. Andererseits bleibt weitgehend unreflektiert, wie die akademische Community ihrerseits identitätspolitische Angriffe kontert – wie sie also ihr Metier, das wissenschaftliche Denken, verteidigt und als gesellschaftlich unerlässlich charakterisiert.
Konkreter gefasst, liegen im Grunde zwei entscheidende Fragen vor: Wie reagieren wissenschaftliche Disziplinen analytisch – bezogen auf die Untersuchung aktueller politischer Vorgänge? Und wie reagieren sie strategisch – bezogen auf die gesellschaftliche Sicherung und Verteidigung der akademischen Freiheit?
Die Wissenschaften, so meine Überzeugung, müssen ihre eigene Sache so entschlossen wie lange nicht mehr verteidigen: Wer mit autokratischer ...
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Kommentare
#1 - Vielen Dank Herr Hornuff, ein sehr guter Essay über die…
Meinen bescheidenen Beitrag zu "postfaktisch" habe ich anlässlich der Wahl dieses Wortes zum "Wort des Jahres 2016" verfasst - siehe - falls mir die Verlinkung erlaubt ist:
http://www.widderworte.de/2016/12/postfaktisch-ein-kampfbegriff-von-intellektuellen/
Mit freundlichem Gruß
Josef König
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