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Streit um Bayerns Großreform

Markus Söder und sein Wissenschaftsminister Bernd Sibler wollen das Hochschulgesetz neu schreiben und versprechen "größtmögliche Freiheit" für und in den Hochschulen. Doch in der Wissenschaft regt sich Widerstand gegen das Vorhaben, das die milliardenschwere "Hightech Agenda Bayern" flankieren soll.

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Artikelbild: Streit um Bayerns Großreform

Was macht die Wissenschaft in ihrem Kern aus? Bronzestatue des Aristoteles vor der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Foto: Couleur / Pixabay.

SOGAR IM PROTEST ist man in Bayern statusbewusst. Seit Montagnachmittag steht im Internet ein Offener Brief zur geplanten Hochschulreform bereit zum Unterzeichnen – "wenn Sie Professorin oder Professor an einer bayerischen Universität sind." Rund 400 haben ihren Namen bereits auf die ebenfalls online veröffentlichte Unterschriftsliste gesetzt – ein erstaunlich hoher Wert angesichts von insgesamt rund 3700 Uniprofessuren im Freistaat.

Das Schreiben, in der Hochschulszene bereits als "Brandbrief" tituliert, hat es in sich. Es warnt Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschaftsminister Bernd Sibler (beide CSU) vor einer "schnelle(n) und diskussionslose(n) Umsetzung einer so profunden Änderung der Hochschul- und Universitätslandschaft", deren Reform-Eckpunkte noch dazu teilweise "eine mögliche Gefährdung der Hochschulen und Universitäten und ihrer gesellschaftlichen Aufgaben" implizierten.

Apropos Eckpunkte: Schon vor deren Bekanntwerden hatte es im Herbst Ärger gegeben . Als der Landtag im Oktober zur Expertenanhörung einlud, kursierten unterschiedliche Versionen dessen, was die Staatsregierung plante, keine davon offiziell veröffentlicht. Es gab einzig einen 70-Fragen-Katalog, der in einer Sitzung des zuständigen Landtagsausschusses diskutiert wurde – und aus Sicht der Kritiker bereits tief blicken ließ. Diese Intransparenz sorgte für Ärger und Unverständnis in der Hochschulszene.

Am 20. Oktober schließlich legte Wissenschaftsminister Sibler die Eckpunkte , aus denen bis Mitte nächsten Jahres ein Gesetz werden soll, auf den Tisch. Die Rechtsreform sei die notwendige Ergänzung zur "Hightech Agenda Bayern", zuletzt beschleunigt durch die "Hightech Agenda Plus", mit der auf Geheiß Söders Milliarden zusätzlich in die Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen fließen sollen. Dafür, sagte Sibler, brauche es "eine moderne Hochschulaufstellung" – und die soll das neue Hochschulgesetz liefern.

"Dreiklang von Forschung, Lehre und Transfer"

Was steht drin in den Eckpunkten: vor allem das Versprechen einer "größtmöglichen ...

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Kommentare

#1 -

Eginhart Lenz | Mi., 02.12.2020 - 10:33
Um Himmels Willen: Keine "Ökonomisierung" der Unis!
Der wichtigste "Transfer" von den Hochschulen in die
Praxis sind die Absolventen.
Keine "Hermannisierung" der Unis! Wer denkt sich einen derartigen "Absolutismus" für den Uni-Betrieb aus?

#2 -

Th. Klein | Do., 03.12.2020 - 09:51
Die Eckpunkte sind so zahlreich, dass es schwerfällt, sich bei Kommentaren knapp zu fassen. Einige Stichpunkte zu oben aufgebrachten Aspekten:

- Den Globalhaushalt mit den Kleinen Fächern zu verbinden, ist zwar nicht völlig unlogisch, aber letztlich doch völlig falsch abgeleitet. Die derzeitige Struktur engt den Handlungsspielraum der Hochschulen doch sehr ein. Es gibt Pilothochschulen mit Globalhaushalt (TUM, HM). Man möge doch diese fragen und prüfen, ob es dort zu den benannten Verwerfungen gekommen ist. Dann wären die Argumente fundiert, was man im wiss. Kontext erwarten könnte.

- Zur neuen Governance-Struktur sei angemerkt, dass der Hochschulrat, der eine neue Struktur beschließen ...

#3 -

Alwine Schulz | Do., 03.12.2020 - 13:35
zu #2 Als Beispiele für die "Ungefährlichkeit" eines Globalhaushaltes gerade TUM und HM zu nennen, ist wenig hilfreich. Das sind beides Hochschulen mit recht homogenem Fächerspektrum. An anderen Hochschulen mit breiterem Angebot, gerade mit kleinen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern, wird es sicherlich viel mehr in den Fingern Jucken, die Ressourcen auf die vermeintlich "ertragreichen" Disziplinen zu konzentrieren. Da braucht es einen klaren Rahmen, um das von vornherein zu verhindern.

#4 -

Th. Klein | Fr., 04.12.2020 - 11:05
zu #3: Ich hatte schon erwartet, dass es darauf Gegenwind geben wird. Gerade an der TUM wird sich ja gern gerieben. Aber nehmen wir mal die Lehrerbildung. Die hätte eine TUM, wie sie die meisten "kennen", ja gar nicht nötig. Aber mit der TUM School of Education ist man hier gerade den anderen Weg gegangen und hat diesen Bereich gestärkt. Und an der HM gibt es bspw. Soziale Arbeit und Pflege. Letzteres soll sogar ausgebaut werden.

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