Viel Platz für neue Ideen
Wie die ostdeutschen Wissenschaftsministerinnen Bettina Martin und Manja Schüle gemeinsam die Exzellenzstrategie reformieren wollen, was Ostdeutschlands Forschung für sie besonders macht – und an welchen Stellen sie ihre Bundeskollegin Anja Karliczek nicht verstehen können.

Frau Martin, Frau Schüle, wurden ostdeutsche Hochschulen in der Exzellenzstrategie benachteiligt?
Bettina Martin: Universitäten in den ostdeutschen Ländern außerhalb Berlins haben vier Exzellenzcluster eingeworben. Nimmt man die Zahl der Einwohner als Maßstab, hätten es sechs bis acht sein müssen. Es war aber nicht so, dass Ostdeutschland bei der Vergabeentscheidung unfair behandelt wurde. Das Problem liegt tiefer. So, wie dieser Wettbewerb konzipiert ist, war von Anfang an klar, dass ostdeutsche Universitäten sich schwerer tun mussten. Und nicht nur ostdeutsche Universitäten, sondern alle kleineren Universitäten abseits der wirtschaftsstarken Regionen.
Warum?
Manja Schüle: Weil an den meisten Orten die kritische Masse fehlt, wie die bisherigen Förderungen der Exzellenzcluster belegen. Um eine Chance zu haben, brauchen Sie aktuell mindestens 25 international angesehene Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher an einem Ort – und das ist kaum darstellbar, wenn Ihre größte Universität gerade mal 22.000 Studierende hat und andere vielleicht nur 5.000 oder 6.000. Hinzu kommt, dass die großen westdeutschen Universitäten in ihrer Entwicklung Jahrzehnte voraus sind, während die ostdeutschen Hochschulen in den vergangenen 30 Jahren eine beachtliche Aufbauleistung gezeigt haben. Aber eben eine Aufbauleistung. Hinzu kommt die im Osten sehr kleinteilige Wirtschaftsstruktur, wir haben kaum große international forschende Unternehmen, die zusätzliche Forschungsstärke in die Region bringen.
Bettina Martin , 54, SPD,
Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern.
Manja Schüle , 44, SPD,
Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.
Zieht die "Wir sind noch im Aufbau"-Karte 30 Jahre nach der Wiedervereinigung wirklich noch?
Schüle: Mir geht es hier gar nicht darum, eine Ostdebatte zu führen oder das Bild des armen, vor sich hin darbenden Ostens zu perpetuieren. Frau Martin ist West-Berlinerin, ich stamme aus der ehemaligen DDR, doch wir sind uns beide einig: Wir wollen für unsere Universitäten die gleichen Chancen, und die bekommen wir nur, wenn künftige Exzellenzwettbewerbe auf die ...
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Kommentare
#1 - Vieles würde vielleicht einfacher, wenn man die…
Exzellenzinitiative endlich begraben würde. Allein die
Idee, 25 international angesehene Wissenschaftler für
ein Cluster zu wählen, ist selbst für die renommierte Uni
Göttingen mit den umliegenden Max-Planck Instituten
schwierig. Schaut man dort den einzigen existierenden Exzellenz-Verbund an, so hat man ein Who-ist-who von fraglos ausgezeichneten Preisträgern (von Leibniz bis Nobel), vielen MPI-Direktoren und wenigen Uni-Profs.
Spiegelt die inhaltliche Klammer wirklich deren Stärken
oder wären nicht die bewährten Fördermittel der DFG
etc. viel besser?
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