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Diese Nation braucht ein Projekt – und ich hätte da eines

Warum mich Bildungsstudien kaum interessieren derzeit. Und worauf ich stattdessen warte. Ein Essay.

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Artikelbild: Diese Nation braucht ein Projekt – und ich hätte da eines

Foto: yoyo_Nam/PxHere , CCo.

VON EINER "FLUT AN ZAHLEN" sprach Bildung.Table und meinte "Bildungsmonitor" und "Bildungsbarometer" – eine Meta-Studie und eine Umfrage, beide zum Zustand der Bildung in Deutschland, beide am vergangenen Mittwoch erschienen. Und dann war da am Donnerstag noch der Bericht der Bundesagentur für Arbeit zum Ausbildungsmarkt.

Der " Bildungsmonitor ", jedes Jahr präsentiert von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, hat sich seit seinem ersten Erscheinen 2004 zu einem wichtigen Gradmesser der Effektivität deutscher Bildungspolitik entwickelt. Das IW Köln führt dazu verschiedenste Statistiken und die Ergebnisse schulischer Leistungsstudien zu einem Ranking zusammen. Das " Bildungsbarometer " wiederum gibt es inzwischen auch schon zum zehnten Mal. Seit 2014 befragen Forscher des ifo-Zentrums für Bildungsökonomik eine repräsentative Bevölkerungsstichprobe, was sie über die Qualität der Schulen denkt.

Seit Jahren dieselben Ergebnisse, und die Reaktionen sind auch austauschbar

Jahr für Jahr habe ich entweder über Bildungsmonitor oder Bildungsbarometer oder über beide ausführlich berichtet, habe die Zahlen eingeordnet und kommentiert. Doch vergangene Woche, ich räume es ein, fehlte mir dazu die Motivation. Nicht, weil die Arbeit der beiden ...

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Kommentare

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Mi., 06.09.2023 - 11:33
Liebe Frau Listeren,



es ist, wie Sie schreiben, "ein leerer Begriff", weil wir ihn nur gemeinsam füllen können. Es geht um eine gesellschaftliche Erwartung, es geht um einen gesellschaftlichen Konsens, zu Gunsten der Bildung mal andere politische Felder und die Interessen anderer Generationen zurückzustellen, es geht um die Bereitschaft der Politik, eine Strategie zu formulieren und auszubuchstabieren. Das alles kann und muss ich nicht in einem Essay zu Ende gedacht haben. Aber ich bin sicher, wir brauchen jetzt ein Projekt, das uns als Gesellschaft vereint. Und ich finde, das sollte die Bildung sein. Das soll mein Impuls sein.



Beste Grüße

#3 -

Klaus Diepold | Mi., 06.09.2023 - 11:58
lieber Herr Wiarda,

ich stimme Ihnen vollumfänglich zu, sowohl in der Frustration bzgl. der sich jährlich wiederholenden Befunde als auch im Wunsch nach einem kraftvollen Aufbruch zugunsten der Bildung, zugunsten der jungen, der nächsten und der kommenden Generationen.

#4 -

Detlef Müller-Böling | Mi., 06.09.2023 - 12:14
Lieber Herr Wiarda,



Ihr Essay trifft es auf den Punkt. Meine Analyse würde noch einen Schritt weiter gehen. Es gibt den schönen Spruch:

"Ein Wissenschaftler ist jemand, dessen Einsichten größer sind als seine Einwirkungsmöglichkeiten. Bei Politikern ist es umgekehrt." Insofern müsste man glauben, dass es besser wird, wenn beide zusammen wirken. Das reicht m.E. aber noch nicht aus, wie viele Beratungskommissionen zeigen (so verdienstvoll sie sind). Es braucht eine dritte Kraft, die einerseits beide zusammenführt, aber auch in der Gesellschaft für eine Vision, ein Ziel wirbt. Nach meiner Erfahrung können Stiftungen eine solche Kraft sein, die die Kultur der Politik ...

#6 -

Udo Michallik | Mi., 06.09.2023 - 16:26
Oh ha, lieber Herr Wiarda,



wir sollten einen Klub der Gutwilligen gründen. Bin gespannt, wer sich dort meldet. Wir haben uns eingewebt in ein dickes Netz von Gesetzen, Verordnungen, Erlassen, Rundschreiben, einer grandiosen Detailsteuerung. Da ist kaum Raum für Kreativität und Innovation. Dort wo es sie gibt, wird bewußt gegen dieses Regelwerk verstoßen und geduldet. Aber wozu dann diese Regelwerke? In den Verwaltungen ist an vielen Stellen nur Platz für Juristen, die es verstehen, sich dort durchzuarbeiten und dann zuzuarbeiten. Wir kommen im Bild des Netzes daher weder vor noch zurück. An welcher Stelle durchtrennen wir dieses Netz oder entsorgen ...

#7 -

Detlef Müller-Böling | Mi., 06.09.2023 - 19:28
Lieber Herr Michallik,
haben Sie Ihren Kommentar als (frustrierter) Generalsekretär der KMK geschrieben? Ist ein Club der Gutwilligen Ihr einziger Ausweg? Das wäre wirklich schade, zumal als erster Weg der Entbürokratisierung dann sicherlich die Auflösung der KMK sinnvoll wäre.

#8 -

Helmut Schmied | Do., 07.09.2023 - 00:16
Es wäre schön, wenn es das Projekt Bildungsaufbau in das nächste Wahlprogramm schaffen würde. Ich bin skeptisch, denn dies bedeutet Mut. Mut zur Debatte. Denn sehe ich gerade nicht. Vor allem fehlt es seit sehr vielen Jahren am Interesse der Gesellschaft am Thema Bildung. Das zeigt Ihr Blog, der gefühlt der einzige ist. Das dürfte in anderen politischen Bereichen anders sein. Oder auch die Sachbuch-Literatur oder die Presse. Nirgendwo interessiert sich jemand für Bildungsstrukturen, sondern allenfalls über ausgefallene Schulstunden.

Ähnlich der Befund im Bereich Vielfalt und Chancengerechtigkeit im Studium und Wissenschaft. Die Tagung des BMBF heute zog ein ähnliches Fazit: ...

#9 -

Auslandsdeutscher | Do., 07.09.2023 - 09:52
@Michallik "Das Problem liegt viel tiefer in unseren Haltungen, unserem Staatsverständnis."



Exakt. Und so lange das so bleibt, würde auch ein "Projekt Bildungsaufbau" nichts bringen (außer Opportunitätskosten). Es käme nur ein weiteres Potemkinsches Dorf dabei heraus. Gerade BMBF und Landesbildungsministerien haben viel Erfahrung mit solchen Alibiprojekten.



Dem Thema "Staatsreform" gebührt deshalb Vorrang. Auch das wird sehr schwer, weil bis auf die FDP alle etablierten Parteien eine typisch deutsche Staatsgläubigkeit pflegen (und selbst die FDP oft nicht den Mut ihrer Überzeugungen hat). Dazu kommt die Korruption des öffentlichen Dienstes durch alle Parteien. Dennoch muß man diesen Weg beschreiten -- in dem ...

#10 -

Udo Michallik | Do., 07.09.2023 - 12:37
Lieber Herr Müller-Böling,



bei weitem nicht frustriert, sondern immer auf der Suche nach Wegen Debatten anzustoßen und Bildungspolitik zu gestalten. Dabei bin ich immer wieder Gast solcher Klubs und lerne jedes Mal viel dazu und bringe es ebenso dann in meine Arbeit ein. Der Klub der Gutwilligen war provokant gemünzt auf des Autors Wunsch nach einem Projekt „Bildungsaufbau“. Der Wunsch reiht sich ein in die zahllosen Appelle von Stiftungen und Verbänden nach Bildungsgipfeln, Bildungsrevolutionen etc. Ein anderer wichtiger Player ist die KMK, gebildet aus den Landeskultusministern der Länder. Weniger bürokratisch als gemeinhin wahrgenommen, sondern sich beschränkend auf ihre Aufgaben, länderübergreifend ...

#11 -

Udo Michallik | Do., 07.09.2023 - 12:46
@Müller-Böling: achja, ich vergaß es. So freue mich wirklich darauf, in der kommenden Woche im Nationalen Bildungsforum in Wittenberg wieder mit vielen Gutwilligen an konkreten Herausforderungen zu diskutieren und nach Lösungen für diese zu suchen. Völlig frustfrei :-) Es gibt diese Plattformen.

#12 -

André Baier | Do., 07.09.2023 - 15:42
Dem ist nichts hinzuzufügen. Leider.



Und zugleich ist es symptomatisch in Bezug auf viele andere Dinge.



Und ja, ich fühle mich ertappt und in meinem eigenen Handeln der letzten Jahre bestätigt: Lieber alles in richtig gute, ausgefallene, andere, mutige, ganz konkrete Lehre und deren Weiterentwicklung und Beforschung stecken - als in zu viel ferne Forschung, Theorie und Politik.



Und ja, der skizzierte Weg bietet wohl die beste Chance, aber sie bedeutet auch, dass einige Wenige nicht mehr das haben werden, was ihnen über die Jahre so ans Herz gewachsen ist - zu ihrem eigenen Vorteil und zum Nachteil von Vielen. ...

#13 -

Bernd Käpplinger | Sa., 09.09.2023 - 20:37
Schöner Beitrag. Ich finde durchaus, dass man auch einmal kritisch überprüfen könnte, ob zig Kompetenzmessungen wirklich die Millionenausgaben wert sind oder man diese Ressourcen nicht besser woanders für die Bildung und Weiterbildung einsetzen könnte. Eigentlich sollte durch PISA und Co. ja viel besser werden...

#14 -

Laubeiter | Mi., 13.09.2023 - 15:28
Jedes Land hat die Regierung, die es verdient, und wohl auch das Bildungssystem, das es verdient. Ich finde es seltsam, Parteien, Länder und Bund zu kritisieren für ihre Passivität; die WählerInnen wählen die Parteien, die Wahlkampf machen mit Schuldenbremse, Steuersenkungen, Einwanderungshürden, und dann bekommen diese WählerInnen eben eine passive Bildungspolitik, die ihnem Portemonnaie nicht wehtut, und wessen Kinder dann in der Schule kämpfen, der probiert es mit Nachhilfeunterricht für sie, aber wohl eher nicht mit einer anderen Wahlentscheidung.



In diesem Blog schrieb eine Schulleiterin aus Berlin-Neukölln, wie an ihrer Schule der Betrieb gestaltet wird. Wer dieser und anderen Schulen gerne ...

#15 -

Kai Oberbach | Fr., 15.09.2023 - 02:02
Naja, bei der FDP gibt es das Mondfahrtprojekt weltbeste Bildung. Systemisch kommen wir jedoch an die Grenzen eines Systems wenn 30% nicht mitmachen. So sind in Berlin 30% der Kinder eines jeden Jahrgangs ohne beruflich verwertbaren Abschluss. Zwei Hauptursachen Bildungsarmut im Elternhaus und fehlende Sprachfähigkeit beim Schuleintritt. Wenn es uns allen durch Mitmachen gelingt, diese Kinder zu erreichen und die Sprachfähigkeit zu verbessern, haben wir viel geschafft. Die Anzahl der Lehrkräfte ist jedoch für diese Überbelastung, die sich auch noch regional häuft, nicht ausgelegt. Das Thema lässt sich auch nicht wirtschaftlich sinnvoll durch vollausgebildetet Lehrkräfte beheben. Hier sind z. B. ...

#16 -

Ada Pellert | Sa., 16.09.2023 - 01:04
Lieber Herr Wiarda, Sie legen den Finger in die Wunde. Es braucht einen Dreifach-Wumms für die Bildung. Und das ist nicht nur das Geld, sondern es ist, wie Sie es fordern, vor allem die ernsthafte Beschäftigung, wie sich das bereits lange Erkannte wirksam umsetzen lässt. 10 Prioritäten, die zwischen Bildungs-, Wissenschafts-,Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitsministerien akkordiert, mit höchster strategischer Priorität versehen und durch die nationale oder zumindest länderbezogene Strategien der Ministerpräsident.innen mit entsprechender Ernsthaftigkeit umgesetzt werden; abseits der etablierten Strukturen, die viel zu versäult sind und alle ermüden; ein nationaler oder zumindest länderspezifischer Kraftakt, der zeigt, dass Deutschland verstanden hat, dass ...

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