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Kein Streit mehr über Bologna?

Können wir heute anders über Bachelor, Master und das Ganze drumherum diskutieren als vor fünf, zehn oder 15 Jahren? Oder anders formuliert: Hat die so genannte Bologna-Reform, also die Umstellung der Studiengänge auf die neuen europaweit gültigen Abschlüsse, ihr Streitpotenzial eingebüßt? Manchmal könnte es einem fast so scheinen, wenn man in den Bildungsressorts deutscher Tages- und Wochenzeitungen blättert.



Zunächst ein Blick zurück. Neulich habe ich für einen Vortrag eine Auswertung der maßgeblichen Bologna-Artikel in FAZ, Süddeutscher und ZEIT seit 2004 gemacht. Natürlich unvollständig und subjektiv, schließlich war ich selbst einer der beteiligten Autoren. Dabei ist mir noch einmal aufgefallen, wie gegenläufig die Berichterstattung verlaufen ist. Da war auf der einen Seite die FAZ, vor allem mit meiner geschätzten Kollegin Heike Schmoll, die aus ihrer Skepsis, ja ihrer Ablehnung gegen das, was sie als "hochschulpolitische Fiktion" (2004) bezeichnete, keinen Hehl machte; und auf der anderen Seite die ZEIT, vor allem mit den Redakteuren Wiarda und Martin Spiewak, für die der Bachelor bei allen beschriebenen Kinderkrankheiten "ein Erfolg mit Hut" (2005) war. Gab es eine These, zum Beispiel dass ECTS-Kreditpunkte eine belanglose Erbsenzählerei seien (Schmoll, 2004), folgte die Gegenthese meist prompt: Die Credits stellten einen überfälligen Perspektivenwechsel ...

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Kommentare

#1 -

Josef König | Di., 25.08.2015 - 23:32
Lieber Herr Wiarda,



es fällt mir schwer, Ihnen widerspruchslos zuzustimmen. Eher widerspreche ich Ihnen deutlich: Was Sie in Ihrem Blog zu Bologna m.E. verkennen, ist die Stimme der Absolventen. Natürlich gibt es solche und andere. Dennoch. Ein guter Freund, hoch gebildet und lebenspraktisch veranlagt, inzwischen auch schon 60jährig, erzählte mir davon, wie er auf einer Feier seiner Nichte war, wo hauptsächlich 25-30jährige zugegen waren, die gerade ihr Master oder Bachelor erfolgreich abgeschlossen hatten. Was ihm entgegenschlug, war eine große Frustration über das Studium. Die jungen Leute wollten sehr wohl was lernen an den Unis, haben aber über ihr Studium im ...

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Mi., 26.08.2015 - 13:53
Lieber Herr König,



vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie wissen, wie sehr ich Ihre Meinung schätze. Indes: Ich spreche auch häufig mit Absolventen, und ich höre ganz andere Einschätzungen. In vielen Fällen höre ich, dass das Studium anspruchsvoll war, mitunter auch stressig, dass aber die Strukturiertheit gerade etwas ist, das die jungen Leute schätzen - und dass akademische Niveau nicht hoch genug sei, das höre ich nie. Eher im Gegenteil: Es wird heute viel Engagement und Einsatz verlangt - und auch gedankliche Tiefe.



Wie auch immer, ich denke, Ihre und meine Wahrnehmungen zeigen einmal mehr, wie stark es auf die ...

#3 -

Jan-Martin Wiarda | Mi., 26.08.2015 - 20:04
Noch ein Nachtrag zu meinem Blogeintrag. Die FAZ hat heute ein sehr ausgewogenes und gut zu lesendes Stück zu Bologna gebracht, das zu meiner These passt:
http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/diplom-trifft-bachelor-zurueck-an-die-uni-13760817.html

#4 -

Klaus Diepold | Mi., 16.09.2015 - 19:40
Lieber Wiarda,

ich kann bei der Bologna-Diskussion einen Punkt in Ihrem Blog dick unterstreichen - es ist nicht hauptsächlich die Schuld der Bologna Reform an sich, wenn Probleme zu beklagen sind, sondern es liegt vielerort am Mangel an Inspiration mit den Gegebenheiten kreativ umzugehen und attraktive Studiengänge zu entwerfen. Der Kommentar aus Tübingen ist hier genau richtig.



Wir gewöhnen uns langsam daran, überarbeiten die Studiengänge und werden sukzessive Verbesserungen erzielen. Die Studierenden fangen auch an Vorzüge des BSc/MSc Systems zu erkennen und zu nutzen, die vielleicht nicht direkt auf dem Plan der Bologna Reform standen. Ein Beispiel sei der Fächerwechsel ...

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