Gastbeitrag: Nehmen wir die Medizin als Ansporn!
Das Lehramtsstudium braucht auch einen Masterplan, fordert MANFRED PRENZEL.

"WANN KOMMT DER Masterplan Lehramtsstudium?" hatte Jan-Martin Wiarda am 10. April 2017 gefragt. Das Stöhnen und Ächzen von Leserinnen und Lesern aus der Kultus- und Bildungspolitik konnte ich fast hören, aber dann – Schweigen im Wald.
Schade, denn ich muss sagen, dass ich als Bildungsforscher, der viel mit Lehrerbildung zu tun hat, immer wieder neidisch auf die Medizin und ihre ebenfalls professionsorientierten Studiengänge schaue.
Die Ausbildung künftiger Ärztinnen und Ärzte ist über ganz Deutschland hinweg abgestimmt, weite Teile des Staatsexamens sind bundesweit identisch. Die Verknüpfung von Lernen und Anwendung könnte kaum besser funktionieren als über die von Universitäten betriebenen Klinika, weil so ständig aufs Neue die Frage beantwortet wird: Ist das, was den Studierenden im Hörsaal begegnet, noch relevant und aktuell genug für ihren Einsatz am Krankenbett? Und was können die Studierenden wirklich, wenn es ernst wird?
Dann sehe ich dort Reformstudiengänge, in denen seit vielen Jahren an verschiedenen Standorten neue Ausbildungsmodelle erprobt werden, vom problem- und fallorientierten Lernen bis bin zum ständigen Wechsel von Theorie- und Praxisphasen. Neue Modelle, die am Ende in den Regelbetrieb einfließen. Alles, um sicherzustellen, dass die ...
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Kommentare
#1 - Lieber Herr Prenzel,ohje, habe ich zuerst gedacht, da…
ohje, habe ich zuerst gedacht, da wünscht sich jemand noch mehr Regulierung des Lehramtsstudiums durch KMK und Ministerien. Und habe dann mit wachsender Freude weitergelesen, weil es Ihnen ja um etwas ganz anderes ging. Da kann ich nur von Herzen zustimmen und erlaube mir noch einen ergänzenden Vorschlag:
Um den Erfolg eines solchen Masterplans zu sichern, könnten Landesregierungen Zielvereinbarungen mit den Universitäten abschließen. Darin sollten vor allem auch Regelungen zu den Denominationen lehramtsbezogener Professuren und weiterer Stellen festgeschrieben sein. Die Demonination und die ihr entsprechende Besetzung einer Professur bzw. Stelle müsste natürlich von der Uni regelmäßig nachgewiesen ...
#2 - Lieber Herr Prenzel,herzlichen Dank für diesen…
herzlichen Dank für diesen Gastbeitrag, dem ich nur voll und ganz zustimmen kann. Insbesondere Ihre Überlegung, sich zumindest versuchsweise hier und da vom Zwei-Fach-Studium zu verabschieden und die erste Studienphase auf das Fach(wissenschaftliche)-Studium zu konzentrieren, liegt ja in der Bologna-Logik und würde möglicherweise auch dabei helfen, neue Zielgruppen für den Lehrerberuf zu rekrutieren.
Was halten Sie von der Idee, analog zu den Universitätskliniken und akademischen Lehrkrankenhäusern in der Medizinerausbildung, dass die Schulen, an denen Studierende ihre Praktika absolvieren, bestimmte Standards erfüllen müssen? Und, noch weitergehend, eigene Universitätsschulen als Experimentierlabor einzurichten?
#3 - Liebe Frau Jorzik,über Ihre Zustimmung freue ich…
über Ihre Zustimmung freue ich mich.
Ihrem Vorschlag, besondere Anforderungen an die Schulen zu stellen, an denen Lehramtsstudierende Praktika absolvieren, unterstütze ich voll und ganz. Das wäre zugleich ein Beitrag zur Schulentwicklung.
Die Einrichtung von Universitätsschulen ist in den letzten Jahren immer wieder ins Gespräch gebracht worden. Allerdings sind die Hürden sehr hoch; und eine Universität alleine wird es kaum schaffen können, eine solche Schule zu gründen und zu tragen. Hier bräuchte es tatkräftige Unterstützung, entweder von staatlicher oder von privater Seite. Für die Lehrerbildung wäre das freilich ein großer Schritt nach vorne – und ganz im ...
#4 - Lieber Herr Bernstorff,es freut mich, dass mein Beitrag…
es freut mich, dass mein Beitrag noch die richtige Kurve gekriegt hat. Für einen Masterplan Lehramtsstudium wären besondere Zielvereinbarungen zur Lehrerbildung (mit festgeschriebenen Denominationen und Stellen) zweifellos ein hilfreiches Instrument. Ein solches Instrument könnte bereits heute stabilisierende Wirkung zeigen und zur Sicherung der Qualität von Lehramtsstudiengängen beitragen.
Beste Grüße
Manfred Prenzel
#5 - Lieber Herr Prenzel,als Studiendekan war ich an der…
als Studiendekan war ich an der Einrichtung der lehramtsbezogenen Bachelor- und Masterstudiengänge in Baden-Württemberg beteiligt. Aus dieser schmerzvollen Erfahrung kann ich Ihnen nur zustimmen: es ist dringend nötig, alle Akteure gleichberechtigt an den Reformprozessen zu beteiligen. Rahmenverordnungen, die ein qualitative hochwertiges und zielgerichtetes Studium unmöglich machen, helfen da wenig. Mit besonderer Freude habe ich gelesen, dass auch Sie gegenüber der heiligsten Kuh der Lehrerbildung, dem erzwungenen Zweifachstudium, Ihre Bedenken haben. Als positiven Nutzen ziehe ich aus den letzten Jahren gute Kontakte zu den Fachdidaktikern, die bei uns ja an der pädagogischen Hochschule angesiedelt sind. Insbesondere weiß ich ...
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