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Freiheit für die Professoren, Kampf den Campus-Imperatoren?

Ein Streitgespräch zwischen Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) und dem Heidelberger Philosophen Jens Halfwassen über die Macht der Rektorate, die Akkreditierung und die Folgen der Bologna-Reform.

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Freiheit für die Professoren, Kampf den Campus-Imperatoren?
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Freiheit für die Professoren, Kampf den Campus-Imperatoren?

Wer hat das Sagen an den Hochschulen in Deutschland?

Theresia Bauer: Das kann man nicht mit einem Satz sagen. Ich antworte mal nur für Baden-Württemberg: Die Macht an den Hochschulen befindet sich in einer komplizierten Balance zwischen Rektorat, Senat, Fakultäten und Hochschulrat. Kein Akteur, kein Gremium allein kann Grundlegendes entscheiden. Nur wenn alle zusammenwirken, bewegt sich die Hochschule.

Das hört sich langwierig an.

Bauer: Sagen wir so: Es ist eine verteilte Verantwortung, die langen Atem und viel Überzeugungskraft verlangt. Von allen Beteiligten.

Jens Halfwassen: Ich sehe die Balance, von der Sie sprechen, schon lange nicht mehr. Seit 2005 erleben wir, wie sich das Machtgleichgewicht Stück für Stück zu Gunsten der Rektoren und der Verwaltung verschoben hat. Das ist eine gravierende Fehlentwicklung, weil alle historisch erfolgreichen Universitäten eine republikanische Verfassung hatten. Sie waren kollegial organisiert und kannten keinen Herrscher an der Spitze.

Bauer: Rektorate haben heute einen größeren Gestaltungsspielraum als vor zehn oder 15 Jahren, das stimmt. Aber dieser Gestaltungsspielraum ist nur zum Teil Folge von Gesetzesänderungen. Entscheidend waren bundesweite Förderprogramme wie die Exzellenzinitiative. Von Programmen, die von den Hochschulen als Ganzes fordern, sich einem gemeinsamen Ziel zu verpflichten. Der Zusammenarbeit in Forschungsverbünden zum Beispiel, gemeinsamen Initiativen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder modernen Karrierewege für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Exzellenzinitiative ist da sicherlich der stärkste Impuls, aber nicht der einzige. Die Kommission internationaler Experten, die die Initiative evaluieren sollte, hat übrigens bemängelt, die Führungsstrukturen an unseren Universitäten seien deutlich zu schwach ausgeprägt. Die Hochschulen seien nach wie vor zu unbeweglich und kaum strategiefähig.

Sagten Sie nicht gerade, die Macht an den Hochschulen sei ausbalanciert? Jetzt zeichnen Sie das Bild machtloser Rektorate.

Bauer: Ich glaube, dass wir bei der Governance noch viel weiter gehen müssen. Das ist nicht gleichbedeutend mit mehr Hierarchie, aber wir brauchen eine bessere Entscheidungsfähigkeit auf allen Ebenen.

Halfwassen: Widerspruch. Die internationale Imboden-Kommission hat sich viel zu stark am US-Hochschulsystem orientiert, sie hatte die amerikanischen ...

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Kommentare

#1 -

Carsten von Wissel | Mo., 17.07.2017 - 19:59
Die von Jens Halfwassen vorgebrachte Argumentation warum eine ProfessorInnenmehrheit in Hochschulgremien zwingend sein soll vermag weder zu überraschen, noch zu überzeugen und ist an eben den Stellen löchrig, an denen der Diskurs dazu das üblicherweise ist. Er sagt, ProfessorInnen seien auf Dauer in der Universität und deshalb in anderer Weise als Angehörige anderer Statusgruppen von Entscheidungen und deren Langfristfolgen betroffen. Wäre dieses ein ausschlaggebender Aspekt, dann müssten Regelungen getroffen werden, wie die Abstimmungsberechtigung von zeitlich befristeten oder die Hochschule verlassenden HochschullehrerInnen gehandhabt wird; schließlich könnte sich jemand wegberufen lassen, um von den Langfristfolgen einer vom ihm mitgetroffenen Entscheidung nicht getroffen ...

#2 -

McFischer | Mi., 02.08.2017 - 15:52
Wenn man es nur oft genug wiederholt, wird es dennoch nicht richtiger...

Herr Prof. Halfwassens Zitat:

"Tatsächlich hat sich der Staat aus den Hochschulen zurückgezogen und das Feld privaten Unternehmen überlassen, Akkreditierungsagenturen, die keinerlei Kontrolle unterliegen und in absoluter Selbstherrlichkeit entscheiden, was ihnen gefällt und was nicht. Die Kommissionen, die diese Agenturen nach eigenem Gutdünken zusammensetzen, sind willkürlich, ihre Fachkompetenz ist fragwürdig."

Das ist in mehrfacher Hinsicht falsch: Es handelt sich bei den Agenturen zumeist entweder um Vereine (deren entscheidungsberechtige Mitglieder Universitäten und Fachhochschulen sind) oder um Stiftungen, in denen auch die Hochschule (und Ministerien) in den Stiftungsräten vertreten sind. ...

#3 -

Udo Baumgartner | Sa., 25.08.2018 - 09:35
Wenn die Ministerin nur nicht so naiv wäre. Und mehr vom Wissenschaftsbetrieb verstünde. Und nicht von der Phantasie der Universitäten als Quelle von Einnahmen ausginge. Vor allem nicht so neo-liberal wäre. Vielleicht hätte sie dann eine Chance.

Nach Lage der Dinge sollte man sich auf ein Scheitern möglichst gemütlich einrichten. So man das kann.

#4 -

Langjähriges g… | Di., 20.11.2018 - 14:31
Die Gesetzestexte zeichnen einen Ordnungsrahmen und oft sind Juristen grundsätzlich zu optimistisch, was deren tägliche Umsetzung betrifft. Lese ich das Hochschulrecht, dann kann die Organisation Universität eigentlich keine ernsten Probleme haben. Arbeite ich in Hochschulen, sehe ich wie Ideal und Wirklichkeit auseinander treten können. Der Trend zu Leadership 2.0 und Governance hat eher den Beiräten ("Aufsichtsräten der Hochschule") und generell der Rektoratsebene eine erhöhte Macht als Vorschuss des Vertrauens in die geballte Kompetenzanhäufung gegeben. Wer jedoch ist wann für was genau der kompetente Entscheider ? Die diskurseifrige Gremien-und-Kommisionen-Universität ist nicht immer klüger und vor allem produziert diese Kompromisse, die oft ...

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