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Angekettet in der Nische

Der Wissenschaftsjournalismus muss anders über seine Zukunft nachdenken, wenn es eine geben soll. Ein Gastbeitrag von Manfred Ronzheimer.

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Artikelbild: Angekettet in der Nische

Foto: Pixaybay/ congerdesign , CC0

ALS GESTERN NACHMITTAG im Futurium in Berlin neben der Bundesforschungsministerin und auf deren Einladung eine illustre Runde von 50 Kommunikationsprofis über die Verbesserung der Wissenschaftskommunikation reflektierte, saß der Wissenschaftsjournalismus mit drei Vertretern lediglich am Katzentisch. Das ist auch nicht besonders zu beklagen, denn eine zu große Nähe zur Macht bekommt keinem Journalismus gut, auch dem wissenschaftsaffinen nicht.

Trotzdem ist das ein Problem. Denn wer in den neuen Wissenschaftbarometer von "Wissenschaft-im-Dialog" schaut, der stellt fest, dass die Bevölkerung weiter die Produkte der journalistischen Wissensvermittler bevorzugt und ihnen mehr vertraut als den Hochglanzprodukten der Wissenschaftskommunikatoren. Hinzu kommt: Als einer, der bei dem legendären PUSH-Symposium des Stifterverbandes 1999 in Bonn zugegen war, auf dem die Tür zur Professionalisierung der Wissenschaftskommunikation auf Seiten der Hochschulen und Forschungsinstitute aufgestoßen wurde, weiß ich, dass Journalisten in diesen Debatten über die Vermittlung zwischen Academia und Bevölkerung schon mal stärker gehört wurden als heute.

Angesichts der derzeitigen Randständigkeit des heutigen Wissenschaftsjournalismus in Deutschland – die wohlgemerkt nicht dem Wissenschaftssystem, sondern dem Wandel des Mediensystems anzulasten ist – ist es gut, ...

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Kommentare

#1 -

Klaus Diepold | Di., 16.10.2018 - 12:58
Interessanter Beitrag, der aber nicht ohne trendige "Innovation-Speak" auskommt. So fliegt insbesondere die "Disruption" etwas sinnbefreit durch die Gegend. Vorschlag: Einfach mal den Begriff weglassen.

#2 -

Zukunftsmusiker | Di., 16.10.2018 - 20:05
Mein Lösungsvorschlag: Den Wissenschaftsjournalismus als eigenes Genre/ eigene Berufsgruppe abschaffen. Ich lese viel zu viele unkritische Artikel von deutschen Wissenschaftsjournalisten, die nur Presseerklärungen von Unis oder Forschungseinrichtungen nachplappern. Zum Beispiel zur angeblich so erfolgreichen "Exzellenzinitiative". Ich führe das auf eine Art Stockholm-Syndrom zurück: Man ist so spezialisiert, so von spezialisierten Quellen abhängig, daß die eigene Unabhängigkeit leidet und man zum Propagandisten wird. Viel besser wäre es, wenn mehr Wissenschaftler selbst über ihre Arbeit schrieben. Und zwar arrivierte Leute, die sich frei äußern können ohne Angst vor Repressalien. Im New York Review of Books z.B. schreiben keine Wissenschaftsjournalisten, sondern nur Wissenschaftler. ...

#4 -

Markus Pössel | Di., 16.10.2018 - 21:53
Die "Überwindung des Grabens zwischen Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsjournalismus" klingt vielversprechend. Allerdings: Was versteht der Autor unter "Wissenschaftskommunikation"? Sowohl die Kurzformel von den "Hochglanzprodukten der Wissenschaftskommunikatoren" als auch die Graben-Formulierung legt nahe, dass hier einmal mehr die (im heutigen Diskurs glücklicherweise oft überholte) verengte Bedeutung gemeint ist, bei der Wissenschafts-PR und Wissenschaftskommunikation synonym verstanden werden.



Dabei könnte auch der Wissenschaftsjournalismus von der breiteren Definition profitieren, die Wissenschaftskommunikation als Oberbegriff sieht, und Wissenschafts-PR, Wissenschaftsjournalismus, aber auch das kurz erwähnte direkte Engagement von Wissenschaftlern bei der Kommunikation mit der Öffentlichkeit (das dann auch gar nicht mehr so aus der Reihe fällt, wie sich ...

#5 -

Manfred Ronzheimer | Fr., 19.10.2018 - 21:39
An @Zukunftsmusiker

Das würde das Kind mit dem Bade ausschütten. Es stimmt, dass heutiger Wissenschaftsjournalismus zu nah am Wissenschaftssystem dran ist und da überwiegend nur den "Erklärbären" abgibt. Es fehlt die kritische Bewertung des Systems und der Rückkanal "Sprachrohr der Gesellschaft", auch im Sinne der Förderung gesellschaftsdienlicher Forschung.

@Pössel. Da ich Praktiker bin, will ich hier vorerst nur zwei praktische Schritte ankündigen. Einmal gehe ich nochmal in das WID-Wissenschaftsbarometer rein, auch für eine parteipolitische Auswertung. Da werde ich auch nochmal die Medienakzeptanz zusammenfassen. Die höhere Glaubwürdigkeit der klassischen Medien stand meiner Erinnerung nach in der Allensbach-Studie für die Leopoldina zur ...

#6 -

Josef König | Mo., 22.10.2018 - 16:28
Ich habe mir etwas mehr Zeit gelassen, bevor ich den Beitrag von Stollorz/Hüttl kommentiert habe. Dazu nun ausführlich in meinem Blog:
https://www.widderworte.de/2018/10/wissenschaft-ist-fuer-jeden-zugaenglich/

#7 -

Laubeiter | Mi., 31.10.2018 - 14:21
In diesem Beitrag lese ich zum einen die Suche nach neuen Formen, mit denen Wissenschaft im neuen Mediensystem dargestellt werden kann, zum andern die Auseinandersetzung mit Hüttl und Stollorz. Letzteres mal beiseite, finde ich ersteres gut beschrieben, Danke! Zwei Sachen: (1) Mir fehlt das Thema Twitter. (2) Gibt's nicht schon Ansätze für citizen journalist? Ex-Guardian Editor Rusbridger erzählt in seinem neuen Buch, wie sich seine Zeitung gewandelt hat von einem Lieferanten gedruckter News zu einem digitalen Abbild der Welt, das 24h am Tag von den Journalisten in den Guardian Büros und den ehemaligen Lesern, jetzt Members neu zusammengesetzt wird.

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