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Wo die Politik tatsächlich Erklärungen schuldig bleibt

Bund und Länder haben die Krise bislang gut gemanagt. Anstatt ihnen haltlose Vorwürfe zu machen, sie würden die Shutdown-Phase leichtfertig verlängern, sollte die Opposition an anderer Stelle mehr Druck ausüben. Drei dringend nötige Beispiele.

"ICH MUSS SIE BITTEN", sagte die Kanzlerin in ihrem wöchentlichen Podcast, "seien Sie geduldig." Niemand könne heute mit gutem Gewissen sagen, er wisse, wie lange diese schwere Zeit anhalte, sagte Angela Merkel, die sich selbst in häuslicher Quarantäne befindet und deshalb ihre Botschaft am Telefon einsprach.

Doch die Ungeduld wächst. Wirtschaftsforscher prognostizieren eine tiefe Rezession, die umso tiefer ausfallen werde, je länger die weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens in Deutschland anhalte. Sozialwissenschaftler warnen vor der explorierenden häuslichen Gewalt, je länger die Menschen den Großteil ihrer Zeit auf engstem Raum verbringen. Es gibt Berichte von übervollen Frauenhäusern, Jugendämter sorgen sich um das Wohl von Kindern in prekärer familiärer Lage. "Was ist das Leben wert, wenn wir uns die Freiheit zu leben nehmen lassen?" twitterte die stellvertretende FDP-Vorsitzende Katja Suding heute Morgen – und erntete neben Zustimmung wütende Proteste. Ein paar Stunden später legte Suding nach: Die Reaktionen zeigten ihr, dass eine Debatte über die Verhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen überfällig sei. "Einigermaßen entsetzt bin ich, wie leicht manchem offenbar der Vorwurf fällt, mir seien Menschenleben nichts wert."

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte heute Mittag: "Glauben Sie mir, die Bundeskanzlerin wäre die erste, die Ihnen auf Basis der Fakten die Lockerung der Maßnahmen verkünden würde; und zwar mit Freude, denn sie ...

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Kommentare

#1 -

Manfred Ronzheimer | Di., 31.03.2020 - 10:43
Zum Thema Begleitforschung: Es ist zu beachten, dass eine Reihe von Wissenschaftseinrichtungen von sich aus spontan Forschungsprojekte aufgelegt haben. Ich werde das demnächst in einem Artikel unter dem Stichwort "Coronafolgeforschung" zusammenfassen. Hier einige der Projekte, die ich covern werde:



24.03.2020 13:18

Coronavirus: Risikowahrnehmung in der Krise? Wissenschaftler*innen der TU Berlin starten Umfrage

Technische Universität Berlin

Mein Risiko, dein Risiko, unser Risiko? Risikokommunikation und Risikowahrnehmung in Corona-Zeiten: Wissenschaftler*innen der TU Berlin führen eine aktuelle Studie durch Risikokommunikation, Risikowahrnehmung und medizinische Entscheidungsfindung sind zentrale Forschungsthemen der



https://idw-online.de/de/news743624







26.03.2020 09:34

Studie zum Arbeitsalltag während der Coronakrise

Universität Mannheim

Eine aktuelle Studie der Universität ...

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 31.03.2020 - 10:49
@ Manfred Ronzheimer
Vielen Dank für die Hinweise! Das ist spannend, und toll, wenn Du über sie berichtest. Aber all das macht die Untätigkeit der Bundesregierung an dieser Stelle nur noch kritikwürdiger. Alles Gute weiterhin für Dich!

#3 -

Bernd L. | Di., 31.03.2020 - 11:17
Lieber Herr Wiarda,

ich kann nicht recht verstehen, warum die Bundesregierung hier tätig werden sollte. Ich sehe bei der Corona Krise eine Vielzahl von Verantwortlichkeiten, nicht nur beim Staat. Vor allem sehe ich aber einmalige Chancen für die Sozialwissenschaften. Die Wissenschaften sollten ihre Möglichkeiten die Auswirkungen der Corana Krise zu beforschen sofort nutzen und nicht auf die Ausschreibung irgendwelcher Begleitforschungen der Bundesregierung warten. Die Forschung ist doch hiervon nicht abhängig! Von daher Danke für die Beispiele von Herrn Ronzheimer! Ich hoffe es gibt noch viel mehr.

#4 -

EMS | Di., 31.03.2020 - 17:07
Und auch die DFG hat schon eine breiter gefasste Ausschreibung veröffentlicht, die sich explizit an alle Fachkulturen wendet:
https://www.dfg.de/foerderung/info_wissenschaft/2020/info_wissenschaft_20_20/index.html

#5 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 31.03.2020 - 17:13
@EMS: Auch dafür vielen Dank! Das Bekenntnis der Regierung zur Begleitforschung zur Wirkung ihrer Maßnahmen erscheint mir trotzdem sehr wichtig, zumal möglicherweise nur dann die ergriffenen Maßnahmen im Einzelnen sehr genau in den Blick genommen würden. Viele Grüße!

#6 -

René Krempkow | Di., 31.03.2020 - 20:51
Leider ist es so, dass die Professorenschaft in Deutschland einen hohen Druck zur Einwerbung von Drittmitteln wahrnimmt, weil (repräsentativen Studien zufolge) Forschung ohne Drittmittel aus Sicht der Befragten schon seit einigen Jahren kaum möglich ist: So gaben schon vor rund einer Dekade nur 18% der Professor/innen an, auch ohne Drittmittel ihren Forschungsfragen nachgehen zu können (Böhmer u.a. 2011, S. 85f.). Die Notwendigkeit, eine Finanzierungsquelle für die Umsetzung von Forschungsideen zu finden, gilt für die Lebenswissenschaften und für experimentelle Naturwissenschaften natürlich in besonderer Weise. Allerdings trifft dies auch bei den Geisteswissenschaften und den Wirtschafts-/Sozialwissenschaften für die Hälfte zu (aus: www.researchgate.net/publication/303945901, S. ...

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