Allzu missverständlich
Die Wissenschaftspolitik will kein "Nichtsemester" und setzt trotzdem viele Forderungen der gleichnamigen Petition um. Das ist kein Widerspruch.
ES WAR WIE ein Reflex. Ein Nichtsemester?, versicherten die Wissenschaftsminister und Hochschulrektoren in Interviews und Hintergrundgesprächen: Auf keinen Fall! Von der Petition gleichen Namens hielten sie daher nicht viel. Auch ihre am Freitag gefassten KMK-Beschlüsse für ein flexibles Sommersemester wollten viele Wissenschaftsstaatssekretäre, ohne das explizit zu machen, als Absage an ein "Nichtsemester" verstehen sehen.
Doch wenn man sich die KMK-Beschlüsse dann ansah, stellte man fest: Zum Teil klangen sie wie direkt aus der inzwischen von mehr als 13.000 Menschen unterschriebenen "#Nichtsemester"-Petition übernommen.
Verständnis für die Lage der Studierenden in Zeiten von Corona? Ja, klar! Keine Anrechnung des Sommersemesters auf Regelstudienzeit und BAföG? Unbedingt, setzen wir uns für ein! Prüfungen soweit wie möglich? Ja, aber keiner soll bestraft werden, wenn er oder sie wegen der Pandemie weniger Leistungspunkte/Credits als vorgesehen schafft.
Nur eines wollten die Minister auf jeden Fall verhindern: dass das Semester gar nicht stattfindet. Dass an sich mögliche Lehrveranstaltungen und Prüfungen absichtlich ausgesetzt werden. Daher die emphatische Ablehnung des "Nichtsemesters".
Dass es gar kein Semester gibt, hatte die Petition zum Nichtsemester gar nicht verlangt
Allerdings hatte genau das, wie ...
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Kommentare
#1 - Lieber Herr Wiarda,vielen Dank, dass Sie das Thema noch mal…
vielen Dank, dass Sie das Thema noch mal aufgreifen.
Mit Blick auf die Reaktionen machte es tatsächlich den Anschein, dass viele Hochschulleitungen den offenen Brief überhaupt nicht gelesen (oder Idee und Inhalte nicht erfasst) hatten. Vielleicht war es aber auch so, dass viele von ihnen schlicht den Zug verpasst hatten, und sie dies nun realisierten:
Da meldeten sich doch auf einmal die Menschen aus der Hochschule heraus, die die Krisensituation und die sich abzeichnende Auswirkungen erfasst hatten, und zeigten Leitplanken für das Sommersemester auf. Das ist ja nun auch ein bisschen anmaßend. Stimme der Hochschulen sind doch ...
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