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Gegen eine Wand

Droht eine verlorene Generation von Hochschulabsolventen?

Der Heidelberger Unirektor Bernhard Eitel warnt: Viele hochqualifizierte junge Menschen könnten ins Nichts fallen.

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Artikelbild: Gegen eine Wand

Bernhard Eitel, 60, ist Geograph und Geowissenschaftler und seit 2007 Rektor der Universität Heidelberg. Foto: Universität Heidelberg.

Herr Eitel, Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte vergangene Woche im Interview , sie sei "nicht so pessimistisch", was den Arbeitsmarkt in der Coronakrise angeht. "Vor einem Vierteljahr haben wir noch in jeder Podiumsdiskussion über den Fachkräftemangel in all seinen Ausprägungen debattiert", sagte sie. "Ich glaube nicht, dass sich das jetzt so schnell so komplett umdreht. Die meisten Betriebe planen langfristiger."

Die Ministerin hat sich hauptsächlich auf die berufliche Bildung bezogen, dazu kann ich nichts sagen. Aber was die Absolventinnen und Absolventen von Universitäten und Fachhochschulen betrifft, würde ich vor jeder Gelassenheit warnen. Es besteht die große Gefahr, dass ein Jahrgang, möglicherweise sogar zwei Jahrgänge gegen eine Wand laufen. Wir reden hier von hunderttausenden junger Menschen, und mein Eindruck ist, dass die Politik deren Situation nicht auf dem Schirm hat.

Wie meinen Sie das?

Die vergangenen Wochen wurde zu Recht über Hilfspakete für die aktuell Studierenden gestritten und viel erreicht. Dafür gebührt allen Verantwortlichen Dank. Aber wer setzt sich für Lösungen ...

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Kommentare

#1 -

MF | Mi., 13.05.2020 - 12:09
Eigentlich spricht Herr Prof. Eitel hier zwei wichtige Punkte an. Wenn aber von "Mediterranisierung unseres Bildungssystems" die Rede ist wird ein unpassendes Klischee transportiert, das inhaltich auch schlichtweg falsch ist. Und auch die Forderung nach Aufhebung der Reisebeschränkung ist zu kurz gedacht. Die Fachkonferenzen und Kongresse werden weiterhin ausfallen oder online abgehalten, weil das Risiko von derart vielen Menschen aus unterschiedlich betroffenen Regionen auf engem Raum viel zu hoch ist.

#2 -

McFischer | Mi., 13.05.2020 - 12:36
Manches gute Argument. Aber das 'Problem', dass junge Wissenschaftler stark eingeschränkt sind, weil sie nicht mehr auf internationale Konferenzen fahren können... nicht wirklich. Die meisten Konferenzen sind ein ziemlich ergebnisloses Schaulaufen, etwas, das man sich in den Lebenslauf schreibt ("paper/poster presented at the XX World Conference on YY"), aber das kaum nachhaltige Wirkung für die Karriere hat. Meiner Erfahrung sind es gerade die Etablierten, die dann mit 'keynote speaches' sich präsentieren können oder bei privaten Abendessen ihre schon bestehenden Netzwerke vertiefen. Für junge Wissenschaftler/innen eher verzichtbar.

#3 -

Andreas Villwock | Mi., 13.05.2020 - 15:53
Ich kenne allein aus meinem direkten privaten Umfeld drei junge Hochschulabsolventen, die jetzt völlig perspektivlos sind, weil niemand mehr einstellt und sie jetzt Grundunterstützung beantragen müssten, wenn Familie sie nicht auffängt. Wir zerstören gerade die Perspektiven von tausenden von jungen Menschen. Ist das gerecht, ethisch vertretbar? Vielleicht sollten wir auch diese Perspektiven mal in die breite öffentliche Debatte bringen.

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