Direkt zum Inhalt

Die Kinder dürfen in der Krise nicht unter die Räder kommen

Sachsen öffnet die Kitas und Grundschulen für alle Kinder und an allen Tagen. Gefährlicher Leichtsinn? Nein, sagt Kultusminister Piwarz: Wohl überlegt und eine Frage der Bildungsgerechtigkeit.

Bild
Artikelbild: Die Kinder dürfen in der Krise nicht unter die Räder kommen

Christian Piwarz, 44, ist seit Dezember 2017 Kultusminister in Sachsen. Der Jurist und Rechtsanwalt ist seit 2006 Landtagsmitglied für die CDU. Foto: SMK Sachsen.

Herr Piwarz, während andere Bundesländer ihr Kitas und Grundschulen nur tageweise wieder für alle Kinder öffnen, sperren Sie in Sachsen von Montag an alles auf: Betreuung und Unterricht für alle Kinder bis einschließlich Klasse 4 an allen Tagen der Woche. Ist das nicht ein hohes Risiko?

Seien Sie versichert: Wir wissen, was wir tun. Die wissenschaftlichen Hinweise verdichten sich, dass Kinder unter zehn Jahren einerseits seltener und weniger schwer an Covid-19 erkranken, andererseits das Virus aber auch kaum weitertragen, anders als das etwa bei der klassischen Influenza der Fall ist. Die Schulen und Kitas waren auch vor ihrer Schließung im März keine Hotspots im Infektionsgeschehen. Und insgesamt sind die Zahlen der Neuinfektionen in Sachsen jetzt schon seit geraumer Zeit extrem niedrig, sie schwanken zwischen 20 und 40 pro Tag bei 4,1 Millionen Einwohnern.

Andere Bundesländer teilen oder dritteln Kita- und Lerngruppen, Sie lassen die volle Größe zu. Wie passt das mit den Corona-Abstandsregeln zusammen?

Gar nicht. Bei jüngeren Kindern lassen sich diese Regeln de facto nicht realisieren, so ehrlich sollte man dann schon sein. Deshalb haben wir ein komplett anderes Konzept erarbeitet. Die Gruppen haben ihre normale Größe, sind aber in ihrer Zusammensetzung fest und bleiben streng voneinander getrennt. Wenn sich ein Infektionsfall ereignet, müssen wir deshalb nur die betroffene Gruppe oder Klasse in Quarantäne schicken und können den übrigen gesunden Kindern die Möglichkeit geben, weiter betreut oder beschult zu werden. Durch die festen Gruppen können wir auch die Infektionsketten relativ schnell nachverfolgen. Das setzt natürlich voraus, dass sich alle Beteiligten, die Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher und die Familien, auch außerhalb der Einrichtungen an die Pandemie-Regeln halten, damit die Infektionen nicht von außen eingeschleppt werden. Es bleibt aber eine Abwägung, ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Nun Ja | Do., 14.05.2020 - 13:45
Sehr geehrter Herr Piwarz,

warum konnte kein Virologe für die Begleitung dieses Vorhabens gewonnen werden? Herr Berner ist Kinderarzt und Infektiologe, also Spezialist für die Heilung von Infektionskrankheiten, nicht aber für die Steuerung von Virus-Pandemien.

Woraus schließen Sie, dass jemand, der lieber auf die Abi-Prüfung verzichtet hätte, sich für den Zweittermin entscheiden würde?

Bei der Ansteckung von Kindern und Weiterverbreitung durch diese kommen viele Virologen basierend auf Daten und Studien zu ganz anderen Schlussfolgerungen.

#2 -

Fragen | Do., 14.05.2020 - 17:03
Mich würden ebenfalls die mehrfach erwähnten wissenschaftlichen Erkenntnisse interessieren, auf die Herr Piwarz sich und ebenso Herr Berner berufen. Diese sind bisher nicht benannt und nach allem, was man in der breiten Berichterstattung dazu finden kann, ist die Situation mitnichten eindeutig so, dass kleinere Kinder das Virus nicht übertragen.
Wieso hat denn angeblich bisher kein Schul- oder Kindergartenkind jemanden angesteckt? Eventuell waren ja Schulen und Kindergärten geschlossen?

#3 -

Sonntag | Do., 14.05.2020 - 19:20
Auch wenn die Situation schwierig ist: Es ist schon seltsam, wie ein Kinderarzt plötzlich zum Virologen mutiert und über 60Jährige von einem Tag zum anderen nicht mehr gefährdet sind. Und warum? Weil das Kultusministerium das so beschlossen hat.
Und was die nicht bekannten Ansteckungen in Schulen und Kitas betrifft, da kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen.

#4 -

Schulze | Do., 14.05.2020 - 19:27
Sehr geehrter Herr Piwarz,

meines Wissens fehlt eine eindeutige Datenlage zur Rolle der Kinder bei der Virus-Ausbreitung derzeit. Gibt es etwa doch Unterschiede zwischen der Infektion von Kindern und Erwachsenen? Warum weisen die täglichen Lageberichte des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID 19) dann täglich steigende Zahlen in Einrichtungen gemäß §33 IfSG wozu auch Schulen und Kitas auf? Das betrifft betreute/untergebrachte (unter 18 Jahre), aber auch in diesen Einrichtungen tätige Personen.

Da findet man auch Hospitalisierte und Verstorbene.

Ein Blick in EU-Partnerländer lässt auch andere Fakten vermuten (z.B. Gymnasium Oise-Frankreich).

#5 -

Klaus | Fr., 15.05.2020 - 03:20
Herr Piwarz,
"uns hilft, dass wir jetzt raus im Sommer raus sind aus ..." Verschneiter Zuckerhut??? Brasilien heute (14.05.2020) 13761 Neuinfektionen, 835 Todesopfer; Peru 4298 Neuinfektionen, Todesopfer 98; Singapore 752 Neuinfektionen. Dem Virus scheint egal zu sein ob Sommer oder Winter. Hier ist Sachkenntnis gefragt!!!

#6 -

Berlin | Fr., 15.05.2020 - 10:58
Es ist beruhigend, dass es noch politische Entscheidungen gibt, die den Kindern gerecht werden und sie nicht an den Rand der Gesellschaft stellen. Man muss derzeit nur durch Berlin gehen um zu erkennen, dass die Angst vor Kindern im Vergleich zu anderen Personengruppen unberechtigt ist. Die Kinder ermahnen selbst die eigenen Eltern Abstand zu halten und waschen sich die Hände bis diese wund sind. Und was machen die Erwachsenen, Senior*innen? Sie machen so weiter wie vor dem Beschränkungen. Eltern werden selbst von den Sozialdemokraten (s. Steinbach, Heil etc.) ausgegrenzt und müssen ihren Kindern erklären warum Autos, Flugverkehr und Umweltverschmutzung immer ...

#7 -

Nun Ja | Fr., 15.05.2020 - 11:54
Lieber Berliner,

erstmal empfinde ich Ihre sachliche Schreibweise als wohltuend.

Ich sehe auch, dass es immer Menschen gibt, die sich an nichts halten. Wie damit umgehen? Man kann es kaum ändern. Es verbessert sich aber auch nichts, wenn man sagt: "Wenn die das machen, will ich das auch. Dann nützt mein angemessenes Verhalten auch nichts." Je mehr Menschen verantwortungsbewusst sind, desto besser für alle und den einzelnen, auch die einzelne Knalltüte. Wir Laien können uns letztlich nur entscheiden, welchen Experten wir glauben und für wie logisch wir deren Argumente halten.

Im Übrigen habe ich den Eindruck, dass die Kinder vorgeschoben ...

#8 -

Richter | Fr., 15.05.2020 - 13:39
Herr Piwarz,

bitte nennen Sie die Quellen für diese Aussage: "die wissenschaftlichen Hinweise verdichten sich, dass Kinder unter zehn Jahren einerseits seltener und weniger schwer an Covid-19 erkranken, andererseits das Virus aber auch kaum weitertragen" für diese Aussage.

Sie sagen "Noch mehr Eltern allerdings haben gefordert: Macht endlich die Kitas und Schulen wieder auf. " Ich denke nicht, dass Eltern damit eine Öffnung ohne Schutz der Kinder gemeint haben... bzw. sind es diejenigen die den Virus für ungefährlich halten. Gehören Sie dazu?

"Kinder dürfen nicht unter die Räder kommen"... aber ins Krankenhaus? Und warum ist Bildung in den weiterführenden Schulen ...

#9 -

Michael | Fr., 15.05.2020 - 19:39
Schwere gesundheitliche Risiken für Kinder, Lehrer und Erzieher und Eltern werden von Seiten des Ministeriums in Kauf genommen. Das ist schon ein Hammer! Es wird auf Studien verwiesen, aber auf welche? Keine Reaktion, keine Diskussion. Schulen, Kindergärten und Eltern bleiben ratlos, es gilt nur: Schulpflicht durchsetzen. Und das im Schnelltempo, ohne Vorsicht, ohne Beobachtung, ohne vorherige Untersuchung des Personals oder der Kinder auf Ansteckung. Das können Sie noch nicht einmal einem Drittklässler vermitteln, das Regeln, die außerhalb der Schule gelten, an der Schule nicht gelten sollen. Unlogisch, Vertrauen wird zerstört. Welche Werte werden hier vermittelt, Herr Piwarz? Gehorsam und unkritisches ...

#10 -

Doro | Fr., 15.05.2020 - 20:08
Ich kann dieser Angst einfach nicht verstehen. Wir sollten nach dem ersten Schock lernen mit solchen Situationen umzugehen. Vergleiche mit anderen Ländern sind immer hinkend. Andere Länder, ganz andere Gegebenheiten? Weiß doch jedes Kind. Prozentual auf unsere Bevölkerung gerechnet, haben wir Superergebnisse. Also hat Herr Piwarz vollkommen recht mit seiner Vorgehensweise. Und diese Aussage, Eltern wollen nur ihren Kinder loswerden, ist eine infame Unterstellung. Nicht jeder ist zum Lehrer geboren, zumal wenn man nebenbei noch homeoffice hat. Ich bin fast 70 und sehe viele tapfere Eltern, die früher zur Arbeit kommen um Nachmittag das Schulpensum für 3 Kinder zu schaffen. ...

#11 -

Bitte erklären Sie | Sa., 16.05.2020 - 02:06
Sehr geehrter Herr Piwarz,



Warum Sie den Kindern wieder Zugang zu den Bildungseinrichtungen ermöglichen möchten ist verständlich. Ihr Konzept zur Schulöffnung jedoch finde ich nicht nachvollziehbar und es fehlt jegliche Quellenangabe für die Grundannahmen (z.B. keine Abstandsregel in Grundschulen oder Kinder spielten kaum eine Rolle im Infektionsgeschehen). Auch scheint das Robert Koch Institut bei der Wiederöffnung von Bildungseinrichtungen zu anderen Ergebnissen zu kommen als ihre Expertenkommission (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/19_20.pdf?__blob=publicationFile).

Die Teilung einer Grundschulklasse wäre das Mindeste gewesen, was man hätte versuchen können, damit die Kinder wenigstens eine Chance bekommen, Abstand zu halten.

#12 -

Torsten | Sa., 16.05.2020 - 12:41
Hallo Doro, hallo Herr Piwarz, ich kann Ihre Einschätzung absolut nicht nachvollziehen. Warum ist Deutschland bisher so gut durch die Krise gekommen? Das liegt zum Einem an dem hervorragenden Gesundheitssystem und vorallem an der strikten Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Warum kehren Sie dieser bisher überaus erfolgreichen Strategie den Rücken. Sie haben keine aussagekräftigen Statistiken zu Ihren Vermutungen, dass KiTas und Schulen Übertragungshotspots sind. Die Einrichtungen sollten sind seit Wochen geschlossen und der Besuch der Abschlussklassen kann hier nicht als Grundlage gelten, da hier die Abstands- und Hygieneregeln noch eingehalten wurden. Auch die elterliche Bestätigung der Symptomfreiheit ist aufgrund der ...

#13 -

Anne | Sa., 16.05.2020 - 15:45
Sehr geehrter Herr Piwarz, mich interessiert wie es mit Schülern die Vorerkrankungen weiter geht. Kann man denn nicht diese Schüler vom Präsenzunterricht befreien und diese weiter im Homeschooling lassen. Viele Direktoren wissen doch welcher Schüler welche Krankheiten haben ( Atteste vom Gesundheitsamt etc.) haben doch die Schulen. Kann man nicht auf der Schulhomepage schreiben das alle Schüler mit Vorerkrankungen zu Hause bleiben dürfen. Kann man nicht den Schülern weiterhin den Schulstoff online vermitteln. Bitte geben sie diese Notizen an die jeweiligen Schulen und Direktoren weiter sodas viele Eltern nicht mehr so viele Sorgen haben müssen. Man kann auch die zu ...

#14 -

Dietmar | Mo., 18.05.2020 - 12:44
Eine Gruppe wird ,, die Dumme,, bleiben. Entweder sind es Kinder und Eltern oder Lehrer und Erzieher. Beide zu schützen geht nicht und somit werden eben jetzt Lehrer und Erzieher an die Front geschickt. Warum sagen das unsere weichgespülten Entscheidungsträger nicht knallhart ins Gesicht. Dieses Wischiwaschi ist doch nicht mehr zu ertragen.

#15 -

Mareike | Mo., 18.05.2020 - 15:56
Klar ist doch erstmal, das es trotzdem weitere Ansteckungen geben kann, aber das kann überall sein und nicht hauptsächlich nur in den Schulen und Kitas. Ich verstehe alle Eltern die Bedenken haben, die habe ich zum kleinen Teil auch.

Ich bin aber der gleichen Meinung wie Herr Piwarz, man sollte an die Kinder denken!

Beispiel. Mein Sohn ( 1 Klasse) und Asthma Erkrankung. Klar macht man sich Gedanken, was ist wenn er erkrankt? Aber ist das der ausschlaggebende Punkt zu sagen, mein Kind bleibt zu Hause, nein!

Als 1 Klässler ist er im wichtigen Lernprozess, klar kann man das auch ...

#17 -

Holger | Di., 19.05.2020 - 01:04
Vielen Dank für die mutigen Entscheidungen der sächsischen Politik. Bei allem Respekt für die Lockerungs-Kritiker, die letzten Risiken werden wir nicht vermeiden können. Familien und Kinder leiden unter den Einschränkungen ebenso besonders, wie bestimmte Branchen. Es braucht dringend mehr Normalität und weniger Angst. Wenn der Noro-Virus mal wieder rumgeht, schließt die Kita auch nicht. Der Vergleich mag hinken. Dennoch: Wir Deutschen müssen und sollten uns vor der 100%-Absicherung verabschieden. Erzieher und Lehrer sollten versuchen, jetzt erst einmal das beste aus der Situation zu machen, als im Vorfeld zu argumentieren, was alles nicht geht. Wir Familien wurden auch nicht gefragt, wie ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Dann erleiden wir auch Schiffbruch, nur auf andere Weise

Dann erleiden wir auch Schiffbruch, nur auf andere Weise

Was macht das Coronavirus mit unserer Gesellschaft? Inwiefern ist es gerechtfertigt, den Schutz vor der Pandemie vor alles Andere zu setzen? Und: Wird die Politik ihrer Verantwortung gerecht? Die Philosophen Holger Burckhart und Michael Quante suchen angesichts wachsender gesellschaftlicher Spannungen gemeinsam nach Antworten.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Geht noch mehr?

Sachsen öffnet die Kitas und Grundschulen für alle gesunden Kinder an allen Tagen – ein Vorbild für andere Bundesländer?


  • Vorsicht an der Bahnsteigkante!

Vorsicht an der Bahnsteigkante!

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek über die Kritik an ihrer Studierenden-Nothilfe, die neue Wirklichkeit in den Schulen und ungerechtfertigte Kritik an der Wissenschaft: ein Interview. Die CDU-Politikerin Anja Karliczek: Heute geht ihr Corona-Paket ins Bundestagsplenum. Fotos: BMBF/Laurence Chaperon.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Konkreter, bitte!

Bund und Länder haben sich auf Regeln für das versprochene Digital-Sofortprogramm für bedürftige Schüler geeinigt. Doch wann wirklich alle Kinder und Jugendlichen versorgt sein werden, ist noch offen.


  • Artikelbild: Faire Rechnung

Faire Rechnung

Allmählich wird deutlich, wie ungleich die Folgen der Pandemie-Bekämpfung die Generationen belasten werden. Doch wo bleibt die breite gesellschaftliche Debatte über die angemessene Verteilung der Lockerungen?


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Lange können sich die Kultusminister nicht mehr ducken

Vier medizinische Fachgesellschaften fordern die komplette Öffnung von Kitas und Schulen. Der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern stehe dem nicht entgegen. Wie reagiert die Politik?