Direkt zum Inhalt

Die gefährliche Routine der Krise

Die Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben gelernt, trotz Corona ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Das ist eine großartige Leistung. Doch wo bleiben bei all der Krisenbewältigung Kreativität und Innovationen?

ES GAB DIESEN ZEITPUNKT ganz zu Beginn der Coronakrise, da erlebten auch die Hochschulen Momente der Schreckstarre. Menschenleere Labore und zugesperrte Bibliotheken, über Nacht abgesagte Tagungen – und Hörsäle, die auch im bald beginnenden Sommersemester keine Studierenden füllen würden. Doch dann kam etwas in Gang, von dem selbst diejenigen, die es geleistet haben, immer noch fast ungläubig erzählen. Das erste digitale Sommersemester in der Geschichte der deutschen Geschichte startete, und obgleich es den Normalbetrieb nicht ersetzen konnte, war es doch umso vieles gelungener und vielfältiger, als man es sich je hätte vorstellen können. Nur dass man es sich eben nicht vorgestellt hatte, denn die Möglichkeit einer Pandemie überstieg nicht nur den Horizont fast aller, sie kam auch in keiner Hochschulplanung vor.

Ein halbes Jahr später bereiten sich die Hochschulen auf ein Wintersemester vor, von dem angesichts steigender Infektionszahlen immer absehbarer wird, dass es nicht viel anders laufen kann als das Frühjahr. Nur schreckt der Gedanke in den Hochschuletagen keinen mehr. Die Pläne sind gemacht, die Technik steht. Der Krisenbewältigungsmodus ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Ruth Himmelreich | Di., 29.09.2020 - 17:09
"Routinierter Krisenmodus"? Der Krisenmodus ist ganz und gar nicht routiniert, denn das WS wird kein Corona-Semester, wie wir es jetzt hatten, sondern ein Hybridsemester, das uns vor neue Herausforderungen stellt.



Die Studis, die dann wieder in den Gebäuden herumwuseln - werden die diszipliniert sein und sich elektronisch oder händisch in Anwesenheitslisten eintragen oder nicht? Was, wenn es zu Infektionsketten kommt?



Wie organisieren wir die Laborgruppen in Kohorten, bei denen wir den Mindestabstand nicht halten können - was machen wir bei verschiedenen Laborkursen, bei denen wir nicht genau dieselbe Kohorte haben?



Wie gehen wir mit den nicht erfüllbaren, weil konträren, Wünschen ...

#2 -

Michael Becker… | Di., 29.09.2020 - 20:58
Ich möchte dieser treffenden Analyse vor allem einen Aspekt hinzufügen: Neben dem Fehlen der informellen Gespräche, die sich in Videokonferenzen praktisch nicht ergeben oder herstellen lassen, ist es vor allem der Verlust an Face-to-Face Gesprächen.



Erst in der direkten Interaktion steht uns das gesamte Repertoire an sprachlichen und nicht-sprachlichen Mitteln der Kommunikation zur Verfügung, die für das gemeinsame Denken, Ideen Entwickeln, kreatives Handeln so unverzichtbar sind. Ohne Mimik und Gestik, ohne Zwischenfragen, ohne die vielen eingeworfen Hm (und sonstigen Interjektionen) zum Signalisieren von Verständnis oder Nicht-Verstehen fällt es uns schwer, gemeinsam Ideen zu entwickeln.



Das gilt in gleicher Weise für ...

#3 -

Grobianus | Di., 29.09.2020 - 21:46
Diese "bloße Existenz" rührt wohl mit da her, dass die Routine auf nicht mal halbem Weg zum Ziel eingesetzt hat: Was Kreativität und "smart people getting smarter together" in der Pandemie und darüberhinaus fördern würde, sind die radikal-hochschulübergreifende Kehrtwende zu OER und Vorlesungsaufzeichnungen der Grundlagenseminare etc. sowie Online-Tools zur Entscheidungsfindung und Selbstverwaltung, um Platz für tatsächliche innovative Projektarbeiten zu schaffen. Reaktiviert jetzt die zahlreichen unter der Oberfläche schlummernden Initiativen und Grüppchen von Hochschulangehörigen, die weiterhin den engen Kontakt (aus der Ferne) pflegen und vor Ideen nur so strotzen - und nutzt ihre Potentiale, um sie zu übertragen! Von den wenigsten ...

#4 -

Klaus Diepold | Di., 29.09.2020 - 22:22
Ich lese den Blog-Eintrag und kann dieser etwas generalisierenden Darstellung nicht zustimmen. In meinem eigenen Umfeld war der Sommer und viel mehr noch der Herbst voller neuer und innovativer Ideen, wie wir zum einen die Lehre für ein weiteres Online-Semester für alle Beteiligten noch interessanter gestalten können.



Vor allem geht es auch darum, Ansätze zu finden die Kommunikation zwischen den Studierenden zu animieren und zu unterstützen. Es gibt neue Ideen wie wir die Forschung gestalten und viele neue Ideen zu Forschungsthemen usw. usw. Von Innovationsstau kann ich nichts sehen.



Die Sondersituation öffnet viele Möglichkeiten und Freiräume um Dinge und Ideen ...

#5 -

Philonous | Mi., 30.09.2020 - 08:34
spätestens seit dem Jahrtausendwechsel wird immer wieder gefordert, dass die Lehrenden digital unterstützte Lehrformate einsetzen, asynchrones Lernen ermöglichen und kompetenzorientiert prüfen. Bis zum Corona Einschlag ist praktisch nichts passiert - abgesehen von der Erprobung verschiedener Abwehr-Reflexe. Corona hat das System Hochschule irritiert - hoffentlich bleibt vieles vom "neuen" Instrumentarium im aktiven Einsatz.

#6 -

Laubeiter | Mi., 30.09.2020 - 17:01
Corona ist global und berührt außer Medizin andere Forschungsfelder. Wenn ich es richtig sehe, dann hat z.B. das Institut für Ethik und KI der TU München gerade vier Projekte zum Umgang mit Daten zu Covid19 für eine Förderung ausgewählt. An der FU Berlin gibt es ein Seminar zu Politischen Einstellungen in Zeiten von Corona. Das sind Schritte, ich hoffe auch, dass viele noch kommen. Wann wurde nach dem Ende des Warschauer Pakts angefangen, die neue Weltlage zu erforschen?

#7 -

Evgeny Bobrov | Mi., 30.09.2020 - 17:32
Es ist eine interessante Frage, ob wir auf eine Innovationslücke zusteuern - ich würde dies auch hinterfragen, dies ist aber sicherlich nicht ausgeschlossen. Wenn es allerdings dazu kommen sollte, dann würde ich hierfür andere Gründe als die genannten vermuten. Ich denke, dass die meisten von uns sich als Menschen nach Austausch und direktem Gespräch - und, allgemeiner Gesprochen, nach der gewohnten Normalität - sehnen, und dass dies als ein Vorwand genommen wird, Online-Meetings und generell Homeoffice nicht auf die gleiche Art zu gestalten wie wir Präsenzarbeit gestalten. Es gibt Online-Formate für informellen Austausch, auch wenn sie sicherlich gewöhnungsbedürftig sind, und ...

#8 -

B.Zulauf | Mi., 30.09.2020 - 21:41
Vielleicht ist Routine ganz gut um all die Veränderungen aus einer guten Perspektive zu bewerten und nachhaltige Strategien abzuleiten. Dieser Tage hört man oft, dass jetzt in kurzer Zeit viele Innovationen möglich waren und sind. Allerdings ist die Rede von Maßnahmen und Möglichkeiten die aufgrund der aktuellen Situation und nicht als ein "willentlicher und gezielter Veränderungsprozess hin zu etwas Erstmaligem, Neuem“ entstanden sind.

Die Routine bietet möglicherweise eine gute Basis für strategische Entscheidungen: Und auf die Innovationen die mit solchen Entscheidungen einhergehen können, bin ich auch gerne noch nach dem nächsten Semester gespannt.

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Das Coronavirus wird wieder älter

Aktuelle Zahlen belegen: Jüngere stecken sich vergleichsweise seltener an, bei den Älteren steigen die Neuinfektionen dagegen mit großer Dynamik.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Batteriefabrik: Bundestags-Haushaltsausschuss rügt BMBF

Auch Unionsabgeordnete stimmen für den Beschluss: Ministerium soll Gesetz einhalten und bis November berichten, wie es künftige Verfahren anders gestalten will.


  • Weniger Junge, mehr Alte

Weniger Junge, mehr Alte

In den Sommermonaten berichtete die Corona-Statistik von einem immer weiter steigenden Anteil infizierter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsene. Jetzt scheint sich der Trend zu ändern. Für Kinder und Familien ein Hoffnungszeichen, angesichts zunehmender Gesamtzahlen aber auch ein Grund zur Sorge.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Europa mit begrenztem Horizont

Europa mit begrenztem Horizont

Kleinkrämerische Haushaltsverhandlungen um "Horizon Europe": Das Bild, das die Europäische Union bietet, die schon seit zehn Jahren Wissenschaftsregion Nummer 1 auf der Welt sein wollte, ist erbärmlich.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Schaut auf die Älteren!

Das RKI registriert doppelt so viele Neuinfektionen wie Mitte August, doch die Corona-Zahlen unter Kindern und Jugendlichen liegen auf demselben Level wie vor sieben Wochen. Das zeigt, wie dramatisch sich die Demographie der Pandemie wieder verändert.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Und nun?

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen ist auf das höchste Tagesniveau seit Beginn der Pandemie gestiegen. Was bedeutet das? Der Versuch einer Einordnung.