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Unsere Sitzungen sind es wert

Seit einem Jahr leitet Kai Gehring den Bundestagsausschuss für Bildung und Forschung. Im Interview spricht er über die Wirkmächtigkeit des Parlaments, Ministerin Stark-Watzinger, angeschobene und aufgeschobene Ampel-Vorhaben  – und dicke Luft im Ausschuss.

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Artikelbild: Unsere Sitzungen sind es wert

Der Essener Kai Gehring, 44, hat Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum studiert und ist seit 2005 grüner Bundestagsabgeordneter. Foto: Mirko Raatz.

Herr Gehring, Mitte Dezember 2021 wurden Sie Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Damals haben versprochen, den Ausschuss agiler und schlagkräftiger machen. Ist Ihnen das Modernisierungsprogramm gelungen?

Die Bundestagsausschüsse sind die Maschinenräume unserer Demokratie. Ihre Arbeit besteht darin, die Meinungsbildung der Abgeordneten zu befördern und die Entscheidungen des Parlaments vorzubereiten. Ich finde, wir sind dynamischer geworden. Wir rufen schneller aktuelle Themen auf, laden die maßgeblichen Experten ein und haben die Frage-Antwort-Technik in den Anhörungen verändert. Zugleich wird die Arbeit unseres Ausschusses öffentlich stärker wahrgenommen als früher.

Bislang wurde die Arbeit von Fachausschüssen in der Öffentlichkeit, wenn überhaupt, so vor allem als schwerfällig wahrgenommen. Die Abläufe folgen strengen Regeln. Wenn Sachverständige eingeladen sind, spulen Abgeordnete nach Fraktionsreihenfolge ihre Fragen runter, die Sachverständigen antworten mit vorgefertigten Statements. Es entsteht kaum einmal ein echter, spontaner Gedankenaustausch.

Darum haben wir ja mit neuen Formaten experimentiert. Zum Beispiel erhält jetzt jeder Berichterstatter die Zeit, fünf Minuten lang die Sachverständigen zu befragen und unmittelbar Antworten zu erhalten. Dadurch werden die Sitzungen lebendiger und direkter. Wir werden das nochmal in Ruhe evaluieren, aber ich glaube, das ist die bessere Variante.

Ihr Ausschuss gehört zu den sogenannten Pionierausschüssen des Bundestages, die künftig komplett öffentlich tagen.

Das war mir sehr wichtig, denn unsere Sitzungen sind es wert. Wir diskutieren mit einer großen Bandbreite an Gästen über die großen Fragen unserer Zeit, die allesamt wichtige Bezüge zu Bildung und Forschung haben. Als der Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, hatten wir in einer Sitzung das Bundesforschungsministerium und das Auswärtige Amt sowie DAAD und Alexander-von-Humboldt-Stiftung zu Gast. Mit Forschenden haben wir über die Energiesouveränität gesprochen. Wir haben über den Schutzschirm für das Wissenschaftssystem diskutiert und über die Soforthilfe für die Studierenden. Und dass wir Vertreter der Bundesschülerkonferenz zu Gast hatten, war ...

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Kommentare

#1 -

Schweizer | Mo., 19.12.2022 - 16:17
Die Erkenntnis, daß man sich bei SPRIND hätte an erfolgreichen internationalen Vorbildern orientieren sollen, ist richtig. Sie kommt vier Jahre nach der Gründung, also für deutsche Verhältnisse speditiv.



SPRIND wurde viel zu provinziell aufgesetzt. Schon das Auswahlkomitee war rein deutsch, mit auffälliger Nähe zur damals das BMBF führenden Partei. Dann nahm man auch noch jemanden aus den eigenen Reihen als Gründungsgeschäftsführer. Ohne Erfahrung mit missionsgetriebener, aber zugleich grundlagenforschungsbasierter Innovation. Die Briten haben unterdessen gezeigt, wie man es besser macht: Die haben sich Leute mit DARPA-Erfahrung geholt.



Fraglich ist, ob sich SPRIND überhaupt noch retten läßt. Denn der fehlbesetzte GF hat ...

#2 -

Josef | Di., 20.12.2022 - 09:59
" dafür gesorgt, dass das gesamte Thema der Entlastungen für Studierende [...] in der Energiekrise früh auf die Agenda kam. Dadurch haben wir mehr herausholen können."
- Das muss sich für Studierende, die immer noch auf die sowieso sehr überschaubaren 200 Euro-Energiepauschale warten, doch etwas höhnisch lesen...

#3 -

naja | Mi., 21.12.2022 - 13:50
Gut geführtes Interview. Herr Gehring ist leider kein Gewinn für Wissenschaft und Bildung in D. Das wird immer deutlicher.



Das ''Problem Gehring'' wird in voller Schärfe auch deutlich durch die Äußerung '' ... Und wenn jemand behauptet, es gebe nur zwei Geschlechter, obwohl wissenschaftlich erwiesen ist, dass das nicht stimmt, ...'' Die Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard hat in der EMMA Ende August genau zu diesem schon oft von Herrn Lehmann vorgetragenen Unsinn wörtlich gesagt ''Das ist unwissenschaftlich! Da hat Herr Lehmann vielleicht den Grundkurs in Biologie verpasst.'' Schlimm genug, dass man Nobelpreisträger benötigt, um solchem Unfug entgegenzutreten. Herr Lehmann ist halt ...

#4 -

oh je | So., 25.12.2022 - 17:23
darf das wahr sein, dass die Äußerung "Wenn jemand behauptet, es gebe nur zwei Geschlechter, obwohl wissenschaftlich erwiesen ist, dass das nicht stimmt, ...'' unwidersprochen bleibt in diesem Interview? Was kommt als Nächstes'' Dass die Erde eine Scheibe ist? Freundliche Grüße aus der Wissenschaft.

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