Die Frage richtig stellen, die Antwort nicht mehr scheuen
Wissenschaft hat ein Problem mit #MeToo und Machtmissbrauch. Schon die Feststellung ist nicht selbstverständlich. Aber was folgt aus ihr für Hochschulen und Forschungseinrichtungen?
HAT DIE WISSENSCHAFT ein #MeeToo-Problem, fragt der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Genauso gut kann man fragen: Hat die Wissenschaft ein Problem mit Machtmissbrauch? Doch sind beide Fragen falsch gestellt. Die richtige Frage lautet: Wie groß sind diese Probleme?
Verwunderlich an dieser Feststellung ist zunächst einmal gar nichts. Wo viele Menschen zusammenkommen und sich in Hierarchien und gegenseitigen Abhängigkeiten bewegen, wo es um Reputation geht und Geld und Karrierechancen, wachsen die Gelegenheiten so schnell wie die Versuchungen. Tatsächlich gibt es sogar wenige gesellschaftliche Systeme, in denen so viel Hierarchie auf so viel Abhängigkeit trifft und auf so wenig gesicherte Berufsaussichten.
Verwunderlich ist insofern vor allem, dass es immer noch Leute gibt in der Wissenschaft, die so tun, als seien Hochschule oder Forschungsinstitute ethisch gesehen besondere Orte, durch das hehre Streben nach Aufklärung und Erkenntnis irgendwie gewappnet gegen die Auswüchse menschlichen Fehlverhaltens. Die Wahrheit ist freilich: Wer sich – und sei es aus einer emphatisch-schwärmerischen Überhöhung der Wissenschaft – gegen das Eingeständnis einer systematischen Schieflage in der Wissenschaft wehrt, ...
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Kommentare
#1 - Vielen herzlichen Dank für diesen wirklich wichtigen…
Und vielleicht noch als ergänzender Hinweis für die geneigte Leser*innenschaft ein Verweis auf die "Vignetten-Sammlung" der AG Macht und Gender in der Wissenschaft, die recht niedrigschwellig einen (eher grauenhaften) Einblick in die Facetten von Machtmissbrauch in der Wissenschaft bietet: https://gender-macht-wissenschaft.de/
#2 - Macht hat auch, wer über die Verlängerungen von…
#3 - Eine Sammlung von Fallbeispielen gibt es auch auf der…
#4 - Herzlichen Dank für diesen engagierten und (leider) so…
Es gibt so viele Passagen, die sich zu zitieren lohnten, aber am wichtigsten für mich persönlich ist folgendes "Und wer jetzt entgegnet, das sei doch nicht der Normalfall, es laufe an so vielen Stellen besser und anders, der hat Recht und doch den Kern des Problems nicht verstanden."
Diejenigen, die mit einer solchen Haltung, das Thema Machtmissbrauch klein halten, tragen so zur Stabilisierung der Machtmissbrauch begünstigenden Strukturen und Kultur bei. Es ist höchste Zeit, die Augen zu öffnen und Strukturen wie Kultur in der Wissenschaft zu ändern!
#5 - Der Elefant im Raum ist doch, dass MeToo in grossen,…
#6 - Siehe den aktuellen Falls aus Lund. Dort wird zum 1.1.2023…
Dem Journalismus ist insofern vorzuwerfen, dass sie die Taeter schuetzen. Nur Nature war bisher mutig genug, die Professoren zu namentlich zu nennen.
https://www.nature.com/articles/d41586-021-01621-8
Quelle: https://www.dn.se/sverige/konflikten-som-knackte-en-hel-institution/
#7 - Der Muff von 1000 Jahren, um hier ein geflügeltes Wort zu…
#8 - Für mich sind die Kernsätze:"Deshalb braucht es zum…
"Deshalb braucht es zum anderen das ehrliche und mutige Commitment in den Führungsetagen der Wissenschaft: zur Regulierung der Promotionsbetreuung durch die Bestimmung einer Höchstzahl pro Professor betreuter Doktoranden. Zur vollständigen Entflechtung von Betreuung und Begutachtung der Qualifikationsarbeiten. Zur Einrichtung von deutlich mehr Dauerstellen unterhalb der Professur, die keineswegs finanziell unmöglich sind, wenn geeignete fakultäts- oder sogar hochschulweiten Modelle eingeführt werden."
Zum im Vergleich zu anderen Ländern extrem hohen Befristungsanteil und zur Unberechenbarkeit der Karrierewege, die die erwähnte Abhängigkeit bedingt, ist eigentlich längst alles gesagt und hier sind hoffentlich Verbesserungen mit dem neuen WissZeitVG auf dem ...
#9 - So wie den Doktorandinnen im Spiegel-Artikel ergeht es nach…
#10 - 1) Wer die Persönlichkeitsrechte eines von einem…
2) Offenbar weiß niemand, in welchem Stadium sich das Disziplinarverfahren derzeit befindet. Dass es nach drei Jahren mit einer bestandskräftigen Entscheidung geendet hat (= nach Ausschöpfen aller Rechtsmittel des Betroffenen), wäre auch außerhalb der Pandemie ganz unwahrscheinlich gewesen, um so mehr ist es dies unter den Bedingungen der letzten drei Jahre. Worin genau besteht also der Vorwurf gegen die Universität?
3) Wenn die Vorwürfe stimmen, ist der ...
#11 - Danke hierfür! Jedes Wort sitzt. Den wertschätzenden…
Sie schreiben über die (dt.) Wissenschaft: "Tatsächlich gibt es sogar wenige gesellschaftliche Systeme, in denen so viel Hierarchie auf so viel Abhängigkeit trifft und auf so wenig gesicherte Berufsaussichten." Ein anderes, das mir hier noch einfällt, ist die Theaterwelt. Und auch aus der kenne ich anekdotisch schlimme Geschichten, die niemals aufgearbeitet werden.
#12 - @St. Ivo: Die Universität hat nach Einschaltung des…
Wenn z.B. zwischen dem Schreiben an den Rektor und einer Antwort vom Rektor vier Monate vergehen, dann wurde offensichtlich der Beschleunigungsgrundsatz und damit auch das Legalitätsprinzip missachtet: Disziplinarische Ermittlungen sind anderen Amtsgeschäften vorrangig, gerade weil sie so belastend für alle Beteiligten sind. Die Vorwürfe sind wegen der Vielzahl von Einzelhandlungen ausreichend für eine Disziplinarklage, so dass der Sachverhalt nicht von der Universität vollständig ausermittelt werden muss, weil die Tatsachenfeststellung ...
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