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Alte Denkmuster, falsche Narrative

Die Reaktionen von Wissenschaft und Politik auf die Pisa-Ergebnisse zeigten eine problematische Engführung der Bildungsdebatte. Für eine wirkliche Verbesserung müssen wir uns zunächst wieder an die eigentlich entscheidenden Fragen herantrauen. Ein Gastbeitrag von Kai Maaz, Sabine Reh und Tilman Drope.

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Artikelbild: Alte Denkmuster, falsche Narrative

Foto: Katerina Holmes / Pexels.

DIE VIELEN ÖFFENTLICHEN REAKTIONEN auf die aktuelle PISA-Studie und die dort diagnostizierte nur mittelmäßige Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungswesens bringen wenig Neues. Sie lassen dominante, alte Denkmuster unangetastet, bildungspolitische Zielkonflikte bleiben ausgeblendet. Der Zustand der Schule wird nicht als Ausdruck vielfältiger gesellschaftlicher Problemlagen verstanden, vielmehr wird in der Hauptsache ihr die Schuld am konstatierten Elend gegeben. Gleichzeitig wird weiter die Hoffnung gehegt, die Schule werde, richtig gesteuert, gesellschaftliche Probleme heilen. Dass sie an einem solchen Anspruch nur scheitern kann, könnte man wissen. Denn dafür müssten alle Akteure sich endlich ehrlich den alten Denkmustern stellen und den mit ihnen verbundenen Narrativen, Gefühlen und Zielkonflikten.

Da ist zunächst die Enttäuschung der Bildungsforscher und -forscherinnen darüber, dass die Bildungspolitik nicht einfach tut, was die Bildungsforschung besser weiß. So kritisieren manche, dass Programme zur Verbesserung insbesondere des Mathematikunterrichts nicht dauerhaft installiert worden seien. Selbstverständlich wird niemand etwas gegen besseren Mathematikunterricht sagen wollen. Wenn aber eine solche Kritik mit der Diskreditierung anderer Maßnahmen, etwa denen zur Schulsanierung und Schulsozialarbeit im Rahmen des angekündigten "Startchancenprogramm", verbunden ...

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Kommentare

#1 -

JF | Do., 28.12.2023 - 18:08
Danke für den wertvollen Beitrag, der aber selbst für einen Akademiker schwer verständlich ist. Vielleicht handelt es sich bei ihm zwar nicht um die "Perpetuierung falscher Narrative" (sic!). Er ist aber vielleicht für folgendes ein Sinnbild: Wissenschaftler*innen in Deutschland müssen besser kommunizieren lernen, damit ihre Erkenntnisse auch in den Schulen ankommen!

#2 -

Katja Knuth-Herzig | Fr., 29.12.2023 - 11:04
Ich kann mich dem ersten Kommentar nur anschließen. Der Beitrag hat so viele wichtige Dinge zu sagen, dass es sehr schade ist, wenn diese in der unnötig komplizierten Sprache untergehen. Möglicherweise liegt hier ein Schlüssel, wie die Bildungsforchung künftig noch mehr Gehör finden kann: Kompetenzaufbau im Bereich Wissenschaftskommunikation.

#3 -

TS | Fr., 29.12.2023 - 12:59
Angeregt von JFs Kommentar versuche ich einmal, diesen Beitrag in Leichte Sprache zu übersetzen:

Schulen in Deutschland haben Probleme.
Es sind jedoch nicht die, von denen man immer hört.
Das Problem ist nämlich unsere Wirtschaft. Sie heißt „Kapitalismus“.
Im Kapitalismus haben manche mehr, manche weniger. Das ist schlecht.
Deshalb lernen in Schulen auch manche mehr, manche weniger.
Deshalb muss der Kapitalismus weg. Dann ist alles gut.

#4 -

SP | Sa., 30.12.2023 - 18:01
Ja, wenn der Inhalt dieses Beitrags auch bei der Bevölkerung, bei Eltern ankommen soll, dann sollte dieser auch noch in "einfache Sprache" übersetzt werden, damit man ihn in der Breite verteilen kann. :-) Danke.

#5 -

Geplagte Eltern | Di., 02.01.2024 - 13:04
Im Text wird viel über evidenzbasierte Ansätze gesprochen, aber mein Eindruck bleibt, dass es sich bei den sogenannten evidenzbasierten, pädagogischen Empfehlungen eher um "Eminenz-basierte" handelt [obwohl Expertenmeinungen immer noch als Evidenzgrad 5 gelten und somit auch als evidenzbasiert betrachtet werden können ;-) ].



Für pädagogische Ideen, wie zum Beispiel "Schreiben nach Gehör" oder die Abschaffung des Gymnasiums, würde ich mir ähnliche Anforderungen wünschen, wie sie bei klinischen Studien gelten:



- Die Teilnahme sollte freiwillig sein.

- Es sollte eine Informationspflicht geben, zum Beispiel darüber, dass man an einer Studie teilnimmt.

- Im Vorfeld sollte ein festes Studienprotokoll mit definierten Endpunkten ...

#6 -

Django | Mi., 03.01.2024 - 13:48
Vielleicht würde es auch helfen, sich gesamtgesellschaftlich darauf zu einigen, was das Ziel des Systems Schule denn sein soll. Und was man bereit ist, dafür an Geld aufzuwenden.

#7 -

Ralf Meyer | Mi., 10.01.2024 - 14:57
In den letzten 20 Jahren haben sich die Fähigkeiten der Schüler*innen, gemessen z.B. in Pisa-Tests, ja schon erheblich geändert. Erst wurden die Leistungen einige Jahre besser, dann seit einigen Jahren wieder schlechter. Ich vermute, dass das mehr durch Änderungen im Schulunterricht verursacht wurde und nicht durch die Änderungen der Gesellschaft als Ganzes. Insofern bin ich auch optimistischer, dass man durch Verbesserungen der Schule die Leistungen der Kinder verbessern kann und nicht auf gesellschaftliche Veränderungen warten muss.

#8 -

Jörg Schlömerkemper | Do., 18.01.2024 - 13:03
"Die Schule" kann nicht "ganz anders" sein als ihr soziales und kulturelles Umfeld. Die Erwartungen sind aber vielfältig und werden in den vertrauten Formen des Lehrens und Lernens einigermaßen "bedient". Reformen seit den 1960er Jahren haben daran manches, aber nicht alles ändern können.

Ein Grundproblem ist immer noch die übliche Organisation des Lernens: Eine Lerngruppe wird darüber "unterrichtet", was in der nächsten Klausur drankommt, und dann wird vergleichend sortiert, wie erfolgreich gelernt wurde (und dann kann man das auch wieder vergessen). Sinnvoller und effektiver wäre es, wenn jede/jeder ein persönliches Profil des Könnens erarbeitet und seine Fähigkeiten verlässlich und verantwortlich ...

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