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Die Reform wirkt noch

Studierende brauchen wieder etwas länger bis zum Abschluss. Trotzdem bleiben durchschnittliche Studiendauer und Alter der Hochschulabsolventen meilenweit unterhalb der Vor-Bologna-Zeiten.

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Artikelbild: Die Reform wirkt noch

Hörsaal der Universität Heidelberg . Foto: Tyr-asd, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons.

WAS WAR DAS für eine Aufregung vor 15, 20 Jahren, als in Deutschland ein Diplom- und Magister-Studiengang nach dem anderen durch Bachelor und Master abgelöst wurde. Schmalspur! Verschulung! Ökonomisierung! Ein bisschen narzisstische Kränkung dürfte hier und da auch dabei gewesen sein, schließlich gab die Bundesrepublik mit dem Übergang zu den international gängigen gestuften Abschlüssen einen mitteleuropäischen Sonderweg auf.

Tatsächlich war der Wandel weitreichend: Bis zur sogenannten Bologna-Reform war es vor allem in den Geisteswissenschaften üblich, den Studenten im Namen der wissenschaftlichen Freiheit kaum Vorschriften bei der Gestaltung ihres Studiums zu machen und sie im Extremfall bis zum Examen mit abschlussrelevanten Prüfungen zu verschonen. Während die Bachelor- und Masterprogramme häufig sehr detaillierte Curricula haben und es von Anfang an Kreditpunkte und Bewertungen gibt, die sich auf die Abschlussnote auswirken.

Die Aufregung von damals, statt Inhalten und Reflexion gehe es jetzt um die stupide Jagd nach Credits, liegt den meisten Studierenden von heute fern. Sie kennen es halt nicht anders, mögen manche Altvordere ...

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Kommentare

#1 -

René Krempkow | Mo., 08.04.2024 - 13:53
Danke für diesen wieder einmal wohltuend sachlichen Beitrag, der sich positiv abhebt von z.T. immer noch anzutreffenden Bologna-Bashings - oder als gegenteiliges Extrem - Studienverkürzungsfanatismen!

Ergänzend zu den genannten Fakten möchte ich darauf hinweisen, dass es neben den zitierten Studiendauer-Statistiken auch ein paar Analysen zu Einflussfaktoren auf die Studiendauer gibt, die mit Daten von über 22 000 befragten Bachelorabsolvent*innen erfolgten und als bundesweit repräsentativ gelten können.



Diese Analysen können z.B. empirisch belegen, wie sehr ein De-Facto-Teilzeitstudium - das oft wie oben erwähnt zur Finanzierung des Studiums notwendig und weit über wenigen offiziellen Teilzeitmöglichkeiten hinaus verbreitet ist - Effekte auf die ...

#2 -

McFischer | Mo., 08.04.2024 - 14:26
Nicht vergessen werden sollte, über die messbaren Kennzahlen hinaus, der Schub für die Anerkennung von Lehren und Lernen an den Universitäten (bei FHs eh schon früher). Vor 20-30 Jahren war es an den Unis, insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften, den entsprechenden Lehrenden, Dekanaten etc. leidlich egal, wie ein Studiengang eigentlich auszusehen hatte, was Studierende mit dem Abschluss können sollten (die dann sog. "Intended Learning Outcomes"), ob es hinterher Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt gibt usw.

Hier ging es darum, dass die Hochschule auch Verantwortung für Studium und Studierende übernimmt. Dass überhaupt jemand sich für zuständig erklärt, was wie gelehrt und ...

#3 -

Hanna | Di., 09.04.2024 - 22:47
Vielem stimme ich zu. Jedoch:

Heute kann man als Student meist nur den komplett vorstrukturierten Studiengang aussuchen, früher konnte man in einem gewissen Umfang Lehrveranstaltungen aus dem gesamten Lehrangebot der Universität wählen. Wer Philosophie studierte, konnte nach Interesse ein mathematisches Seminar zu Gödels Unvollständigkeitssatz oder ein Biologieseminar zur Tierkognition belegen.

Die heutige Universität bildet vor allem für den Arbeitsmarkt aus. Was ausstirbt, sind die Freigeister und die Universalbildung. Auch die hätte unsere Gesellschaft dringend nötig, da sich aus den inter-transdisziplinären Schnittstellen Innovation ergibt. Die heutigen Unis befördern aber eher das vorstrukturierte und dadurch auch in gewisser Weise bevormundende Silo-Denken. Die ...

#4 -

Aus einer Berl… | Mi., 10.04.2024 - 00:25
@Hanna: Das stimmt so nicht (überall). Laut BerlHG z.B. müssen "individuelle Gestaltungsmöglichkeiten des Studiums und frei zu wählende Studienanteile auch zu überfachlichem Kompetenzerwerb für Studierende in der Regel zu einem Viertel, mindestens aber zu einem Fünftel berücksichtigt werden,"



Also sind in jedem Bachelor ca. 45LP wahlfrei. Verglichen mit dem alten Vordiplom eines MINT Studiengangs, in dem alles vorgeschrieben war, hat sich da nicht viel verändert. Was tatsächlich leider weggefallen ist, ist das Nebenfach (worüber 95% aller Studierenden, die ich je gefragt habe, sehr glücklich waren).

#5 -

McFischer | Mi., 10.04.2024 - 18:37
@Hanna (ebenfalls): Bei allem Verständnis für einen Wunsch, dass ein Studium ein Lebensabschnitt mit Freiheiten in der Bildung ist - die Argumente hier sind mir zu flach.

"Die Studierenden werden heute wie Schüler:innen behandelt, die das Curriculum durchlaufen müssen, aber das eigene Bildungsprogramm kaum mitbestimmen können." Solche und andere Aussagen stimmen überhaupt nicht. (1.) Gelten und galten solche Ideale immer schon für nur ganz bestimmte Disziplinen. Eine Medizinerin, ein Agrarwissenschaftler, eine Biochemikerin, ein BWLer usw haben auch prä-Bologna immer schon ein weitgehend strukturiertes Curriculum gehabt. (2.) Es steht auch jedem*r Studierenden heute frei, eine Vorlesung aus einer anderen Disziplin zu ...

#6 -

aus einer Hoch… | Fr., 12.04.2024 - 12:21
Mit der Einführung von BA und MA haben wir eigentlich ein Berufsbildungssystem eingeführt, in einem Land, das ein sehr gut ausgebautes Berufsbildungssystem hat. Diese beiden Systeme müssen nun irgendwie ihren Platz finden und sich neu orientieren. Die Zahl der Studierenden ist meiner Meinung nach zu hoch, der Fokus auf die Senkung der Abbrecherquoten auch. Der ökonomische Faktor, der hinter der Rekrutierung von Studierenden und der Einhaltung der Regelstudienzeit steht, ist zu groß geworden.



Die Folge: Viele Studierende, denen es guttäte, nach der Schule erst einmal etwas anderes zu machen, eine Ausbildung als "soziales Jahr" zu absolvieren und nicht (bewusst oder ...

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