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Langer Abschied, jetzt ganz schnell

Seit einem Jahr bröckelte die deutsche "X"-Wissenschaftscommunity vor sich hin. Doch jetzt geht es Schlag auf Schlag: Unzählige Hochschulen und Forschungsinstitute verlassen die Plattform. Mit dem am Dienstag verkündeten Weggang der DFG dürfte die Entwicklung unumkehrbar sein.

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Artikelbild: Langer Abschied, jetzt ganz schnell

Bild: Niek Verlaan / Pixabay.

ES IST ZIEMLICH GENAU EIN JAHR HER, dass eine Reihe einflussreicher Stiftungen in einer konzertierten Aktion ihren Rückzug von "X", dem früheren Twitter, verkündeten. "Wir treten ein für eine demokratische Gesellschaft, für Menschenwürde, faktenbasierte Information und konstruktiven Dialog. Da dies aus unserer Sicht hier nicht mehr möglich ist, werden wir unseren Account bis auf weiteres stilllegen." So lautete etwa der bis heute letzte Post der Volkswagen-Stiftung, Deutschlands größtem privaten Forschungsförderer.

Weitere Stiftungen, Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen folgten, doch der große Rückzug blieb Anfang Februar 2024 aus. Womöglich dachten doch viele Akteure wie ich, der in einem Blogbeitrag unter der Überschrift " Zeit zum Kämpfen, nicht zum Weichen " schrieb: "So frustrierend die Kommunikation auf 'X' mitunter geworden ist und so nachvollziehbar die Erschöpfung angesichts des ätzenden Trommelfeuers menschlicher und maschineller Hassproduzenten, so wichtig ist es, die institutionellen Stimmen von Aufklärung und Wissenschaft gerade dort nicht verstummen zu lassen, wo sie am stärksten bekämpft ...

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Kommentare

#1 -

Dominik Waßenhoven | Di., 14.01.2025 - 16:46
Ein weiterer wichtiger Grund gerade für Institutionen, den Account auf X nicht zu löschen, sondern ihn nur stillzulegen, ist, dass jemand den (dann freien) Account übernehmen könnte. Man verliert also nicht nur die alten Posts und Threads, wenn man seinen Account vollständig löscht, sondern läuft auch Gefahr, dass unter dem eigenen Namen Desinformation verbreitet wird.

#3 -

Daniel Kleskowski | Mi., 15.01.2025 - 10:41
So erfreulich der Weggang wissenschaftliche Institutionen und WissenschaftlerInnen von X auch ist: es ist fragwürdig, ob Threads oder Bluesky mit ihren zweifelhaften bis zwielichtigen Eigentümerstrukturen eine dauerhafte Alternative sein kann oder sollte.

Mit Mastodon im föderierten Fediverse steht eine ernstzunehmende Social-Media-Alternative bereit, die durch die dezentrale Struktur nicht dem Willen einzelner mächtiger Player unterworfen ist und daher eher dem pluralistischen Weltbild der Wissenschaft entspricht.

#4 -

emob | Mi., 15.01.2025 - 13:51
Ehrlich gesagt finde ich den Schritt jetzt wenig beeindruckend. Gerade wenn man bedenkt wie wenig bei den meisten institutionellen Kanälen an Reichweite verloren geht. Die Reichweite und das Interesse, das institutionelle Accounts dort erreichen ist winzig, auch wenn sich Hochschulleitungen dort gerne mal Wunderdinge erhoffen.
Vor zwei Jahren wäre es ein Zeichen gewesen, nun ist das Kind schon lange in den Brunnen gefallen.

#6 -

Michael Felten | Di., 21.01.2025 - 00:25
Die pädagogische und bildungstheoretische Debatte ist durch den Weggang zahlreicher potenter Einzelakteure (nicht Institutionen) zwar verarmt. Flammt aber m.W. andernorts auch nur bedingt wieder auf. Vielleicht muss man vorerst zweigleisig fahren. Ich denke, dass jede Plattform "Lichter der Aufklärung" gut gebrauchen kann. Von daher freut mich Ihr Verbleib auf X. Und auch diese nachdenkliche Selbstbehauptung.

#7 -

emob | Mi., 29.01.2025 - 11:42
Darüber werden wir vermutlich nicht einig, aber ich halte das für Augenwischerei, letztlich ist das Anschreien verschiedener Parteien auf Sozialen Medien alles Engagement und damit Umsatz. Man finanziert also damit die Leute, die an den Reglern sitzen, welche Inhalte gepusht werden. Den Propagandainhalte verleihen die "Lichter der Aufklärung" nur das Feigenblatt der Rationalität und Legitimität.

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