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Ein Land und sein Lieblingsabschluss

Die Deutschen lieben das Abitur – vor allem die, die keines haben. Eine neue Umfrage zeigt, wie widersprüchlich das Verhältnis zum höchsten Schulabschluss ist.
Vater und Junge sitzen am Kuechentisch und machen zusammen Schulaufgaben.

Welche Rolle sollte der Elternwille beim Schulwechsel spielen? Foto: freepik.

DIE GRÖßTEN FANS hat das Abitur bei denen, die es nicht gemacht haben. In einer Forsa-Umfrage antworteten 75 Prozent der Teilnehmer mit Hauptschulabschluss: "Die bestandene Abiturprüfung soll weiterhin die entscheidende Voraussetzung für die Aufnahme eines Hochschulstudiums sein." Von den Befragten mit mittlerem Schulabschluss sagten dies nur 65 Prozent, von denen mit Abitur 69 Prozent.

Doch das war nicht das Ergebnis, das der Auftraggeber der repräsentativen Umfrage, der Deutsche Philologenverband (DPhV), in den Vordergrund rückte. Und auch nicht, dass bundesweit immerhin 29 Prozent dafür plädierten, der Abiturprüfung ihre zentrale Rolle als entscheidende Voraussetzung für ein Hochschulstudium zu nehmen – in den westdeutschen Bundesländern sogar 31 Prozent.

Der Philologenverband verkündete stattdessen, die Ergebnisse bestätigten "den oft infrage gestellten Leistungsgedanken des Gymnasiums: Die Mehrheit der Befragten befürwortet, dass nicht allein der Elternwille ausschlaggebend beim Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule sein sollte – hier solle vor allem die Leistung der Kinder zählen".

Eine durchaus mutige Interpretation freilich der tatsächlichen Fragestellung. Die lautete: ...

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Kommentare

#1 -

Jakob Wassink | Fr., 31.10.2025 - 16:14

Lieber Herr Wiarda, 

der Rechtsrahmen für den Zugang von Personen, die kein Abitur respektive keine Fachhochschulreife, aber eine Berufsausbildung und Berufserfahrung aufweisen ist in allen Bundesländern eröffnet! Alle Hochschulen sind zur Aufnahme dieser Bewerberinnen und Bewerber verpflichtet. In Zeiten sinkender Studierendenzahlen freuen sich die meisten Hochschulen auch über Bewerberinnen und Bewerber ohne Abitur/Fachhochschulreife. Ich kann mir die Zurückhaltung nur mit der nach wie vor guten volkswirtschaftlichen Lage sowie den vielfältigen Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten nach der betrieblichen Ausbildung erklären. 

#1.1 -

jmwiarda Fr., 31.10.2025 - 22:01

Antwort auf von Jakob Wassink (nicht überprüft)

Lieber Herr Wassink,

die Rechtslage ist mir bewusst. Deshalb auch der Hinweis, dass 4 von 5 Erwachsenen in Deutschland studieren dürfen theoretisch. Trotzdem ist der Hochschulzugang faktisch nicht offen genug, sonst wären die Zahlen längst andere. Es handelt sich meines Erachtens um ein Bekanntheits-, ein Bürokratie– und ein kulturelles Problem. Aber das wäre Gegenstand eines eigenen Artikels. Ihre Einschätzung teile ich allerdings nicht: Die Universitäten tun zu wenig, gerade in Sachen Teilzeitstudiengänge und berufsbegleitende Angebote, und viele beruflich Qualifzierte wissen einfach nicht genug von den Möglichkeiten. 



Zwei ältere Artikel von mir zum Thema:

https://www.jmwiarda.de/2022/03/14/bildungspolitische-ignoranz

https://www.jmwiarda.de/2022/10/28/der-wettbewerb-dem-sich-die-hochschulen-jetzt-stellen-muessen/

Beste Grüße

Ihr Jan-Martin Wiarda

#1.2 -

Wolfgang Kühnel | Mo., 03.11.2025 - 10:36

Antwort auf von Jakob Wassink (nicht überprüft)

Zur Ernüchterung von dem Rausch der massenhaften Hochschul-Examina schlage ich mal das Erstellen einer ungewöhnlichen Statistik vor: Wie viele der Hochschulabsoventen der letzten (zum Beispiel: 10) Jahre haben nicht nur einen dauerhaften Job (sind also nicht arbeitslos), sondern haben einen dauerhaften Job in einem Beruf, der direkt mit ihrem Studienfach und ihrem Examen konform geht? Und wie viele werden nicht nur als Werkstudenten, sondern auch nach ihrem Examen zum offiziellen Mindestlohn beschäftigt oder nur knapp darüber? Es sieht nämlich so aus, als hätten Hochschulabsolventen wachsende Probleme, einen Job zu finden, der ihrer Qualifikation inhaltlich entspricht. In der Presse ist das ...

#1.2.1 -

McFischer | Mo., 03.11.2025 - 13:44

Antwort auf von Wolfgang Kühnel (nicht überprüft)

Lieber Herr Kühnel,

Ihre Frage und Ihr Thema sind berechtigt - aber doch zu einfach:

"Wie viele der Hochschulabsoventen der letzten (zum Beispiel: 10) Jahre haben nicht nur einen dauerhaften Job (sind also nicht arbeitslos), sondern haben einen dauerhaften Job in einem Beruf, der direkt mit ihrem Studienfach und ihrem Examen konform geht?"

Mit ganz wenigen Ausnahmen - zB Staatexamen Jura, Medizin, Pharmazie - gibt es diese "Konformität" eh nicht. Dies geht von den geisteswissenschaftlichen Studiengängen und -abschlüssen (was wäre ein "konformer" Beruf für einen Historiker M.A.?) über die Wiwis (ist eine Selbständigkeit als... zB Eventmanager konform mit einem Bachelor ...

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