"Stricken ohne Wolle"
Eine neue Folge von "Wiarda wundert sich", diesmal mit Susanne Lin-Klitzing vom Philologenverband. Ein Gespräch über Lehrkräftebildung als Demokratiefrage, das Beamtentum als "Infrastruktur der Schulpflicht" – und die heilige Kuh Gymnasium.

Foto Susanne Lin-Klitzing: DPhV/Amin Akhtar.
SUSANNE LIN-KLITZING ist Gymnasiallehrerin, beurlaubte Professorin für Schulpädagogik – und seit 2017 Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands. Im Gespräch mit Jan-Martin Wiarda fällt ihr Kernsatz früh: Wenn es um die Lehrkräftebildung gehe, sei viel von Werten, Diversität und Demokratie die Rede. Aber solange die konkrete Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz nicht verbindlich im Studium festgeschrieben werde, sei das "Stricken ohne Wolle". Lin-Klitzing erklärt, warum angehende Lehrkräfte Artikel 1, 3 und 7 nicht nur kennen, sondern in Fallbeispielen durchbuchstabieren sollten: Was heißt das im Schulalltag – erst recht, wenn der politische Druck von rechts wächst?
Ein freundliches-direktes und zugleich scharfes Pingpong zwischen Interviewer und Interviewter gibt es auch beim Thema Beamtentum. Konfrontiert mit Fragen nach Kosten, Pensionslasten und dem Interessen der Öffentlichkeit, verteidigt Lin-Klitzing den Beamtenstatus nicht als Privileg, sondern als Funktionsbedingung eines Systems mit Schulpflicht und staatlicher Aufsicht – inklusive Streikverbot.
Der Gesprächsbogen spannt sich vom Rückblick auf die Corona-Zeit und die Rolle der Lehrerverbände über die Rolle von Kita und vorschulischer Förderung ...
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Kommentare
#1 - Tradition und Transformation
Vielen Dank für das interessante Gespräch, ich habe es bis zum Ende mit Interesse angehört! Als erfahrene Lehrerbildnerin und Bildungsforscherin sind die behandelten Themen mir vertraut und ich freue mich an den relevanten und klugen systembezogenen Themen. Bemerkenswert finde ich, dass Frau Lin-Klitzing auf Fragen, die sich mehr oder weniger direkt auf die Implikationen der großen Transformationsprozesse beziehen, auf die Bildung nunmal re-agieren und pro-agieren muss - Stichwort Schulentwicklung - sehr häufig aus und mit einem Traditionsverständnis geantwortet und argumentiert hat! In meinem Verständnis ist eine solche Logik weder gegenwartserklärend noch prospektiv lösungsorientiert; er ist mE sogar kontraindiziert, wenn es ...
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