"Sind wir eigentlich bekloppt?"
Silke Müller war 16 Jahre lang Schulleiterin, schreibt jetzt Bestseller und zieht bei "Wiarda wundert sich" ein schonungsloses Fazit: Warum sie das Bildungssystem für strukturell überfordert hält und kleine Reformen für Zeitverschwendung.

Foto Silke Müller: Sebastian Heun.
SILKE MÜLLER liebt Schule – und hält das System zugleich für grundlegend falsch konstruiert. 2024 hat die langjährige Schulleiterin der Waldschule ihrem Job den Rücken gekehrt. Nicht, weil sie das Lehrerinnensein satt hatte, wie sie sagt, sondern weil sie ihren Kampf für digitale Ethik, für Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche Transformation anders habe führen wollen: als Publizistin, als Keynote-Speakerin – und als Bestsellerautorin.
Müllers neues Buch heißt "Schule gegen Kinder". Der Titel sei schon zugespitzt, räumt sie im Gespräch mit Jan-Martin Wiarda ein, aber nur mit Alarmismus komme man noch weiter. Ihre Kritik ist so weitreichend wie umfassend: von der frühen Sortierung der Kinder nach der vierten Klasse über eine Reformpolitik, die sich in "Reförmchen" erschöpft, bis hin zu einem Bildungssystem, in dem Innovation oft nur gegen Widerstände und auf eigene Überlastung hin möglich sei. Erfolgreiche Einzelschulen – ihre eigene Schule wurde mehrfach als digitaler Vorreiter prämiert – seien deshalb eher Ausnahmen und kein Beleg dafür, dass das Gefüge funktioniere.
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