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Wer hier spart, verliert Einfluss

Das BMZ will internationalen Hochschulkooperationen beenden und gefährdet damit Netzwerke, Vertrauen und die deutsche Außenwissenschaftspolitik. Ein Gastbeitrag von Claudia Roth und Ayşe Asar.
Collage aus Portraitfotos von Ayşe Asar und Claudia Roth vor blassblauem Hintergrund.

Claudia Roth war zuletzt Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und ist seit 2025 entwicklungspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion. Ayşe Asar, zuvor Staatssekretärin für Wissenschaft in Hessen, ist deren wissenschaftspolitische Sprecherin. Foto Asar: Ayşe Asar. Foto Roth: Nils Leon Brauer.

WÄHREND KRIEGE, Konflikte, Aufrüstung und Machtkonkurrenz zunehmen, will das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ausgerechnet bei einer der klügsten Formen internationaler Zusammenarbeit sparen: den Hochschulkooperationen. Im Gespräch mit deutschen Hochschulen wird schnell deutlich, was auf dem Spiel steht: internationale Partnerschaften, gemeinsame Studiengänge und Projekte weltweit. Was dort über Jahrzehnte gewachsen ist, könnte in wenigen Jahren verloren gehen. Aus dem regulären Hochschulhaushalt, der ohnehin unter massivem Kürzungsdruck steht, lässt sich diese strategisch wichtige Zusammenarbeit nicht gegenfinanzieren.

Hochschulkooperationen sind weit mehr als akademische Projekte. Sie sind ein Hebel deutscher Außen-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik. Über die Programme des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) entstehen langfristige Partnerschaften mit Hochschulen in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Sie fördern nicht nur einzelne Studierende, sondern stärken ganze Institutionen: durch neue Studiengänge, gemeinsame Forschung, professionelleres Hochschulmanagement und belastbare Netzwerke. So entstehen aus individueller Förderung dauerhafte Strukturen.

Gerade deshalb ist die geplante Kürzung keine reine Sparmaßnahme, sondern eine politische Fehlentscheidung. Allein im Jahr 2024 unterstützte der DAAD über diese Programme Projekte in rund 60 Ländern, an denen rund 450 Partnerhochschulen und -institutionen beteiligt waren. Wer hier den Geldhahn zudreht, gefährdet jahrzehntelang aufgebaute Beziehungen – genau in dem Moment, in dem andere politische Brücken längst brüchig geworden sind.

Die großen Fragen unserer Zeit enden nicht an den Grenzen Europas

Wer diese Programme abbaut, spart kurzfristig, zahlt langfristig aber drauf. Denn die großen Fragen unserer Zeit enden nicht an den Grenzen Europas. Klimakrise, Wasserknappheit, Energieunsicherheit, Gesundheitskrisen, Biodiversitätsverlust und Urbanisierung prägen in vielen Ländern des Globalen Südens längst den Alltag. Dort wird an genau den Zukunftsfragen gearbeitet, die auch für Deutschland entscheidend sind: an resilienter Wasserversorgung, nachhaltiger Stadtentwicklung, digitaler Verwaltung, Kreislaufwirtschaft, Gesundheitssystemen und agrarökologischen Lösungen für Ernährungssicherheit.

Programme wie "Dialogue on Innovative Higher Education Strategies" (DIES) zeigen, wie internationale Zusammenarbeit Hochschulen institutionell stärkt – von Verwaltung bis Qualitätssicherung. Ein weiteres Beispiel sind Praxispartnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen in Deutschland sowie verschiedenen afrikanischen Ländern. Dort geht es um mehr als Austausch: um die Verbindung von Lehre, Wirtschaft und Beschäftigungsfähigkeit. Wenn Hochschulen, Unternehmen und Studierende zusammenarbeiten, entstehen Qualifikationen und Zukunftsperspektiven vor Ort. Das ist Entwicklungszusammenarbeit, die tatsächlich Perspektiven schafft.

Das Argument des BMZ, man müsse sich im Zuge der Haushaltskonsolidierung auf reine Individualstipendien konzentrieren, greift zu kurz. Stipendien sind wichtig. Aber erst die institutionellen Kooperationen sorgen für nachhaltige Wirkung. Sie binden Wissen, Erfahrungen und Netzwerke dauerhaft vor Ort.

Ein Rückzug aus dieser strukturellen Zusammenarbeit hätte zudem geopolitische Folgen. Während andere Staaten, allen voran China und Russland, ihre Bildungs- und Wissenschaftspräsenz im Globalen Süden strategisch ausbauen, würde Deutschland den geordneten Rückzug antreten. Damit überließen wir das Feld genau jenen Akteuren, die längst verstanden haben, welchen außenpolitischen Wert Hochschulkooperationen besitzen.

Der geopolitischen Konkurrenz das Feld überlassen?

Das wäre auch ein fatales Signal für die Wissenschaftsfreiheit. Der aktuelle Academic Freedom Index zeigt, dass nur noch knapp 20 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern mit geschützter Wissenschaftsfreiheit leben. Ausgerechnet in diesem schrumpfenden globalen Freiraum will das BMZ Instrumente schwächen, die Vertrauen, institutionelle Stabilität und pluralistische Strukturen im Globalen Süden verankern. Damit überlassen wir das Feld kampflos der geopolitischen Konkurrenz von Peking bis Moskau.

Gerade in einer Zeit von Kriegen, wachsendem Nationalismus, Desinformation und systemischer Konkurrenz dürfen wir diese Verbindungen nicht kappen. Internationale Zusammenarbeit beginnt nicht erst in Ministerien oder auf Gipfeltreffen. Sie beginnt dort, wo Menschen einander begegnen, voneinander lernen und Vertrauen aufbauen. Hochschulen sind dafür weltweit einzigartige Orte.

Für uns steht fest: Diese Kürzungen müssen verhindert werden. Außenwissenschaftspolitik ist kein Luxus, den man sich in Krisenzeiten spart. Sie ist das Fundament einer modernen, vorausschauenden Sicherheits-, Außen- und Entwicklungspolitik – und eine unverzichtbare Investition, auf die Deutschland in Zukunft mehr denn je angewiesen ist.

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