Die wahre Geschichte der Ökologischen Waldbewirtschaftung
Warum ein neuer Studiengang für Ökologische Waldbewirtschaftung keine Bedrohung für die Forstwissenschaften ist, sehr wohl aber eine dringend nötige Bereicherung. Ein Gastbeitrag von Pierre L. Ibisch.

Neuanlage eines Kiefernforsts nach Waldbrand bei Treuenbrietzen, Brandenburg. Die Fläche wurde zwei Jahre nach der Totholzräumung erneut befahren, gepflügt und mit Kiefern bepflanzt, nachdem bereits Zitterpappeln und andere Pflanzen mit der Renaturierung begonnen hatten. Foto: P. Ibisch.
FORTAN WIRD HÄUFIGER über die ökologische Waldbewirtschaftung zu reden sein.
Wofür benötigen Förster das Adjektiv "ökologisch", wenn doch die Bewirtschaftung von Wäldern sowieso mit Ökosystemen umgeht? Ist nicht Forstwirtschaft allemal ökologisch, da in deutschen Landen die Nachhaltigkeit erfunden wurde? Und schon 1930 veröffentlichte Alfred Dengler in Eberswalde sein Lehrbuch "Waldbau auf ökologischer Grundlage". Ist es nicht Beweis genug, dass die forstliche Ausbildung ökologisch ist? So suggeriert es eine Erklärung von Forstwissenschaftlern diverser Hochschulen und Universitäten , die auf die Ankündigung des Magazins GEO reagierten, dass die Einrichtung eines Studiengangs " Ökologische Waldbewirtschaftung" unterstützt werden soll.
Das brauchen wir nicht, machen wir schon alles, völlig überflüssig, sagten die Forstleute. Die Erklärung der Forstwissenschaftler war im Ton zwar zurückhaltend, aber allein deshalb bemerkenswert, weil sie im Namen der Wissenschaftsfreiheit eine neue Initiative zurückweist. Es handelt sich übrigens keineswegs um eine gemeinsame Erklärung der Hochschulen und Fakultäten, die jeweils durch demokratische Beschlüsse abgesichert wurde. Im Falle mehrerer der betreffenden Hochschulen ist dem Autor bekannt, dass sich Mitglieder des Kollegiums von der Erklärung distanzieren und auch zuvor gar nicht gefragt wurden, ob sie eine Stellungnahme gegen den neuen Studiengang unterstützen würden.
Auf anderen Kanälen wurde persönlich diffamiert und die Wissenschaftlichkeit der Gegner in Frage gestellt, was die Tasten hergeben. Die Landesforsten Rheinland-Pfalz machen sich mit dem Proteststurm gegen die ‚Waldökologie‘-Initiative gemein, der Vorsitzende des Brandenburgischen Waldbesitzerverband beschwerte sich gar bei der Regierung – und zwar darüber, dass in Eberswalde überhaupt derartige Dinge zur Diskussion gestellt werden. Pensionierte Hochschullehrer schrieben sich im Netz den Zorn von der Seele: " Steht der wissenschaftliche Diskurs um den Wald auf der Kippe? ", fragte Roland Irslinger allen Ernstes .
Meine Güte! Geht’s auch eine Nummer kleiner? Wobei: Vielleicht ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Kommentare
#1 - Die Initiative von Ibisch und Wohlleben verdient jede…
#2 - Dem Kommentar von Wilhelm Bode kann ich nur zustimmen. Die…
#3 - Ich lade alle Leserinnen und Leser dieses Beitrags von…
Sondern sie machen deutlich, dass dieser Diskurs im Interesse der Forstwissenschaft und unserer Wälder offen, bedingungslos und auch innerhalb der bestehenden Studiengänge und Hochschulen stattfinden sollte. Sie bringen allerdings auch zum ...
#4 - Waldbewirtschafter müssen ihr Handeln immer reflektieren.…
Die Bewirtschaftung des Waldes sollte aber auch vor dem Hintergrund reflektiert werden, dass wir in Deutschland in einem sehr dicht besiedelten Flächenland mit über 83 Millionen Einwohnern leben. Diese nutzen täglich Rohstoffe (Erdöl, Metalle etc.) die gar nicht nachhaltig gewonnen werden können. Auch alle Grundprodukte ...
#5 - Lieber Herr Prof. Kaiser, Sie haben Recht, die Einlassung…
#6 - Herr Ibisch erzählt also die „wahre Geschichte der…
#7 - ... Hier arbeiten 11 Gruppen an der Frage, wie sich die…
#8 - Ich finde es sehr interessant, dass sich Vertreter*innen…
Wenn die bestehenden Forstausbildungen derart ökologisch ausgerichtet wären wie behauptet, warum regt man sich dann so gegen diesen neuen Studiengang auf und sieht ihn nicht einfach als Bereicherung? Warum regt man sich gegen einen solchen neuen Studiengang auf, wenn man sich die Situation in den Wäldern und die aktuellen Aktivitäten der Forstwirtschaft ansieht? Überall sieht man z.B. heftige Einschläge in Buchenbestände, als würde man das Wort Waldbinnenklima oder Klimawandelvulnerabilität nicht kennen, in gestressten Wäldern werden Kronendächer ...
#9 - Interessant ist auch, dass der Kommentator Professor Ammer…
#10 - Das prophetisch-pathetische Eingangsstatement (Zitat:…
Die Ausführungen von Prof. Ibisch lassen sich so deuten, dass dies in seinen Augen aber nicht die „richtige“ Ökologie sein kann: Die „Deutung von Ökologie“ durch Teile der deutschen Forstwirtschaft sei ...
#11 - Als reiner Mathematiker kann ich inhaltlich kaum zur…
Herr Ibisch berichtet von der HNEE, dass Hochschulleitung und Fachbereichsleitung seine Idee vom neuen Studiengang unterstützten, aber die Ablehnung im restlichen Fachbereich dermaßen stark war, dass der Fachbereichsrat das Thema nicht einmal diskutieren wollte. Nach meinem Verständnis von akademischer Selbstverwaltung ist das eine abschließende Absage an das Projekt – und wer dann die Idee trotzdem im Rahmen eines drittmittelfinanzierten Forschungszentrums weiterverfolgt, setzt sich über das Prinzip hinweg, dass die Lehre von den Fachbereichen ausgeht.
Bei der gemeinsamen Erklärung der ...
#12 - Als fachfremder Vertreter hat man natürlich einige…
Fachdebatte zu orientieren. Man kennt aber Herrn Ammer als sehr ehrlich und anständig wirkende Person etwa im alten Senat der Universität Göttingen und bei den leidigen Problemen bei der dortigen Präsidentenwahl.
#13 - In seinem Gastbeitrag liefert Pierre Ibisch durchaus…
Da ein Twitter-Tweet von mir zur ...
#14 - 1/2Ich möchte die Gelegenheit nutzen mich auch zur "Causa"…
Ich möchte die Gelegenheit nutzen mich auch zur "Causa" eines möglichen neuen ökologischen Waldstudienganges äußern. Ich beobachte die Diskussion mit allen ihren Auswüchsen schon länger und möchte meine Schlussfolgerungen darlegen. Die Debatte ist nun also hierhin verlegt worden. Über die inhaltlichen Punkte ist schon viel gesagt worden. Wenig behandelt wurde jedoch eine Kernfrage, nämlich wie ein zukünftig steigender Holzbedarf infolge einer steigenden Weltbevölkerung gedeckt werden kann. Welche Alternativen stehen außer einer Suffizienz bereit?
Bemerkenswert für mich ist der nahezu missionarischer Eifer, mit welchem Herr Prof. Ibisch und Herr Wohlleben vehement um ihre "Sache" werben. Wie hier bereits messerscharf erkannt ...
#15 - 2/2Fasse ich also den für mich im Zeitgeist sehr…
Fasse ich also den für mich im Zeitgeist sehr „modernen“, ja geradezu populistischen Gesamtkontext dieser neuen ökologischen Argumentation zusammen, komme ich unweigerlich zu einem klaren Bild. Ich denke, dass persönliche Interessen beider Wortführer verbunden mit einer möglichen Veränderung der Großwetterlage in Berlin der Schlüssel zur Erklärung dieses Phänomens sind, welche unter dem Deckmäntelchen der Weltenrettung firmieren. Die Zeit wird die Antworten geben…
Ein Fun-fact zum Schluss:
Der immer wieder angeführte Vergleich mit Herrn Professor Möller ist insofern von Interesse, da dieser nachweislich auch für eine moderate Nutzung des „Organismus Wald“ eben auch im Zuge wirtschaftlicher Interessen stand. Ihm war ...
#16 - Ich möchte nicht in den Verdacht geraten, die oben…
Prof. Dr. Jens Schröder, Fachgebiet Waldökologie/Waldbaugrundlagen, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
#17 - Lieber Jens Schröder, das hatte ich auch noch nicht, dass…
#18 - „Hier Fichtenacker, da Naturwald? Zur Diskussion um einen…
„Hier Fichtenacker, da Naturwald? Zur Diskussion um einen Studiengang für
ökologische Waldwirtschaft -- pointierte Marketingkampagne oder hilfreiches
Angebot?“ So titelt die „gemeinsame“ Erklärung der Hochschulen und Universitäten mit forstlichen Studienangeboten in Deutschland.
Hinsichtlich der „Gemeinsamkeit“ sei mir der Hinweis erlaubt, dass dies nicht per se bedeutet, dass auch alle Mitglieder der genannten Hochschulen diese Erklärung unterstützen. Ich distanziere mich nachdrücklich sowohl vom Prozedere als auch von den Inhalten der Erklärung!
Natürlich ist es erfreulich zu sehen, dass ökologische und naturschutzrelevante Forschung und Lehre zunehmend eine Rolle spielen, aber genügt es tatsächlich schon, daraus den Anspruch abzuleiten, einen Studiengang „Ökologische Waldbewirtschaftung“ ...
#19 - Fortsetzung:Möglicherweise hat das ökologische…
Möglicherweise hat das ökologische Verständnis der Funktionalität von Wäldern ebenso zugenommen, wie die daraus abgeleiteten Erkenntnisse für die Waldbewirtschaftung und den Naturschutz. Aber warum werden dann nach wie vor in unseren Wäldern große Mengen an Pestiziden eingesetzt, wie es z.B. Greenpeace für Baden-Württemberg mit dem Beitrag „Giftattacke auf Wälder“ auch zahlenmäßig belegt hat? Wieso ziehen nach wie vor tonnenschwere Maschinen scheinbar schwebend aber systematisch (Demarkations-)Linien durch „Bestände“, die wie ökologische Barrieren im Ökosystem wirken, aber dezent als „Feinerschließung“ betitelt werden? Obwohl die Fachbehörden intensiv darauf hinweisen, dass die Mehrzahl der angebotenen „Wuchshilfen“ enorme Risiken zur Einbringung von Mikroplastik bilden, ...
#20 - Guten Morgen,ich gebe hier folgenden Artikel in die Runde…
ich gebe hier folgenden Artikel in die Runde :
https://www.geo.de/natur/oekologie/24043-rtkl-waldwende-geo-entwickelt-neuen-studiengang-oekologische
aus diesem sollte sich jeder hier seine Schlussfolgerungen über die Motive und "wahren" Hintergründe zur möglichen Etablierung eines ökologischen Studienganges herleiten !
#21 - An deutschen Hochschulen lernen ja Studierende aus vielen…
#22 - Erzählt Herr Ammer eine wahre Geschichte vom…
#23 - [...]Achso! Ist die gemeinsame Erklärung am Ende dann etwa…
Achso! Ist die gemeinsame Erklärung am Ende dann etwa doch eine hysterische Reaktion auf einen „Angriff“, dem man sich verwehren muss, weil sonst schlafende Hunde geweckt werden und Diskussionen vom Zaun brechen? Weil dadurch vielleicht sogar schon vermutete, aber noch längst nicht eingestandene Missstände ans Tageslicht kommen? Weil dann am Ende vielleicht auch noch eine Veränderung winkt? Mir geht es überhaupt nicht darum, das eine ins positive und das andere ins negative Licht zu rücken. Aber mich nervt, dass die Studiengangsinitiative in Göttingen nicht zum Anlass genommen wird, sich vor allem mal ganz stark selbst zu hinterfragen, bevor nach ...
Neuen Kommentar hinzufügen