Direkt zum Inhalt

Der große Run wird kommen

Die Bundesregierung investiert Milliarden in den "grünen Wasserstoff". Eine riskante Strategie – oder Deutschlands Chance, bei einer Zukunftstechnologie mal wieder vorn dabei zu sein? Ein Interview mit dem Innovationsbeauftragten Stefan Kaufmann.

Bild
Artikelbild: Der große Run wird kommen

Stefan Kaufmann. Fotos: Jens Oellermann Fotografie.

Herr Kaufmann, die Bundesregierung setzt voll auf "grünen Wasserstoff" und investiert Milliarden in die Technologieentwicklung. Wie erklärt sich diese Euphorie?

Weil wir unsere Klimaziele und die Energiewende ohne grünen Wasserstoff nicht schaffen werden. Wir brauchen ihn als Energiespeichermedium, weil die beste Batterietechnologie allein nicht reichen wird. Weil wir Strom schlecht speichern und transportieren können. Und weil wir für gewisse Anwendungsbereiche in der Industrie und der Mobilität ohne grünen Wasserstoff keine CO2-Neutralität erreichen werden. Deshalb haben ja nicht nur wir in Deutschland eine Wasserstoffstrategie verabschiedet, sondern mittlerweile 34 andere Länder auf dieser Welt auch.

Was genau ist denn überhaupt grün an "grünem Wasserstoff"?

Sie können grünen Wasserstoff erzeugen, indem sie Wasser mithilfe erneuerbarer Energien aufspalten. Sie brauchen nur Wasser und Wind oder Sonne. Oder biogene Abfälle, die sie in umgerüsteten Biogasanlagen verwenden. Von blauem Wasserstoff reden wir dagegen, wenn fossile Brennstoffe, in der Regel Erdgas, zu seiner Erzeugung eingesetzt werden, das dabei freigesetzte CO2 aber aufgefangen wird und damit nicht in die Atmosphäre gelangt.

Und wenn das CO2 als Abfallprodukt in die Atmosphäre geht?

Dann ist das der sogenannte graue Wasserstoff. Und dabei werden große Mengen CO2 freigesetzt. Pro Kilogramm Wasserstoff etwa zehn Kilogramm Kohlenstoffdioxid. Genau das gilt es zu verhindern. Doch auch der blaue Wasserstoff Haken: Erstens können Sie bestenfalls 80 bis 90 Prozent des CO2 auffangen und in alte Gasvorkommen speichern. Zweitens wird Erdgas verwendet, bei dessen Förderung kleine Mengen entweichen. Hauptbestandteil des Erdgases ist Methan, das mindestens 25-mal klimaschädlicher als CO2 ist, so dass die kleinen Emissions-Mengen doch ins Gewicht fallen. Darum haben wir uns in Deutschland für grünen Wasserstoff entschieden. Wir sehen grünen Wasserstoff als Energieträger der Zukunft.


Bild
Artikelbild: Der große Run wird kommen

Stefan Kaufmann, CDU, ist seit 2009 Bundestagsabgeordneter und war viele Jahre Obmann seiner Fraktion im Forschungsausschuss. Seit Juni 2020 ist er Innovationsbeauftragter "Grüner Wasserstoff" im Bundesministerium für Bildung und Forschung.


Der grüne Wasserstoff klingt nach ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#2 -

Claus Lenzky | Di., 13.04.2021 - 18:36
Der Überblick über diesbezüglich geplante Projekte ist
ganz interessant. Es wäre erfreulich, wenn hier mit Mitteln des BMBF etwas gegebenenfalls Weitreichendes geschieht.
Ferner möchte man hoffen, daß die Projekte nicht wieder nach dubiosen Kriterien vergeben werden wie bei anderen Energieträgern.

#3 -

IstDochEgal | So., 18.04.2021 - 14:46
Endlich mal ein Beitrag der Ist-Kosten und Kostenziele benennt!



Vielen Dank dafür!



Gleichwohl ist es beängstigend, dass ein Innovationsbeauftragter für dieses Thema, weder Energie und Leistung, noch Preise und Kosten auseinanderhält:

"Was den Preis für grünen Wasserstoff angeht, hängt dann alles davon ab, wie stark wir die Kosten für die sogenannte Wasserelektrolyse, also seine Herstellung, runterbekommen können. Das wiederum hängt stark vom Kilowatt-Preis erneuerbarer Energien ab. "

Für viele Bereiche und Waren in unserem Leben haben sich die Preise von Kosten entkoppelt. Wenn "Saudi-Arabiens zweite Photovoltaik-Ausschreibung mit Weltrekord-Tiefstgebot von 1,04 US-Dollarcent pro Kilowattstunde" (Quelle: pv-magazine) in Aussicht gestellt wird, ist ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Exzellenzförderung darf keine Strukturförderung sein

Exzellenzförderung darf keine Strukturförderung sein

Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank über ihren Vorschlag thematischer Ausschreibungen in der Exzellenzstrategie, Hamburgs Zukunft als Wissenschaftsstandort, Tierversuche und das Wesen grüner Wissenschaftspolitik – und den Wirbel um das Corona-Thesenpapier eines Hamburger Physikprofessors.


  • Drei Jahre Funkstille

Drei Jahre Funkstille

2018 hat die Hochschulrektorenkonferenz die DEAL-Verhandlungen mit dem Wissenschaftsverlag Elsevier ausgesetzt. Haben sich beide Verhandlungspartner verkalkuliert?


  • Artikelbild: Schutzschirm mit eingeschränkter Wirkung

Schutzschirm mit eingeschränkter Wirkung

Wie die außeruniversitären Forschungsorganisationen 200 Millionen Euro aus dem Corona-Konjunkturpaket nicht verbrauchen konnten und trotzdem kein Euro davon für die Hochschulen abfiel.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Die Menschen erwarten von der Wissenschaft zu Recht Antworten

Die Menschen erwarten von der Wissenschaft zu Recht Antworten

Was die Wissenschaft der Gesellschaft im Gegenzug für die Forschungsfinanzierung schuldig ist, wo Forschung noch mehr Freiheit braucht und warum Deutschlands Politik die Finger von der Aufgabenverteilung im Wissenschaftssystem lassen sollte: Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer im Interview.


  • Die Datenerhebungskatastrophe

Die Datenerhebungskatastrophe

Das Pandemiemanagement der Bundesrepublik baut auf einem Corona-Monitoring auf, das diese Bezeichnung nicht verdient. Die Politik weiß bis heute kaum, was genau sie mit ihren Lockdown-Maßnahmen bewirkt und wer sich warum infiziert. Wie konnte das passieren? Eine Spurensuche. Kaffeesatzleserei statt repräsentativer Datenerhebung.Foto: Stephanie Albert / Pixabay.


  • Die Notbremse hat nicht gewirkt

Die Notbremse hat nicht gewirkt

Sten Rüdiger berechnet anhand von Mobilfunkdaten, wie oft Menschen einander begegnen. Das Ergebnis: Zuletzt sind die Kontakte sogar wieder mehr geworden. Warum die Inzidenzen trotzdem sinken und warum der Datenexperte entäuscht von der Politik ist: ein Interview.