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Sag mir, wo du lehrst und ich sage dir, wieviel

Der Umfang der Lehrverpflichtung an deutschen Fachhochschulen unterscheidet sich extrem je nach Bundesland. Wie ist das zu erklären? Und wie konnte eine so große Spreizung überhaupt entstehen? Ein "berechnender" Gastbeitrag von Thomas Elbel.

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Artikelbild: Sag mir, wo du lehrst und ich sage dir, wieviel

Ländervergleich: Anzahl der Semesterwochen und der zu leistenden Lehrveranstaltungsstunden . Quelle: Thomas Elbel.

"DIE LEHRVERPFLICHTUNG der Professoren, Dozenten und sonstigen Fachhochschullehrer des höheren Dienstes ... beträgt 18 Lehrveranstaltungsstunden", legte die Kultusministerkonferenz (KMK) 1977 fest. Und weiter: "Eine Lehrveranstaltungsstunde umfasst mindestens 45 Minuten Unterrichtseinheit je Semesterwoche".

44 Jahre später gilt der Beschluss immer noch. 18 Semesterwochenstunden (SWS) sind seither ungebrochen das Maß der Lehrverpflichtung der Professor:innen an deutschen Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) – trotz der regelmäßigen Erklärungen etlicher Bundesländer, sie behielten sich die Reduzierung vor – und ständiger, gleichlautender Ermahnungen des Wissenschaftsrates. Die 18-SWS-Festlegung findet sich in allen Landeslehrverpflichtungsverordnungen, abgesehen von dem mittlerweile auf 16 SWS reduzierten Pensum für Kolleg:innen aus Sachsen-Anhalt. Und das trotz stetig anwachsender Verwaltungstätigkeiten und der Forschungspflicht auch an HAW, die das Bundesverfassungsgericht 2010 (1 BvR 216/07) erfreulich klar bestätigt hat. Immerhin, könnte man sich trösten, sind dafür wir HAW-Professor:innen (mit Ausnahme von denen in Sachsen-Anhalt) alle gleich gestellt.

Nur, dass das ...

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Kommentare

#1 -

Dozent HS Bund | Do., 17.06.2021 - 12:55
Spannender Artikel, danke. Wir hatten vor ein paar Jahren an der HS Bund eine ähnliche Auswertung gemacht, als der Bundesrechnungshof der Meinung war, 684 LVS pro Jahr seien zu wenig. Leider ohne Erfolg. Die Bemerkungen des BRH dazu sind dabei nicht nur frei von jeglicher Sachkenntnis, sondern auch in ihrer Rechtsauffassung völlig absurd:



https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/produkte/bemerkungen-jahresberichte/jahresberichte/1-archiv/2013-weitere-pruefungsergebnisse/einzelplanbezogene-pruefungsergebnisse/bundesministerium-der-finanzen/langfassungen/2013-bemerkungen-weitere-pruefungsergebnisse-nr-02-arbeitszeitregelung-im-fachbereich-finanzen-der-fachhochschule-des-bundes-verringert-die-fuer-die-lehre-verfuegbaren-personalkapazitaeten

#2 -

Th. Klein | Do., 17.06.2021 - 14:45
Aus juristischer Perspektive mögen die Festlegungen in den entsprechenden Ordnungen maßgeblich sein. In der Praxis sieht das anders aus, weil auch Regelungen existieren, die die Lehrbelastung reduzieren. So sieht die LUFV in Bayern vor, dass es Ermäßigungsstunden in Höhe von 7% verteilt auf das Lehrpersonal gibt. Außerdem werden Funktionsträger teilweise von Lehre befreit. Der Wert 513 für Bayern bezieht sich somit auf Professor:innen, die von keiner der Ermäßigungsmöglichkeiten - dazu gehört auch noch sog. "Freikauf" durch Drittmittel - profitieren. Die vielen Lehrbeauftragten an der FH/HAW springen ja hier ein und leisten nicht immer zusätzliche Lehre über die notwendige Kapazität der ...

#3 -

Steffen Prowe | Di., 22.06.2021 - 14:18
Danke für die Betrachtung, das ist in der Tat "erstaunlich".
Dazu wird es noch interessanter, wenn man den AKL-Vergleich (Ausstattungs-, Kosten- und Leistungsvergleich) der div. HAW betrachtet: https://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201901.pdf
Da ist dann NICHTS mehr vergleichbar.
Aber man wird Länder-intern und im Bund gegeneinander ausgespielt um die €€, mit denen Bildung "auskömmlich" (??) finanziert wird.

#4 -

A. Groß | Mi., 23.06.2021 - 16:55
Bei den Zahlen erscheint mir wichtig, zu berücksichtigen, dass 1 LVS/Woche Nominal-Deputat in der Praxis 45 Minuten umfasst.



Ist das Nominal-Deputat 18 LVS/Woche, muss dieser Wert also mit 0,75 multipliziert werden, um das Real-Deputat zu ermitteln. Dann sind wir bei 13,50 LVS/Woche.



Berücksichtigt man die diversen Deputatsreduzierungen, die eingeräumt werden, sinkt das Real-Deputat von 13,50 LVS/Woche – konservativ geschätzt und aggregiert – um 10% auf ein Real-Deputat von rund 12 LVS/Woche.



Verteile ich das auf fünf Werktage, komme ich im Mittelwert auf 2,4 LVS/Tag Real-Deputat.



Berücksichtige ich zudem, dass alle sieben Semester ein Forschungssemester eingeräumt werden kann, sinkt das Real-Deputat ...

#5 -

Thomas Elbel | So., 02.01.2022 - 00:36
@Dozent HS Bund

Ja, der Rechnungshof scheint übersehen zu haben, dass die Lehrverpflichtung auf Basis der KMK-Empfehlung, die ja auch die Hochschulen des Bundes ihren Regelungen zugrundelegen, eine Multiplikation ist, bei denen die Semesterwochenstunden der eine Faktor, der andere aber die Anzahl der Semesterwochen ist.



@Th. Klein

Auch die Befreiungen basieren zumindest zum Teil auf der KMK-Empfehlung. Ich habe daher davon abgesehen, sie in meine Überlegungen miteinfließen zu lassen, weil sie laut Philosophie der KMK weitgehend uniform sein sollen. Dass sie es im Einzelnen leider doch nicht sind, macht das Bild leider noch diffuser. Meine Zahlen können aber demgemäß zumindest ...

#6 -

HSVN Hannover | Fr., 02.06.2023 - 07:48
Es geht bisweilen noch krasser: An der Kommunalen Hochschule für Verwaltung in Niedersachsen (HSVN) gilt ab 1.8.2023 eine Betriebsvereinbarung (sic!) über die Anrechnung und Ermäßigung der 666 Stunden für HAW gemäss Nds. LVVO (39 Wochen x 18 LVS). Diese BV beinhaltet ein zusätzliches Prüfungsdeputat von 120 Stunden für Professoren, das abgearbeitet oder durch Mehrlehre ausgeglichen werden muss. Die früheren Anrechnungen entfallen. Lehrveranstaltungsfreie Prüfungswochen gibt es selbstredend auch nicht. P.S.: Unterzeichnet ist die BV auf Beschäftigtenseite von einer Sekretariatsmitarbeiterin.

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