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Weg von den Ministerien

Es ist Zeit, die Forschungsförderung der Bundesregierung völlig neu zu denken. Ein Vorschlag, was das bedeuten könnte.

ZWEI DINGE SCHEINEN derzeit Konsens zu sein, sobald das Gespräch auf die Forschungsförderung der Bundesregierung kommt. Erstens: Sie hat finanziell in den vergangenen 16 Jahren enorm zugelegt, auch und gerade dank einer Bundeskanzlerin, die in ihrem früheren Leben selbst Wissenschaftlerin war. Zweitens: Das Mehr an Geld hat nicht zwangsläufig zu einem vergleichbaren Plus an Performance geführt, vor allem nicht, was die Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen angeht.

Mit dem Abschied Angela Merkels endet zugleich eine Ära in der der Wissenschaftspolitik. Eine gute Gelegenheit, die bestehenden Förderstrukturen einmal ganz grundsätzlich zu hinterfragen.

In der ZEIT hat das vor ein paar Monaten der Innovationsforscher Dietmar Harhoff gemacht, der bis 2019 die Expertenkommission Forschung und Innovation geleitet hat, also den Rat der Wissenschaftsweisen der Bundesregierung. "Das neue Zauberwort der Forschungs- und Innovationspolitik heißt Agenturen", hat Harhoff geschrieben, die unabhängig agieren und die Forschung "strategisch planen, fördern und koordinieren sollen". Als einen ersten Schritt nannte Harhoff die neu gegründet Bundesagentur für Sprunginnovationen, um gleich hinzuzufügen: "Wenn solche Institutionen jedoch vom Forschungsministerium an die Kette gelegt werden, können sie nicht erfolgreich ...

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Kommentare

#1 -

Armin Birk | Fr., 20.08.2021 - 12:36
Ein schönes Gedankenspiel. Doch wenn man ohne einen begrenzenden Rahmen weiterdenken würde, käme man schnell an einen Punkt, an dem Unsummen bewegt werden und die dafür verantwortlichen Personen sich jedweder (Vor- u. Nach-)Kontrolle entziehen. Mein Staatsverständnis ist davon geprägt, dass der Bundestag, wenn er denn wollte, die Ministerien und ihre nachgeordneten Dienststellen wenigstens durch die Zuweisung und Zweckbindung von Finanzmitteln kontrollieren kann. Ich erkenne keine haushaltsrechtlich zulässige Konstruktion, die einer staatsfinanzierten Institution (also egal, in welcher Rechtsform) langfristige Mittelzuweisungen garantiert, ohne dass Einfluss auf die Mittelverwendung durch den Staat gewährt bleibt. Gegen eindeutige Ressortzuständigkeiten habe ich deswegen nichts, weil so ...

#2 -

Marco Winzker | Fr., 20.08.2021 - 12:36
Dieser Ansatz wäre auch dort sinnvoll, wo Forschung auf Anwendung und Betrieb einer Infrastruktur trifft. Wie wäre es denn mit einer Agentur für digitale Unterstützung der Hochschullehre?



Aufgaben gibt es genug: Es könnte die Wartung und Weiterentwicklung der Lernplattformen (LMS) koordiniert und finanziert werden (https://netzpolitik.org/2020/gemeinsame-erklaerung-der-open-source-bildungsplattformen-lernplattformen-fordern-nachhaltige-finanzierung/). Entwicklung und Pflege einer Plattform für elektronische Prüfungen. Systeme für hybride Lehrveranstaltungen. Weiterentwicklung eines LMS mit Elementen zur Interaktivität, Studierendenzentrierung, Learning Analytics.



Das sollte die Agentur natürlich nicht selber programmieren, sondern die vorhandenen Aktivitäten fördern und vernetzen.

#3 -

Skeptisch | Fr., 20.08.2021 - 12:42
Ich bin skeptisch, was die "Agenturen" als Allheilmittel betrifft. Parallele aus der Geschichte: Anfang der 1960er Jahre war Deutschland die "Apotheke der Welt". Vor diesem Hintergrund entschied sich die Politik für eine sehr liberale Form der Arzneimittelzulassung, in dem Vertrauen darauf, dass das der Industrie nutzte. Die USA entschieden sich dagegen für eine sehr starke Behörde und eine hohe Schwelle in der Arzneimittelzulassung, um Verbraucherschutz zu gewährleisten. Ergebnis? Die deutsche pharmazeutische Industrie verliert an Bedeutung, während die USA zum unangefochtenen Weltmarktführer wurden. Manchmal ist es innovationsförderlich, sich ein bisschen strecken zu müssen, statt zu leicht Zugang zu Geld zu haben: ...

#4 -

Skeptisch - Nachtrag | Fr., 20.08.2021 - 02:00
Weil vielleicht die Frage aufkommt, was ich statt einer Agentur empfehlen würde: Eine Kombination aus Aufstockung der Grundfinanzierung, damit mehr Forschung mit Ausstattungsmitteln gemacht werden kann (statt die Ausstattung nur noch dazu zu verwenden, Drittmittelanträge zu schreiben) und hohen Anforderungen an Vorarbeiten als Grundlage für große Förderentscheidungen, die von einer starken Behörde überprüft werden könnten (z.B. vorangegangene Veröffentlichungen in Journalen mit hohem Impact). Das muss dann letztlich aber eine Behörde sein, weil es sich um eine hoheitliche Tätigkeit handelt: Eine Agentur hat weniger Möglichkeiten, vor dem Hintergrund des Art. 5(3) GG Mittel zu verweigern, sondern müsste mehr "per Gießkanne" austeilen.

#5 -

Marco Winzker | Fr., 20.08.2021 - 14:11
@Skeptisch, #3:
Die USA haben eine ausgeprägte Start-Up-Kultur. Deutschland lernt in den letzten Jahren davon, aber dennoch sind die Verhältnisse schwer zu vergleichen. Parallelen aus der Geschichte können von ihrer Natur her nur anekdotisch sein.

#6 -

Skeptisch | Fr., 20.08.2021 - 14:27
@Marco Winzker: Die pharmazeutische Industrie ist auf der Farben- und Chemieindustrie heraus entstanden und hat damit nichts mit der Start-Up-Kultur zu tun. Es geht um dem Zeitraum 1960 bis 1990 und um das, was der Staat tut, weswegen die Parallele aus der Geschichte nicht nur anekdotisch sein muss: Es könnte ein Fehler sein, den man nicht wiederholen muss.

#7 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 24.08.2021 - 02:00
Liebe Leserinnen und Leser,

aus gegebenem Anlass mal wieder der Hinweis: Inhaltliche Kritik an Personen ist in den Kommentaren jederzeit willkommen. Herabwürdigende Kritik aber und wird nicht toleriert. Entsprechende Kommentare werden nicht freigegeben. Ich danke Ihnen für die überwiegend sehr gute Diskussionskultur und freuen mich auf mehr davon.

Beste Grüße
Ihr Jan-Martin Wiarda

#8 -

Manfred Hennecke | Mi., 22.09.2021 - 18:17
Hinsichtlich der Ressortforschung verkennt der Vorschlag, dass die Verhältnisse in den Instituten sehr unterschiedlich sind (es ist nicht einmal klar, wer alles zur Ressortforschung gehört). Näheres kann man in den gutachterlichen Berichten des Wissenschaftsrates nachlesen.

Die Unterschiede liegen (u.a.) in:

- dem Anteil der Forschungstätigkeiten (offenbar zwischen 5 % und 90 %);

- dem Anteil der hoheitlichen Tätigkeiten (die Verteilungsbreite dürfte ähnlich derjenigen in der Forschung sein);

- außerdem werden in unterschiedlichem Ausmaß Dienstleistungen für Wirtschaft und Gesellschaft angeboten , die weder hoheitlich noch Forschung sind.

Die allein mit der Forschung begründete Anbindung an eine Agentur würde dem Aufgabenspektrum nicht ...

#9 -

Insider | Mi., 27.10.2021 - 22:31
Die Idee mit den. Agenturen kann gut sein. Mehr Freiheitsgrade, z.B Überjährigkeit der Haushalte, weniger TVÖD-Fesseln täten ein übriges.



Wer aber jemals Sitzungen z.B. des Vereins der Helmholtzgemeinschaft beiwohnen durfte, darf auch Zweifel daran haben, ob die Forschungs- und Innovationspolitischen Entscheidungen, die z.B. dort gemacht werden und potenziell gemacht werden würden, den Standort wirklich weiter voranbringen.



Hier ist man sich selbst am nächsten und organisiert die Beutegemeinschaft.



Spricht nicht bsw. die Ausgründungsbilanz Bände oder die Beiträge zur Covid Impfstoffentwicklung, die letztlich aus einem An- Institut einer Universität ihren Anfang nahm?



Wo bleiben - die Frage ist schon legitim - die ...

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