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Ich bin ein eher zurückhaltender Typ

FU-Präsident Günter M. Ziegler über seinen Konflikt mit der Kanzlerin, die Kritik an seiner Amtsführung, das neue Berliner Hochschulgesetz und seine Pläne, was er im Falle seiner Wiederwahl besser machen will.

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Artikelbild: Ich bin ein eher zurückhaltender Typ

Günter M. Ziegler ist seit 2018 Präsident der Freien Universität Berlin – und will es auch bleiben.

Foto: Freie Universität Berlin / David Ausserhofer.

Sind Sie ein Teamplayer, Herr Ziegler?

Ja.

Und was zeichnet Sie als Teamplayer aus?

Zuhören, Grundvertrauen ins Team, Kommunikation auf Augenhöhe. Und ich glaube ans Teamplay, auch für die Hochschulleitung: Ich denke, dass die Entwicklung einer Hochschule im Team sehr viel besser gelingt. Hierarchische Leitungsstrukturen mögen in Ministerien oder Krankenhäusern sinnvoll sein, an Hochschulen sind sie es nicht.

Sie lassen das Teamwork hochleben und haben trotzdem als Präsident eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die eigene Kanzlerin eingereicht. Ein ziemlich einmaliger Vorgang.

Ich habe einen Brief an die zuständige Senatsverwaltung geschrieben, in dem ich um die rechtliche Prüfung von zwei Vorgängen gebeten habe, die aus meiner Sicht unzulässig und nicht akzeptabel sind. Dieser Brief ist offenbar als Dienstaufsichtsbeschwerde gewertet worden.

Es geht um den Vorwurf, die Kanzlerin, Andrea Bör, habe an allen Gremien vorbei eine Personalagentur beauftragt, damit bei der anstehenden FU-Präsidentenwahl neben Ihnen weitere Bewerber antreten. An der FU heißt es, Sie selbst hätten diesen Vorwurf an die Medien durchgestochen.

Ich habe nichts an die Medien durchgestochen. In der Presse wird ein Schreiben zu diesem Vorgang an Gremiumsmitglieder erwähnt, dieses kam nicht von mir.

Hat denn die Kanzlerin inhaltlich Recht, dass der Universität weitere Bewerber neben Ihnen und vor allem externe Bewerber guttun würden?

Um eine optimale Hochschulleitung zu finden, ist es generell gut, breit nach Bewerbungen Ausschau zu halten, intern wie extern. Ob man dafür eine Agentur einschalten muss, sei dahingestellt. Die Leitung der Freien Universität wird aber ohnehin immer öffentlich ausgeschrieben.

Aber unter Umständen kann eine Personalagentur schon sinnvoll sein?

Das stimmt, aber sie darf nicht unter Umgehung der zuständigen Gremien und von einer Person, die im Verfahren befangen ist, beauftragt werden, wie es in diesem Fall offenbar passiert ist.

Was macht die Kanzlerin in dem Verfahren befangen?

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Kommentare

#1 -

Noch 'ne Hanna | Do., 04.11.2021 - 13:27
Vielen Dank, Herr Wiarda, für das spannende Interview. Es ist schon faszinierend: Ich bin ja auch Volkswirtin und ich sehe solche Konflikte, wie der Konflikt, der im Interview geschildert wurde, als Zeichen einer "scarcity economy". Soll heißen: In den Jahren der Exzellenzinitiave entstand der irreführende Eindruck, dass es in der Wissenschaft den "free lunch" gibt: Es stand genügend Geld zur Verfügung, damit die Hochschulleitungen und die "Statusgruppe" der Professor:innen ihre Ziele verfolgen und durchsetzen konnten. Unter der Oberfläche schwelte es aber und das fiel nicht auf, weil sich andere "Statusgruppen" kaum Gehör verschaffen konnten. Erst kam das Thema "Machtmissbrauch" auf, ...

#2 -

MüderProf | Sa., 06.11.2021 - 08:18
Das Interview ist interessant und gibt einen guten Einblick in einen offensichtlich regelgeleiteten und eher zurückhaltenden Führungsstil des Präsidenten. Mehr würde mich allerdings ein Interview mit der Gruppe interessieren, die einen neuen Präsidenten wünscht. Mich interessiert, ob es tatsächlich um die Bereinigung eines Konflikts mit der Kanzlerin und um eine bessere Kultur des Miteinander geht. Oder ob es darum geht, dass die (an jeder Universität) notwendigen Veränderungen und Weiterentwicklungen verhindert werden sollen. Dazu ist die Auswechslung des Führungspersonals immer eine gute Maßnahme. Bis eine neue Person sich eingearbeitet hat, ist die Wahlperiode schon wieder vorbei: Dann behält man das Personal, ...

#4 -

UndJetzt | Do., 11.11.2021 - 18:56
Das Interview zeichnet das Bild eines Menschen, der zur Führung einer so großen Einrichtung wie einer Universität nicht geeignet ist. Herr Ziegler war als Mathematiker sehr erfolgreich, aber einer Universität Richtung und Halt zu geben, scheint ihm nicht gegeben.



Er versteht recht einfache Anforderungen an einen Präsident*in nicht, z.B. in der Aussage "Nur ist die Kritik, die aus der Vereinten Mitte heraus formuliert wird, auch nicht ganz konsistent – wenn die einen sagen, ich würde mich in der Hochschulleitung nicht hinreichend durchsetzen, und die anderen finden, es gebe zu viel Konflikt in der Hochschulleitung. " Das ist ein und derselbe ...

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