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Der Plan der Hochschulrektoren

Nächste Woche will die HRK ihren Vorschlag für die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes beschließen. Was wird drinstehen? Anja Steinbeck und Peter-André Alt über eine neue Zehn-Jahres-Regel, Mindestlaufzeiten für Verträge und die Frage, ob der Tenure Track zum Regelfall werden sollte.

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Der Plan der Hochschulrektoren

Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler, war Präsident der Freien Universität Berlin und ist seit 2018 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Anja Steinbeck ist Juristin, seit 2014 Rektorin der Universität Düsseldorf und seit 2020 zusätzlich HRK-Vizepräsidentin und Sprecherin der HRK-Mitgliedergruppe der Universitäten. Fotos: HRK/David Ausserhofer, Kay Herschelmann.

Frau Steinbeck, im Herbst, als die "#IchbinHanna"-Debatte so richtig Fahrt aufnahm, haben Sie gesagt : Die Universitäten in der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ducken sich nicht weg. Und einen eigenen Reformvorschlag für das umstrittene Wissenschaftszeitvertragsgesetz versprochen, sobald dessen Evaluation vorliegt. Das ist jetzt der Fall.

Anja Steinbeck: Und der versprochene Vorschlag der HRK-Mitgliedergruppe der Universitäten kommt. Wenn wir uns nächste Woche in Berlin treffen, werden wir ihn beschließen. Und das an sich ist schon ein Erfolg. Denn Sie können sich vorstellen, dass die Meinungen unter den Rektorinnen und Rektoren genauso divers sind wie die öffentliche Debatte selbst.

Also gibt es nur den kleinsten gemeinsamen Nenner?

Steinbeck: Nein, genau den wollten wir nicht, darum war die Arbeit in den vergangenen Monaten ja so intensiv. Wer glaubt, man müsse nur das Wissenschaftszeitvertragsgesetz ändern, mit ein paar Federstrichen, und schon seien alle Probleme vom Tisch, der irrt gewaltig. Im Gegenteil, je länger wir uns mit dem Gesetz auseinandergesetzt haben, desto mehr kamen wir zu der nüchternen Erkenntnis: Die Intransparenz der Karrierewege junger Wissenschaftler ist ein Fakt, die Ursachen sind aber sehr vielfältig. Mit Blick auf das Gesetz sehen wir im Moment vorrangig zwei Stellschrauben.

Nur zwei Stellschrauben? Im Herbst haben Sie gesagt: "Es muss uns gelingen, richtig etwas zu verändern."

Steinbeck: Ich habe aber auch gesagt: ohne zugleich bestehende und gut funktionierende Strukturen kaputtzumachen.

"Wenn jemand mit etwa 25 seinen Master hat, lautet also die Idee: Mit 35 hat er oder sie Klarheit, wie es in ihrem Leben weitergeht."

Und was heißt das?

Steinbeck: Noch haben wir nichts beschlossen, aber wir werden voraussichtlich anregen, den zeitlichen Rahmen ...

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Kommentare

#1 -

Gregor Frisch | Di., 28.06.2022 - 15:15
Man will ein bereits verschärftes Ressourcen-Problem dadurch lösen, indem man es weiter verschärft? Das klingt wenig durchdacht.



Ich wünschte, die beiden Interviewten hätten den Mumm ehrlich zu sagen, dass das deutsche Wissenschaftssystem auf prekär finanzierten Dissertationen gebaut ist, die man zum Aussieben braucht, und dass die Jahre danach knallharter Wettbewerb sind, so dass vielleicht 10% eine Chance (!) auf eine unbefristete Professur haben.



Durch diese ehrliche Abschreckung würden sich weniger für eine Diss entscheiden. Allerdings würde man indirekt zugeben, wie kaputt das System ist und dass es zu Machtmissbrauch von oben einlädt. Genau das dürfte aber politisch nicht opportun sein.

#2 -

Einer der viel… | Mi., 29.06.2022 - 02:00
Wenn die Vorschläge der HRK durchkommen, ist mit einem nochmals verstärkten Exodus aus dem (deutschen) Wissenschaftssystem heraus zu rechnen - höchstwahrscheinlich wieder überproportional von den Höchstqualifizierten, Innovativeren, weniger Angepassten, die in Deutschland in Wirtschaft und Gesellschaft bessere Berufs- und Lebensperspektiven haben (vgl. die empirischen Studien dazu aus den letzten sieben Jahren); sowie in der Wissenschaft in anderen Ländern. Aber möglicherweise ist genau dies einigen Arrivierten in Deutschland ganz recht...



Was sie allerdings möglicherweise unterschätzen, könnte die immer stärkere Inattraktivität von Promotionsstellen und von Drittmittelstellen sein, für die sie immer häufiger nur noch eher mediokres Personal finden. In einigen Fächern und ...

#3 -

G. Samsa | Mi., 29.06.2022 - 23:03
Die HRK hat nicht die Rolle die Interessen der Gesellschaft zu vertreten. Das ist die Aufgabe der Bundesregierung (oder auch der Länder). in der HRK engagieren sich Hochschulleitungen, die eigene Interessen haben, wenn es um die Struktur des wissenschaftlichen Personals geht. Und das ist auch ok. Denn auch diese sind wichtige Stakeholder und habe in der Gesamtschau einer Hochschule und vor allem als Mitglieder der Gruppe der Hochschullehrer:innen einen anderen Blick. Das mag man schlecht finden, ist aber für eine Demokratie unerlässlich

#4 -

Theo B. Martin | Mi., 29.06.2022 - 23:15
Wissenschaft ist kompetitiv unabhängig davon, wie man beschäftigt ist. Das gilt für alle Ebenen vom Mittelbau bis zum Präsidium. Schwierig ist es natürlich dort besonders, wo der Wechsel in die Wirtschaft schwierig ist. Aber ist es im Sinne der Gesellschaft, wenn in diesem Bereich, wo es nach der Evaluierung ohnehin vergleichbar viele Dauer-Stellen gibt als zum Beispiel bei den Juristen , noch mehr Leute „anzubinden“. Wie realistisch ist die Annahme, dass Personen die Hochschule wechseln oder mobil sind, wenn sie eine Feststellung haben. Das sollte mal untersucht werden, wie oft und mobil Dauerstelleninhaber an deutschen Hochschulen oder im Ausland wirklich ...

#6 -

CHA | Do., 30.06.2022 - 15:20
Es ist schwer erträglich, wenn die Frage nach den Karriereoptionen von Postdocs, die auf Drittmittelstellen arbeiten, mit dem Verweis auf Stellen im Wissenschaftsmangement in der Verwaltung weggebügelt und so getan wird, als würde man 40% der Postdocs entfristen, da sich diese Zahl nur auf die Haushaltstellen bezieht. Wieviele Postdocs arbeiten in Deutschland auf Haushaltstellen, wieviele auf Drittmittelstellen? Das wäre als Bezugsgröße für den Anteil der entfristeten Stellen entscheidend. Wichtig wäre auch die Zahl der W1 Stellen mit tenure track zu benennen, auf die sich Postdocs bewerben könnten, um die Chance beurteilen zu können, eine Professur zu erreichen, wenn dies, wie ...

#7 -

Zauberlehrling | Do., 30.06.2022 - 16:52
"Wissenschaft ist kompetitiv unabhängig davon, wie man beschäftigt ist."

Die Aussage ist falsch. Wissenschaft im aktuellen System baut auf Vetternwirtschaft auf. Wer behauptet, es handelt sich um eine Meritokratie, der lügt sich selbst in die Tasche.



Der Autor und die Intervieweten unterschlagen, dass sie es in 10 Jahren nicht geschafft haben. Sie erfüllen ihren eigenen Anspruch unter wahrscheinlich damaligen besseren Bedingungen selbst dann nicht.



@Samsa: Mag sein, dass HRH Stakeholder sind, die sich zu wichtig nehmen. Aber wenn es am Ende darauf ankommt, die Arbeit im Labor zu machen, sind es nicht die Mitglieder der HRH. #ichbinhanna hat schon viel ...

#8 -

Angela Ittel | Di., 05.07.2022 - 14:30
Bei all der geäußerten und teils berechtigten Kritik am Wissenschaftssystem ist zu bedenken, dass das von vielen #ichbinHanna Vertreterinnen so hochgelobte Berliner Modell weniger Flexibilität und Möglichkeiten zur Entwicklung schafft, als der Vorschlag der HRK. Der gefürchtete Exodus geschieht viel früher. Und auch der (sehr gute) Vorschlag der Jungen Akademie plädiert vor jeder Verstetigungsstufe (auch im Mittelbau) für das Einhalten glasklarer und wettbewerblicher Qualitätskriterien. Erreicht man diese nicht, ist man draußen. Das wettbewerbliche Verfahren um Verstetigung oder Tenure beginnt im HRK Vorschlag erst NACH den vorgeschlagenen 10 Jahren, die Zeit für flexible Qualifikationsentwicklung geben.

#9 -

UniJuristin | Di., 09.08.2022 - 15:38
Das ist der erste halbwegs qualifizierte Beitrag zu diesem Thema, den ich in der Sache lese. Das Berliner HG schreibt am Thema vorbei, ist zwar "publikumswirksam", aber weder in der Praxis umsetztbar noch sinnvoll, vor allem in gesetzbeberischerm Sinne :Murks! Das wird das BVerfG bestätigen.Wir haben an unserer Uni Dauerstellen, die mit Wissenschaftler*innen besetzt sind, aber zurVerwaltung zählen: Fakultätsreferent*innen/-managerinnen, Studiendekanatsreferent*innen, Laborleitungen etc. Es gibt diese Stellen und das ist gut so. Und dann gibt es eben die Qualifikationsstellen und die müssen zeitlich begrenzt sein, sonst wären sie keine Qualifikationsstellen. Der ewige Habilitand ist ja kein Modell- nicht wirklich. Und ja: ...

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