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Euphorie und Wirklichkeit

Mehr Dauerstellen neben der Professur? Neue HRK-Leitlinien wecken Hoffnungen bei Gewerkschaften und Initiativen – doch die politischen Realitäten bewegen sich in eine andere Richtung.

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Artikelbild: Euphorie und Wirklichkeit

Screenshot aus dem WissZeitVG-Erklärvideo des BMBF (von 2021).

AMREI BAHR ZEIGTE SICH hocherfreut. "#IchBinHanna wirkt!", postete die "#IchBinHanna" Mit-Initiatorin am Montag bei BlueSky . Während der GEW-Vizevorsitzende Andreas Keller bei "X" kommentierte: Egal, was aus der immer noch nicht verabschiedeten Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) werde: "Unsere Forderungen sind nicht mehr einzufangen."

Die seit Jahren lauteste Forderung, auf die Keller anspielte, lautet: "Dauerstellen für Daueraufgaben". Und Anlass für die Freude von Bahr wie Keller waren die " Leitlinien für unbefristete Stellen an Universitäten neben der Professur ", welche die Mitgliedergruppe Universitäten in der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zusammen mit der Jungen Akademie verabschiedet und am Montagmorgen veröffentlicht hatte.

Zentraler Inhalt: Die Universitäten erkennen den Bedarf an zusätzlichen Dauerstellen neben der Professur an und beschreiben zusammen mit der Jungen Akademie konkret drei Kategorien, die sie in dieser Form für sinnvoll halten: Lecturer (mit maximal zwölf Semesterwochenstunden Lehre), Researcher (acht SWS) und Academic Manager (vier SWS). Das Lehrstuhlprinzip wird in dem Papier nicht direkt in Frage gestellt, aber, wie Keller das formuliert, "angebohrt", und zwar in Richtung ...

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Kommentare

#1 -

Karla K. | Mo., 24.06.2024 - 23:58
Lassen wir mal außen vor, dass öffentlich-finanzierte Projektmittel sinnvollerweise zu einem erheblichen Anteil in Grundmittel der Hochschulen umgewandelt werden sollten, so dass diese ihren eigentlichenn Aufgabe nachgehen können - es gibt da etwas, das ich nicht wirklich verstehe:



Die Hochschulen erhalten in erheblichem Umfang Mittel aus dem Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken - eine Hochschulleitung mit Interesse an zusätzlichen unbefristeten Stellen im wissenschaftlichen Bereich hätte also durchaus Ressourcen hierfür zur Verfügung. (Und Hochschulleitungen in NRW hätten darüber hinaus auch noch jährlich 300 Mio. Euro Qualitätsverbesserungsmittel, die ebenfalls auch für unbefristete Stellen verwendet werden könnten. Wenn man denn wollte.)



Hilfreich wäre ...

#2 -

Leif Johannsen | Di., 25.06.2024 - 08:31
Als die ZSL Mittel eingefuehrt wurden und die QL Mittel abloesten war ich Mittelbauvertreter in der "ZSL-Kommission" einer Fakultaet an einer grossen technischen Uni. Die damaligen Diskussionen drehten sich um die Tatsache, dass die ZSL-Mittel an die sich entwickelnden Studierendenzahlen gekoppelt sind. D.h. letztlich ist ein konservatives Vorgehen sinnvoll, d.h. kein Ausschoepfen der ZSL-Mittel beim Schaffen von Lehrdauerstellen, wenn man nicht weiss wo die Studierendenzahl zu Beginn des naechsten Zyklus liegen werden. Fallen die Studi-Zahlen im Vergleich zum frueheren Zyklus hat man ploetzlich unfinanzierte Dauerstellen von Mitarbeitern, die man nicht mehr loswerden kann. Also wurden moeglichst wenige neue Dauerstellen diskutiert.

#3 -

Edith Riedel | Di., 25.06.2024 - 11:08
Die GEW hat leider von der Forschungsrealität keinerlei Ahnung. Promotion plus mindestens zwei Jahre Postdoc-Erfahrung für "Researcher" ist in keine Disziplin eine zu hohe Einstellungsvoraussetzung! So viel Erfahrung muss schon sein, wenn man unbefristet auf eine Forschungsstelle eingestellt werden soll.

#4 -

Leif Johannsen | Di., 25.06.2024 - 13:54
Kurzer Nachtrag: nachdem was ich so hoere, werden ZSL Mittel heutzutage sehr flexibel fuer jegliche Massnahmen der Qualitaetsverbesserung eingesetzt. Das Vorgehen erinnert mich stark an die breiten Definitionen fuer die Verwendung der Mittel aus den Studienbeitraegen damals, die ja fuer alles Moegliche eingesetzt werden konnten, was nicht unter die Grundausstattung der Hochschulen fiel. In Lehr- und Forschungspersonal wurde natuerlich investiert, schon eher in computerisierte white boards, die dann kaum jemand genutzt hat.

#5 -

Leif Johannsen | Di., 25.06.2024 - 14:08
@Edith Riedel: die GEW hat nur soviel Ahnung wie ihre Mitglieder. Wenn keine Forscher_innen Mitglieder werden, dann hat keiner das entsprechende Wissen. Auch ich bin der Meinung, dass Promotion + 2 zu wenig Erfahrung darstellt fuer einen researcher, um festangestellt zu werden. Zur Zeit meiner ersten Post-doc-phase in UK musste man 5 Jahre Post-doc-Erfahrung vorweisen, um selbstaendige Drittmittelantraege stellen zu duerfen. Diese Zeit benoetigt man auch, um ein eigenes Profil zu entwickeln. Auf einer Festanstellung ginge letzteres natuerlich deutlich besser, nur sollte man sich vor der Dauerstelle schon irgendwie durch selbstaendige Forschung bewiesen haben. Aber zu Zeiten der "Regulitis" muss ...

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