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"Wissenschaft ist entscheidend – im Wahlkampf aber nicht"

Ein Podcast mit SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach über Berliner Forschungspolitik, verlorenes Vertrauen zwischen Senat und Hochschulen, seine Rückkehr aus Hannover und den Versuch, gegen Kai Wegner Wechselstimmung zu erzeugen.
Collage aus Cover des Podcasts

Foto Steffen Krach: Florian Büttner.

MIT DEM MANN, auf dessen Amt er es abgesehen hat, teilt Steffen Krach ein Hobby. Wie Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner spielt auch der SPD-Spitzenkandidat leidenschaftlich gern Tennis. Auch gegeneinander? "Würde ich sofort machen", sagt er und fügt süffisant hinzu: "Aber nur, wenn kein Stromausfall ist."

Womit Steffen Krach, im Podcast "Wiarda wundert sich" zu Gast, zielsicher auf Wegners bislang größten Fehltritt angespielt hat: den Samstagmorgen im Januar, als Hunderttausende plötzlich ohne Strom und Heizung waren, der Regierende trotzdem Tennis spielen ging und danach zunächst behauptete, er habe sich den ganzen Tag im Büro eingeschlossen.

Steffen Krach wiederum hat seine eigenen Probleme im langsam Fahrt aufnehmenden Wahlkampf. Das historisch schlechte Abschneiden der SPD bei den baden-württembergischen Landtagswahlen zum Beispiel oder der Balanceakt, den es erfordert, Wechselstimmung zu erzeugen, wenn die eigene Partei gleichzeitig Wegners Koalitionspartner ist und in den Umfragen zurückliegt. Wie er damit umgeht, erzählt er im Gespräch mit Jan-Martin Wiarda.

Der 46-Jährige Krach ist ein Berlin-Rückkehrer. Die Politikszene der Hauptstadt kennt ihn als langjährigen Staatssekretär für Wissenschaft zwischen 2014 und 2021. In diese oft als "Goldene Zeit" der Berliner Wissenschaft bezeichneten Jahre fielen Projekte wie die Berlin University Alliance, die Fusion des Berlin Institute of Health mit der Charité und der Aufbau neuer Forschungsstrukturen. Besonders wichtig ist Krach bis heute die Gründung des Deutschen Herzzentrums an der Charité. "Das war ein langer Kampf", sagt er rückblickend.

Hat die Stadt auch Lust auf Krach?

Nach sieben Jahren im Berliner Senat wechselte Krach 2021 zurück in seine Geburtsstadt Hannover und wurde Regionspräsident der Region Hannover mit rund 1,2 Millionen Einwohnern. Dort war er unter anderem für Nahverkehr, Gesundheitsversorgung und berufsbildende Schulen zuständig. Was treibt ihn wieder nach Berlin? "Ich habe über 20 Jahre hier gelebt, hier geheiratet, meine Kinder sind hier geboren", sagt er. Die Familie sei inzwischen wieder in die Hauptstadt gezogen, und er habe "Lust auf diese Stadt".

Hat die Stadt auch Lust auf Krach? Es komme darauf an, sagt er, die richtigen Themen im Wahlkampf zu setzen. Als wichtigste Punkte nennt er bezahlbaren Wohnraum, Sicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und die Funktionsfähigkeit des Staates. "Es sind bestimmte Dinge dysfunktional in dieser Stadt", sagt er. Dass die SPD derzeit nicht vorne liegt, sieht er als Ansporn: "Mich reizt schon so eine Ausgangssituation, dass alle glauben, man hat keine Chance."

Und was ist mit Bildung und Wissenschaft? Im Wahlkampf, sagt Krach, würden diese Politikfelder vermutlich keine große Rolle spielen. Aber dafür eine "entscheidende", wenn er Regierender Bürgermeister sei: Für die Zukunftsfähigkeit der Stadt sei die Wissenschaftspolitik zentral.

Zwischen Lavieren und klarer Kante

Es ist dieses Einerseits-Andererseits, das sich an verschiedenen Stellen durch das Gespräch zieht. Auffällig wird das besonders, wenn Krach, der sonst so gern zuspitzt, plötzlich ins Lavieren kommt. Die Kürzungen bei den Hochschulen täten weh, sagt er, schiebt aber angesichts einer SPD-Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra sofort hinterher, das sei "kein Vorwurf an die handelnden Personen" angesichts der schwierigen Haushaltslage. Dennoch: "Die Wissenschaft hat gelitten, die Kultur hat auch gelitten, und das sind zwei Bereiche, die zu den absoluten Stärken Berlins gehören."

Sein Ziel für die nächste Legislaturperiode sei, "dass wir diese Bereiche wieder stärken". Dass Berlin in der Exzellenzstrategie nicht mehr die meisten Cluster habe erringen können, habe ihm "schon wehgetan". "Hier ist Bayern an Berlin vorbeigezogen. Das müssen wir wieder ändern." Gerade in der Wissenschaft seien die Chancen im Moment riesig, auch international weiter nach vorn zu kommen. Auch bei der künftigen Rolle der Wissenschaft im Senat legt er sich nicht fest. Ob Forschung wieder enger an die Senatskanzlei angebunden werden solle wie früher, lasse sich jetzt nicht sagen, "da gibt es verschiedene Varianten".

Umso klarer zeigt Krach in der Bildungspolitik Kante. Kein Wunder, hier kann er gegenüber einer CDU-Bildungssenatorin voll aufspielen. Das größte Problem, sagt er, sei der Mangel an ausgebildeten Lehrkräften und der bauliche Zustand mancher Schulen. Sehr deutlich spricht sich der Vater dreier Jungs im Kita- und Grundschulalter für ein Handyverbot an Grundschulen aus. Handys hätten dort "nichts zu suchen." Und ein Social-Media-Verbot für Jugendliche? "Ich bin dafür, wäre auch offen, ob man das jetzt bis 14 oder bis 16 macht." Aber natürlich müsse die Frage beantwortet werden, wie man ein solches Verbot effektiv umsetze.

Ein Gespräch über Krachs Zeit in Hannover, sein Faible für die Wissenschaftspolitik, verloren gegangenes Vertrauen in den Hochschulen – und seinen festen Vorsatz, "über 20 Prozent zu holen und Platz eins zu haben".

Nein, zu wenig demonstratives Selbstbewusstsein kann man Krach nicht vorwerfen. Auch nicht beim Tennis. "Ich glaube", sagt der Herausforderer von Kai Wegner, "ich würde ihn schlagen – genauso wie bei der Wahl am 20. September." JMW



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Kommentare

#1 -

Wolfgang Kühnel | Di., 17.03.2026 - 11:39

"Das größte Problem, sagt er, sei der Mangel an ausgebildeten Lehrkräften und der bauliche Zustand mancher Schulen."

Herr Krach vergisst zu erwähnen, dass genau diese Probleme dem jetzigen Senat nach 25 Jahren mit SPD-Schulsenatoren hinterlassen wurden. Warum hat er das denn damals nicht schon kritisiert? Als Staatssekretär für Wissenschaft hätte er ja mal mit der Schulsenatorin Scheeres reden können. Bei den Finanzen ist es doch auch nicht anders: Weil der rot-rot-grüne Senat so großzügig Geld ausgegeben hat, muss der jetzige Senat Einsparungen vornehmen. Es ist immer das gleiche Spiel. Beim Wahlvolk wird das nicht gut ankommen. Nach letzten Umfragen liegt die SPD noch hinter der AfD. Warum ist das wohl so? Seit 1951 gab es die meiste Zeit einen Regierenden Bürgermeister von der SPD, nur ca. 22 Jahre lang einen von der CDU. Schon vergessen? Unter Wowereit und Müller (beide SPD) entwickelte sich der BER-Flughafen wie jetzt Stuttgart 21.

#2 -

Simon Büchler | Di., 17.03.2026 - 21:49

Bislang habe ich mich noch nicht mit Steffen Krach befasst und hab dann den Podcast als Anlass genommen. Ich finde wirklich erschreckend, wie wenig Einblick er offenbar als Spitzenkandidat in die Berliner Schullandschaft hat und trotzdem drüber spricht. 

Demokratiebildung nicht erst ab Klasse 7? 
Bitte lassen Sie sich briefen über den Rahmenlehrplan Teil B, insbesondere die Demokratiebildung und den Klassenrat. 

Quer- und Seiteneinsteiger als das größte Problem der Berliner Schule? 
Bei uns an der Schule fällt inzwischen so viel Unterricht aus, da würden wir uns über jeden Seiteneinsteiger freuen. Die Inklusionsstunden werden gekürzt, die Schwachen fallen immer weiter zurück. Sinnerschließendes Lesen in Klasse 10 können bei uns viele nur noch mit Schwierigkeiten, manche nur in Ansätzen. Da ist nahezu egal, wer vor der Klasse steht, das bekommt die beste Lehrkraft nicht in den Griff. Wir haben inzwischen immer mehr Schüler im 7. Jahrgang, die nicht annähernd alphabetisiert sind und so schlecht Deutsch verstehen, dass sie eigentlich in Willkommensklassen sein müssten. Die sind aber gebürtige Berliner. Da muss sich die Politik mal endlich ehrlich machen und die Probleme offen ansprechen. 

Dass Herr Krach auf die Sorgen der Eltern beim Anmeldeverfahren an den Gymnasien eingeht, wirkt auf mich eher so, als hätte er die letzten Monate mal durch den Tagesspiegel geblättert, aber nicht so, als kenne er sich mit der Situation an den Schulen vor Ort auch nur ansatzweise aus. 

Bald gehen die Boomer in den Ruhestand, dann wird der Personalmangel noch deutlich schlimmer. Und es verlassen jedes Jahr viele Lehrer Berlin oder den Schuldienst insgesamt, weil die Verhältnisse so schlecht sind. 

Meine Kritik an Steffen Krach heißt übrigens nicht, dass ich die CDU besser finde. Aber anders als behauptet ist unter Frau Günther-Wünsch gerade keine "Ruhe eingekehrt", der Skandal um den diskriminierten schwulen Pädagogen hat über Wochen Unruhe reingebracht. Jetzt soll noch Ethik als Pflichtfach abgeschafft werden, obwohl nach 20 Jahren endlich genug studierte Ethiklehrkräfte aus den Hochschulen an den Schulen angekommen sind. Die Berliner Bildungspolitik ist einfach zum Haareraufen!

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