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Man fragt sich: Wieso wird dem überhaupt nachgegangen?

Die Leibniz-Preisträgerin Britta Nestler berichtet von ihren Monaten unter falschem Verdacht und fordert Konsequenzen für den Umgang mit anonymen Whistleblowern.

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Artikelbild: Man fragt sich: Wieso wird dem überhaupt nachgegangen?

VOR VIER WOCHEN hat die Karlsruher Materialforscherin Britta Nestler mit fast viermonatiger Verspätung den Leibniz-Preis erhalten, nachdem sich die gegen sie anonym erhobenen Anschuldigungen wissenschaftlichen Fehlverhaltens als falsch erwiesen hatten. " Der bittere Preis der Integrität ", hatte ich daraufhin geschrieben, und ein Kollege von Nestler, Peter Gumbsch, forderte in einer Replik auf meinen Kommentar , die Wissenschaft braucht einen Kodex für den Umgang mit anonymen Anschuldigungen.

Spätestens seitdem hat fast jeder, mit dem man über Nestlers Fall redet, gute Ideen, was sich aus ihm lernen ließe. Zum Beispiel, dass endlich die nationale Plattform zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten kommen müsse, die der Wissenschaftsrat 2015 gefordert hatte, um Ermittlungen bundesweit zu dokumentieren und den Umgang mit Vorwürfen zu standardisieren. Ausgerechnet jetzt wurde jedoch bekannt, dass die Allianz der Wissenschaftsorganisationen einer solchen Plattform eine Absage erteilt hat, wie vergangenen Donnerstag meine Kollegin Christine Prußky in der ZEIT berichtete. Man sehe keinen "klaren Mehrwert", erklärte Helmholtz-Präsident Otmar D. Wiestler, zurzeit Sprecher der Allianz.

Andere meinen, es wäre besser, wenn die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ...

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Kommentare

#1 -

ST | Di., 01.08.2017 - 13:43
Sehr geehrter Herr Wiarda,



mich macht der Fall – und das, was Sie zu Recht schreiben – ziemlich nachdenklich. Denn solche Versuche eines ‚Rufmords‘ sind wirklich schlimm. Was die konkreten Folgen für Frau Nestler waren, das haben Sie ja in der SZ geschrieben (http://www.sueddeutsche.de/bildung/wissenschaft-man-weiss-man-ist-unschuldig-und-doch-traut-man-dem-system-nicht-1.3605214). Den psychischen Druck kann ich mir leibhaft vorstellen.



Es gibt aber m.E. ein Aspekt, der in der Diskussion noch nicht angesprochen wurde: Der wissenschaftliche Habitus. Zumindest scheint der mir eine auffällig große Leerstelle – vielleicht sogar „Tabu“? – in der Diskussion darzustellen. So schlimm der Fall von Frau Nestler ist, so hat doch die Vergangenheit mit ...

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 01.08.2017 - 13:56
Sehr geehrte/r ST,



vielen Dank für Ihre ausführliche und ausgewogene Rückmeldung. Ich stimme Ihnen – eigentlich – in jedem Punkt zu. Deshalb hatte ich ja meinen ersten Kommentar zum Fall Nestler mit der Überschrift "Der bittere Preis der Integrität" versehen. Wir BRAUCHEN diese Transparenz, wir BRAUCHEN sie gerade angesichts der von Ihnen beschriebenen Habitus-Probleme. Ich werde mich dem Thema demnächst noch einmal in einem längeren Artikel (Stichwort "Simulation" von Sensibilität) widmen. Und die Whistleblower-Möglichkeit ist, wie Sie schreiben, gerade aus Sicht des Nachwuchses unverzichtbar. Allerdings – und daher das "eigentlich" in meinem ersten Satz: Wir müssen eben auch eine Möglichkeit ...

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