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Bevor die Politik eingreift, sollten wir das selbst regeln

Imageprobleme, Intransparenz, mangelnde Standards: Der Philosophische Fakultätentag will die Habilitation retten. Der Vorsitzende Tassilo Schmitt sagt, wie das gehen soll.

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Artikelbild: Bevor die Politik eingreift, sollten wir das selbst regeln

Tassilo Schmitt , 57, ist Althistoriker, Professor an der Universität Bremen und Vorsitzender des Philosophischen Fakultätentages. Foto: privat.

Herr Schmitt, seit 15 Jahren gibt es die Juniorprofessur, jetzt etablieren Bund und Länder den Tenure Track als Zugang zur Professur. Hat die Habilitation sich überlebt?

Sicher nicht. Die Habilitation ist in vielen Fachkulturen immer noch eine besonders gute Methode, um die wissenschaftliche Qualifikation eines Wissenschaftlers nachzuweisen. In einer Tiefe und zugleich in einer Breite, die kein anderes Verfahren ermöglicht.

Aber ihre Bedeutung als Königsweg zur Professur hat sie doch längst eingebüßt.

Ihre Bedeutung als einzigen Weg. Das ist ein Unterschied. Damit habe ich auch kein Problem – auch sonst kenne ich niemand, der sich ernsthaft die Vergangenheit zurückwünscht. Aktuell haben wir als Philosophischer Fakultätentag eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit dem Potenzial der Kombination von Juniorprofessur und Tenure Track beschäftigt und die Vergleichbarkeit der vorhandenen Modelle sichern soll. Das heißt aber nicht, dass wir die Habilitation als bewährten Qualitätsnachweis aufgeben wollen. Im Gegenteil: In den Geisteswissenschaften und speziell in den Kleinen Fächern würde ich so weit gehen zu sagen, dass ...

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Kommentare

#1 -

Klaus Diepold | Do., 10.01.2019 - 12:43
Die Habilitation ist einfach, die Rehabilitation ist so schwer ;-)

Seriously, ich finde die Habilitation in jedem Fall überholt und unnötig. Und die oft angesprochenen Missstände sind sehr wohl ein Resultat des Habilitationsprozesses, weil der/die HabilitantIn akademisch nicht unabhängig und frei ist. Tenure Track Assistenzprofessur ist der Weg in die Zukunft. Juniorprof. ohne Tenure Track ist ein Fehler und deswegen auch gescheitert.

#2 -

tmg | Do., 10.01.2019 - 23:12
@1 Was hier überholt oder unnötig ist oder scheitern wird, werden wir noch sehen. Die Haltung zur Habilitation hängt vielleicht auch davon ab, ob man diese Qualifikation selbst erreicht hat. Ich bin ferner gespannt, wie oft es zu einer Negativevaluierung kommen wird für einen tenure track-Kandidaten. Bei Juniorprofessoren liegt die Zahl von Negativevaluierungen nach der Halbzeit vermutlich im Promillebereich. Bei tenure track wird es ähnlich werden. Wer möchte schon dafür verantwortlich sein, die Karriere eines Kandidaten für immer zu stoppen, denn das wird beim deutschen Modell die Konsequenz einer Negativevaluierung sein - im Gegensatz etwa zur Situation in den USA.

#3 -

tutnichtszursache | Fr., 11.01.2019 - 11:14
Der m.E. größte Skandal rund um die Habilitation wird weder in den PhFT-Empfehlungen noch im Interview benannt: Viele Habilitationsschriften werden nie veröffentlicht. Für den universitären Innenbetrieb reicht ja, dass sie vorhanden sind und als Grundlage einer Berufung gedient haben - und danach ist alles egal, jedenfalls vielen.

Das bedeutet: Viele Jahre wissenschaftlicher Arbeit erblicken nie das Licht der Öffentlichkeit und werden nicht Gegenstand des Kerns wissenschaftlicher Qualitätskontrolle, nämlich des wissenschaftlichen Diskurses. Das geht so nicht. Eine Professur mit unveröffentlichter Habilitation sollte stets befristet sein (max. 3 Jahre) und erst entfristet werden, nachdem eine Veröffentlichung erfolgt ist.

Das lässt sich heutzutage ...

#4 -

Theo Jung | Fr., 11.01.2019 - 13:43
Dass es absurd ist "jemand zu bescheinigen, er könne lehren, ohne sich die Lehre des Betreffenden eingehend angeschaut zu haben" ist nicht falsch. Ungefähr genauso absurd wie die Beurteilung einer Person mit ca. 8 Jahren Lehrerfahrung auf der Basis einer 'Probe'.

#5 -

McFischer | Mo., 14.01.2019 - 11:44
Auch als nicht-Habilitierter (aber mit solchen im Bekanntenkreis) erscheint mir die Habilitation ein wirklich überholtes Stück deutscher Professorenherrlichkeit zu sein. Der ursprüngliche Gedanke des Nachweises einer "Lehrbefähigung" durch die Habilitation ist absurd. Gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften lehren schon die Doktoranden. Wer sich habilitiert, hat also schon meist etliche Seminare, Hauptseminare, Methodenkurse etc. gelehrt, wurde evaluiert etc. Die im Interview genannte Probevorlesung als Nachweis didaktischer Fähigkeiten ist (somit) lächerlich. Das ist doch nur ein Schaulaufen, zu dem Freunde und akademische Kollegen eingeladen werden.

Die didaktische Befähigung sollte besser im Rahmen von Berufungsverfahren Thema sein - wird aber auch hier ...

#6 -

McFischer | Mo., 14.01.2019 - 11:48
Noch ein Nachtrag zu "tutnichtszurSache":

Ist das Argument ""Eine Professur mit unveröffentlichter Habilitation sollte stets befristet sein (max. 3 Jahre) und erst entfristet werden, nachdem eine Veröffentlichung erfolgt ist." wirklich ernst gemeint?

Die Professur ist meist die erste unbefristete Stellung für deutsche Wissenschaftler/-innen. Das sollte man sicherlich grundlegend ändern, aber falls nicht: dann bitte nicht noch diese Position auch wieder als Zeitvertrag! Irgendwann sollte man/frau auch einmal mit der Lebensplanung beginnen dürfen.

#7 -

Klaus Diepold | Mo., 14.01.2019 - 14:30
@tmg

In welchem Ausmaß die Tenure Evaluierung ernsthaft durchgezogen wird hängt natürlich von der Kultur der jeweiligen Hochschule ab. Der ganze Prozess repräsentiert einen Kulturwandel und wenn man bedenkt, dass die Hochschule in ihrer wertkonservativen Grundhaltung nur noch vom Militär und dem Vatikan übertroffen wird kann das schon ein bisschen dauern, bis das "neue" System wirklich funktioniert. Bis dahin können wir die Habilitation schon mal streichen. Die Gründe dafür sind allemal bekannt.

#8 -

tutnichtszursache | Fr., 18.01.2019 - 15:08
zu McFischers Frage an mich Nr. 6:

Ja, das meine ich ernst. Der Befristungswahnsinn - geschenkt, da sind wir uns alle einig. Persönlich halte ich das Modell Juniorprofessur/tenure track auch um Meilen besser. Gleichwohl wissen wir alle, wie zäh sich die Habilitation in manchen Fachkulturen hält, und im Sinn von bunter Diversität - warum nicht, zumal die Hürden für eine administrative Abschaffung sehr hoch sind.

Alles, was ich will, ist, dass Habilitationsschriften nicht verstauben, sondern veröffentlicht werden. Immer. Verpflichtend. Und dazu dient meine Idee. Die Habil ist ja schon da, wenn der Ruf erfolgt. Der/die frischgebackene Professor/in muss sie nur ...

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