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Wir müssen die Debatte entritualisieren

Die Universität Kiel verbietet einer Studentin die Gesichtsverschleierung, weil ein Professor sich gestört fühlt. Ist das der richtige Weg?

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Artikelbild: Wir müssen die Debatte entritualisieren

Eine verschleierte Frau (Symbolbild). Foto: Pxhere - cco.

ES GIBT DEBATTEN, die sind wie Rituale. Die über das Tragen von Niqabs in öffentlichen Räumen zum Beispiel. Jeder hat dazu eine Meinung, jeder muss sie auch unbedingt äußern, und doch sind es fast immer pure Emotionen, die hinter den vermeintlichen Argumenten hervorlugen.

Der Niqab wird bei Wikipedia als "Gesichtsschleier" beschrieben, der von einigen muslimischen Frauen getragen wird und je nach Form das gesamte Gesicht bedeckt oder den Teil unterhalb der Augenpartie.

Niqab-Trägerinnen an deutschen Hochschulen sind äußerst selten, wahrscheinlich bewegt sich ihre Zahl im niedrigen zweistelligen Bereich – bundesweit. Doch könnte man derzeit einen anderen Eindruck bekommen, seit die Universität Kiel ein Niqab-Verbot erlassen hat. Nicht einfach so, sondern weil ein Professor sich durch eine Niqab-Trägerin so stark gestört fühlte, dass er von der Unileitung einen Schleier-Bann verlangte. Das Präsidium kam der Forderung nach, die Debatte schwappte in die Landespolitik über und von da direkt in die bundesweite Öffentlichkeit.

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Kommentare

#1 -

Günther K. | Di., 26.02.2019 - 09:17
Ist es besser, ein Thema wie dieses den "Linken" zu überlassen, statt den "Rechten"? (Wer ist das überhaupt?)
Kann die Bekleidung von Personen, insbesondere in öffentlichen Institutionen, egal sein, wenn mit dieser ein antipluralistisches Weltbild transportiert wird?
Wäre dieses hinzunehmen, nur weil es (angeblich) Teil einer Religionstradition ist?
Ab welcher Schwelle betroffener Personen wird das Thema "relevant"?

#2 -

Andreas | Di., 26.02.2019 - 11:22
Der nächste setzt sich mit Sturmhaube eine Veranstaltung und findet auch einen guten Grund dafür. Wir sollten zwar in unserer Gesellschaft tolerant sein, trotzdem gibt es Regeln, wie wir miteinander umgehen und nicht jedem Minderheitenwunsch muss entsprochen werden. Aus welchen Gründen auch immer.

#3 -

Josef König | Di., 26.02.2019 - 13:06
Es gab einen Fall in der Ruhr-Uni Bochum vor gut 10-12 Jahren. Er wurde im Rektorat diskutiert, der Professor für für Islamische Wissenschaft als Ratgeber dazu gehört, ich war auch zugegen. Dazu ist dann eine Entscheidung gefallen, die versuchte, differenziert die Bedürfnisse der Religionsausübung mit den Erfordernissen von Lehre und Forschung zu vermitteln und auch die Fächerkulturen zu berücksichtigen.

Es ist nicht allein, aber sehr wohl zB für Geisteswissenschaftliche Seminare und ihre Diskussionskultur üblich, Mimik und Gestik einzubeziehen, es ist auch zu fragen, wie wird die Identität von Prüflingen festgestellt, wenn sie völlig vermummt sind, wie wird Täuschungsversuchen vorgebeugt, was ...

#4 -

Klaus Diepold | Di., 26.02.2019 - 19:32
Wie schon jetzt zu sehen ist, haben Sie Herr Wiarda durchaus Recht mit der Befürchtung, dass eine sachliche Diskussion schwer sein dürfte.



Vielleicht hilft es, wenn wir uns informieren, wie vergleichbare Situationen in anderen Ländern gehandhabt werden, die mehr Erfahrung in diesen Dingen haben. Wie handhaben das z.B. Universitäten in Canada?



Ich finde auch den Hinweis wichtig, dass die Fallzahl insgesamt sehr niedrig ist und eine gesetzliche Regelung nur schwerlich rechtfertigt.



Irgendwie kann ich nicht nachvollziehen warum der Kollege sich von einer verschleierten Teilnehmerin seiner Lehrveranstaltung so gestört fühlt, dass er nach Maßnahmen schreit. Meine Tochter würde hier sagen:" chill ...

#7 -

T.P. | Sa., 16.03.2019 - 00:19
Der Nikab ist eine Ausdrucksform des politischen Islam, einer religiösen Ideologie, die ganz sicher nicht im Einklang mit den freiheitlichen Grundwerten eines Ortes der Aufklärung und des säkularen Wissens steht. Zugleich ist es ein Instrument der Sexualisierung sowie der Absetzung zwischen Frau und Mann. Man sollte meinen, dass derartiger religiöser Fundamentalismus an Hochschulen nichts verloren hat.

#8 -

Christian B. | Sa., 16.03.2019 - 22:28
Wer Vollverschleierung praktiziert ist kein Feierabendmoslem, sondern fundamentalistisch. Nun schauen wir uns einmal um, wie Fundamentalisten sich so zu benehmen pflegen - darf eine westliche Frau sich in ihren Ländern kleiden "wie sie es gewohnt ist"?



Diese Leute werden in einer Minderheitenposition immer dahingehend argumentieren dass sie diese oder jene Praktik ja nur für sich anwenden und das deshalb niemanden zu stören braucht bzw. etwas angeht (= eigene Gesetze für jede Gruppe). In einer Mehrheitsposition ist damit ganz schnell Schluss, da gelten auf einmal verschiedene Stufen islamischer Alltagsregeln für alle. Mithin möchten diese Leute, sofern im Westen ansässig, hier an ...

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