Aktionistische Debatten beruhigen
Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien sagt, wie sie die Schulen auch bei steigenden Infektionszahlen offenhalten will – und wie sie Maskenpflicht und Aerosol-Messungen im Klassenzimmer bewertet.

Karin Prien (CDU) ist seit 2017 Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Foto: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Die ersten Bundesländer sind ins neue Schuljahr gestartet, darunter Schleswig-Holstein, und die Kultusminister sehen sich wie schon so oft in der Coronakrise heftigen Vorwürfen ausgesetzt: Sie hätten die Ferien besser nutzen müssen, um die Schulen auf den Vollbetrieb unter Pandemie-Bedingungen vorzubereiten. Haben Sie den Sommer verpennt, Frau Prien?
Ich würde manche Leute gern mal einladen, damit sie sehen, welches Arbeitspensum meine Mitarbeiter, aber auch die Schulaufsicht, die Schulleitungen und viele Lehrkräfte überall in Schleswig-Holstein in den vergangenen sechs Wochen geleistet haben. Schon Ende des letzten Schuljahrs haben wir unser Rahmenkonzept für die Aufnahme des Schulbetriebs vorgelegt, inklusive umfassender Hygiene-Richtlinien. Wir haben während der Ferien immer wieder den wissenschaftlichen Beirat unseres Ministeriums konsultiert, die aktuelle Lage neu bewertet und unser Konzept entsprechend ergänzt: um einen Leitfaden für den Umgang mit vulnerablen Schülerinnen und Schülern zum Beispiel, um Handlungsempfehlungen, wie bei Grippe und Erkältungserkrankungen zu verfahren ist, und vieles mehr. Ganz zu schweigen von unseren Anstrengungen, die Digitalisierung an den Schulen auf allen Ebenen mit Hochdruck voranzutreiben. Und erst vergangene Woche haben wir im Kabinett einen Corona-Reaktionsplan beschlossen.
Ein Vier-Stufen-Plan, in dem Sie Schwellenwerte festlegen. Abhängig vom Infektionsgeschehen in den Landkreisen werden die Hygiene-Schutzmaßnahmen an den Schulen verstärkt, und erst bei mehr als 50 Infizierten pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen müssen die Schulen zu einem Mischmodell aus Präsenz- und Fernunterricht übergehen. Für komplette Schulschließungen liegen die Hürden noch höher. Nach Bayern und Sachsen ist Schleswig-Holstein das dritte Land, das einen solchen detaillierten Plan präsentiert hat. Aber auch der kam erst am Wochenende vor dem Schulstart. Sie müssen zugeben: Das sieht schon nach heißer Nadel aus.
Ist es aber nicht. Wir haben seit Anfang der Sommerferien an dem Plan gearbeitet. Doch es war uns wichtig, vor Veröffentlichung die Stellungnahmen der Leopoldina und der großen medizinischen Fachgesellschaften abzuwarten, und die kamen erst vergangene Woche. ...
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