Diese Leute stellen die Machtfrage
DFG-Präsident Peter Strohschneider über Wissenschaftsfeindlichkeit in Ungarn, den USA und anderswo – und wie man sie bekämpfen kann.

Die Türkei entlässt zehntausende Wissenschaftler, Polens Regierung fördert polenfreundliche Wissenschaftsdisziplinen, und Donald Trump forderte kurz nach seiner Wahl Namenslisten von Klimaforschern an: Ist Wissenschaftsfreiheit ein Auslaufkonzept?
Was wir erleben, ist paradoxerweise ein Beleg für die umfassende Bedeutung, die Wissenschaft erlangt hat. Je abhängiger sie von den Wissenschaften wird, umso anspruchsvoller ist es für die Gesellschaft, diesen die nötige Unabhängigkeit einzuräumen. Die Wissenschaften verändern die Grundlagen unseres Zusammenlebens, sozial, kulturell, ökonomisch. Der technologische Fortschritt zwingt uns, öffentliche Kommunikation neu definieren und zu regulieren. Wir müssen unser Verständnis von Leben neu denken, weil nicht mehr eindeutig ist, wann es anfängt, wann es aufhört. All dies und vieles andere gehört zu den langfristigen Entwicklungsdynamiken hoch entwickelter Wissenschaftsnationen. Und die treffen nun auf eine Krise des demokratischen Konstitutionalismus: Neue Formen des autoritären Cäsarismus entstehen, in Polen, in Ungarn, in Russland, und sie haben Implikationen, auch für die Wissenschaften.
Welche Implikationen meinen Sie?
Die Reflexivität, die kritische Wissenschaft einer Gesellschaft bietet, wird als etwas Riskantes verstanden und eingeschränkt. An ihre Stelle tritt ein bloß noch instrumentelles Verständnis von Forschung, das einhergeht mit einem instrumentellen Verständnis von Medien, von Kunst und anderen Feldern unabhängigen Denkens. Nehmen Sie Japans Ministerpräsident Shinzo Abe: Eine nationalistische ...
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