Der bittere Preis der Integrität
Britta Nestler hat gestern nachträglich den Leibniz-Preis verliehen bekommen. Die Vorwürfe gegen sie waren haltlos. Doch sie mussten untersucht werden.
DAS HAPPY END kann die Bitterkeit nicht beseitigen. Gestern Abend hat die Materialforscherin Britta Nestler den Leibniz-Preis erhalten – mit vier Monaten Verspätung.
Im März, unmittelbar vor der eigentlichen Preisverleihung, waren anonyme Vorwürfe laut geworden, Nestler habe sich eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens schuldig gemacht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hatte sich daraufhin entschieden, die Auszeichnung für die Karlsruher Forscherin zurückzuhalten und zunächst zu überprüfen, ob etwas an den Anschuldigungen dran war. Dass von den zehn gekürten Leibniz-Preisträgern des Jahres 2017 eine bei der Preisverleihung in Berlin fehlte, war eine seltene, eine niederschmetternde Szene.
Jetzt ist klar: Alle Vorwürfe gegen Nestler waren haltlos. Die DFG hat sie durch aufwändige Ermittlungen ausgeräumt und die Preisträgerin vollständig entlastet. Dass Nestler ihre Auszeichnung gestern Abend bei der Jahresversammlung der DFG in Halle verliehen bekam, in Gegenwart von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und der GWK-Vorsitzenden Eva-Quante-Brandt, ist ein Signal an die Preisträgerin, aber auch an die Forscher-Community insgesamt: Wir wollen es wieder gutmachen. Denn natürlich wissen alle Beteiligten: Nestler Reputation hat gelitten. Zu Unrecht, ja. Aber sie hat gelitten.
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