Zahlenspiele
Weil sich deutlich weniger internationale Studenten an Baden-Württembergs Hochschulen eingeschrieben haben, erklären Kritiker die gerade eingeführten Studiengebühren für gescheitert. Doch ihr Erfolg entscheidet sich nicht an statistischen Momentaufnahmen.

DIE ZAHL DER Studienanfänger aus Nicht-EU-Ländern an Baden-Württembergs Hochschulen ist gegenüber dem Vorjahr um 21,6 Prozent zurückgegangen. Schuld sind die Studiengebühren für diese Studierendengruppe, die das Land auf Initiative der grünen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer zum Wintersemester eingeführt hatte. 1500 Euro werden jetzt pro Semester fällig, 300 davon sollen in die bessere Betreuung fließen, um die hohen Abbrecherquoten unter internationalen Studenten zu senken. Mit dem Rest will Bauer Löcher in der Hochschulfinanzierung stopfen.
Nach Bekanntwerden der vorläufigen Einschreibezahlen unternahm die Grüne Jugend beim Landesparteitag am vergangenen Wochenende vergeblich den Versuch, das Bezahlstudium zu kippen. Die Gebührengegner fühlen sich bestätigt, sehen in dem Rückgang um ein Fünftel eine katastrophale Entwicklung und den Beleg dafür, dass das Bezahlstudium gerade die Studenten aus armen Ländern und Familien dauerhaft vertreiben wird.
Eine Deutung, die sich als voreilig herausstellen könnte. Der Schwund entspricht exakt der Größenordnung, die Bauer selbst vor einem Jahr prognostiziert hatte. Nicht aus dem hohlen Bauch heraus, sondern weil andere Länder wie Schweden und Dänemark einen ähnlichen Rückgang verzeichneten, nachdem sie Studiengebühren ...
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