Die Zeichen der Zeit erkennen, ohne dem Zeitgeist zu verfallen
Die Kultusministerkonferenz braucht, um zu alter Stärke zurückzufinden, einen Staatsvertrag. Was sie nicht braucht, ist eine Aufspaltung. Ein Gastbeitrag von Udo Michallik.

ES WIRD WIEDER politischer in der Bildungscommunity. Die Rolle des Bildungsföderalismus und somit auch die der Kultusministerkonferenz (KMK) wird mit dem schwerbeladenen Wörtchen Reform überzogen. Erwartungen werden geschürt und Forderungen lauter. Dies zeigt, es ist Musik im System.
Meine eigene Geschichte im Umgang mit dem Kulturföderalismus ist eine, die bis an den Anfang meiner beruflichen Laufbahn reicht. Als gelernter Historiker darf ich so weit ausholen. Es ist einer der ehernen Grundsätze der Geschichtswissenschaft, dass, wer die Vergangenheit nicht versteht, die Zukunft nicht gestalten kann.
1996 wurde in der Kultusministerkonferenz die Geschichte erzählt, die damalige Kultusministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern (M-V), Regine Marquardt, habe in einer Plenumssitzung der KMK vollmundig erklärt, in M-V mit einem Federstrich das 13-jährige Abitur einführen zu können (das heutige G9). Es war die Zeit der ersten großen Koalition im Nordosten der Republik. Diese verhandelte zu dieser Zeit gerade das erste Schulgesetz, das das Schulreformgesetz von 1991 ablöste. Einen jungen Referenten der Koalitionsfraktion empörte das Vorgehen der Landesministerin in der KMK, sich dermaßen über das ...
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