Bloß nicht zu viel Entschleunigung
Die Schule wird wieder länger, das Studium auch – und dann noch der Vorschlag einer Dienstpflicht: Wer bedenkt die bildungspolitischen Folgen dieses unabgestimmten Reformkonzerts?

Willi Heidelbach: " uhr_angeschnitten ", CC BY 2.0
VIELLEICHT WAR DIE Debatte dann doch nicht so ernst gemeint. Zumindest ist es erstaunlich, wie schnell der eben noch hitzig diskutierte CDU-Vorschlag eines "verpflichtenden Gesellschaftsjahres" für junge Menschen aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Die typische Sommerloch-Karriere einer Idee, befördert von verzweifelt auf Themensuche befindlichen Politikern und Journalisten?
In jedem Fall hat das in fast schon schmerzhafter Breite ausgewalzte Für und Wider einer allgemeinen Dienstpflicht für mich zwei bleibende Erkenntnisse zu Tage befördert. Wovon eine ziemlich besorgniserregend ist.
Die erste: Die öffentlichen Sympathien in "fast allen politischen Lagern" (die Formulierung stammt vom verteidigungspolitischen Sprechers der SPD, Fritz Felgentreu ) manifestiert einen schon länger zu beobachtenden gesellschaftlichen Meinungsumschwung. Kurz gefasst lautet er: Die jungen Leute sollen nicht so durch ihr Leben hetzen. Sich mit Beruf und Karriere mehr Zeit lassen. Mal etwas Anderes sehen. Was für die Allgemeinheit tun. Meist folgt dann noch ein Hinweis auf den angeblich ökonomisch getriebenen Trend zu immer mehr Selbstoptimierung und Effizienz in Schule und Hochschule.
Der beschriebene Meinungsumschwung ...
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