Bildungsrat: Führende Wissenschaftler üben scharfe Kritik an der Politik
"Diskursverweigerung", "Täuschung der Öffentlichkeit", "verpasste Chance": Mehrere Bildungsforscher äußern ihr Unverständnis über die Absage aus Bayern und Baden-Württemberg und fordern einen neuen Anlauf.

Foto: Peggy Choucair / pixabay - cco.
SEIT BAYERNS MINISTERPRÄSIDENT Markus Söder (CSU) den Nationalen Bildungsrat rhetorisch begraben hatte, waren zwei Dinge auffällig. Erstens: Die Berichterstattung verlagerte sich erstaunlich schnell auf den Streit um die Sommerferien. Söder hatte ihn mit einer fast beiläufigen Bemerkung ("Das bayerische Abitur bleibt bayerisch, übrigens genauso, wie die Ferienzeiten bleiben") gestartet, Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) war, wohl aus Empörung über das schroffe Bildungsrat-Njet aus Bayern darauf aufgesprungen ("Jetzt wird jedes Land genau wie Bayern die Sommerferien im Alleingang festlegen"). Und in den Medien waren viele froh, statt dem abstrakten Konfliktgegenstand Bildungsrat endlich etwas Plakatives zu haben. Die zweite Auffälligkeit: So sehr die Bildungspolitiker stritten seit Sonntag, so wenig war von den Bildungswissenschaftlern zu hören – dabei sollte doch die Wissenschaft neben der Politik im Rat die zentrale Rolle spielen. Hatte Söder die Forscher überrumpelt?
Wie auch immer: Mit der Zurückhaltung der ersten Tage ist es jetzt vorbei. Führende Bildungswissenschaftler der Republik haben sich seit gestern auf meine Anfrage hin gemeldet und eine Vielzahl von Statements geschickt, die es an Deutlichkeit nicht fehlen lassen. Der einhellige Tenor: Die Politik macht einen Riesenfehler, wenn sie die Pläne von einem Nationalen Bildungsrat aus offenbar sachfremdem Kalkül fallen ließe. So sagt zum Beispiel der Direktor des Deutschen Jugendinstituts (DJI), Thomas Rauschenbach: "Wenn man Bildungsfragen wieder als reine Machtfragen versteht, hat man etwas Wesentliches nicht verstanden: dass es in Deutschland beim Thema Bildung längst viel fundamentalere Probleme von nationaler Tragweite gibt." Mit einer Beschneidung der Länderrechte habe ein solches Gremium nichts zu tun. "Insofern stellen die Absagen an den Bildungsrat eine Diskursverweigerung dar, die dem Bildungsthema nicht angemessen ist."
Kai Maaz, der neue geschäftsführende Direktor des DIPF Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, nennt das Nein Bayerns und in der Folge Baden-Württembergs "aus vielerlei Hinsicht höchst bedauerlich". Es verkenne das Potenzial eines solchen Gremiums. Auch der ehemalige nationale PISA-Koordinator Eckhard Klieme (ebenfalls DIPF) schickt ein verbales Kopfschütteln ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Neuen Kommentar hinzufügen