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Verquirlte Argumente

Die Rechtspopulisten im Bundestag blasen zur Rettung der Wissenschaftssprache Deutsch. In ihrem Antrag finden sich gleich mehrere aufschlussreiche Stellen.

DIE AfD SORGT SICH um die Wissenschaftssprache Deutsch und fordert einen "nationalen Aktionsplan" für ihren "Erhalt", zu ihrer "Stärkung und Pflege". Der Antrag, den die ihre Bundestagsfraktion dazu vor Weihnachten eingebracht hat, hat eine teilweise bemerkenswerte Argumentation.

Die angeführten Zahlen sind erst einmal unbestritten: Vor 100 Jahren seien 45 Prozent der naturwissenschaftlichen Publikationen auf Deutsch verfasst worden, 2005 seien es nur noch zwei Prozent gewesen, referieren die Rechtspopulisten. In den Geistes- und Sozialwissenschaften erschienen 2005 sogar 77 Prozent der Bücher und Fachartikel auf Englisch, auf Deutsch nur sieben Prozent.

Interessant ist die Interpretation der Fakten: Die "Vormachtstellung des Englischen" (O-Ton AfD-Antrag) oder genauer: die Tatsache, dass Deutsch "zunehmend als Wissenschaftssprache verdrängt" werde, sehen die Rechtspopulisten begründet in der "Diskreditierung der deutschen Sprache durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg“ und in der "bis heute ungebrochene(n) Dominanz der angloamerikanischen Kultur weltweit“.

Mischung aus gekränktem Nationalstolz und Kulturchauvinismus

Moment – Welche politische Ecke war das nochmal, die zu Zeiten des Ersten und Zweiten Weltkrieges in Deutschland am Ruder war? Die den Antrag durchziehende Mischung aus gekränktem Nationalstolz und Kulturchauvinismus wird nur unzureichend ...

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Kommentare

#1 -

Raphael Wimmer | Mi., 22.01.2020 - 10:52
Der Antrag zitiert mehrfach und ausführlich einen (ganz guten) Welt-Artikel zum Thema von 2013 [1].

Was nicht zitiert wird, ist die Ursachenanalyse im Artikel:

"Der nationalistische Eifer des Ersten Weltkriegs und der Exodus der weithin jüdischen Intelligenz im Zweiten Weltkrieg haben das Deutsche seinen Rang gekostet. "

#2 -

Raphael Wimmer | Mi., 22.01.2020 - 10:53
[1] https://www.welt.de/politik/deutschland/article113150770/Warum-Deutsch-als-Forschungssprache-verschwindet.html

#3 -

Stefan S. | Mi., 22.01.2020 - 17:30
"Vor 100 Jahren seien 45 Prozent der naturwissenschaftlichen Publikationen auf Deutsch verfasst worden." Und vor 500 Jahren? Vermutlich 95 Prozent auf Latein. In der der Geschichte der Wissenschaft gab es meistens und aus gutem Grund eine lingua franca: in der Antike Griechisch, später Arabisch, dann Latein. Heute ist es halt Englisch. Dass in verschiedensten Nationalsprachen publiziert wurde, war nur eine vergleichsweise kurze Phase (etwa vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert).

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